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Jahresbericht der CRF: Explosion der Anzeigen
Wirtschaft 13.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Jahresbericht der CRF: Explosion der Anzeigen

Für 2016 geht die CRF von einem Geldvolumen über 1,15 Milliarden Euro aus, das am Gesetz vorbeigeschleust wurde.

Jahresbericht der CRF: Explosion der Anzeigen

Für 2016 geht die CRF von einem Geldvolumen über 1,15 Milliarden Euro aus, das am Gesetz vorbeigeschleust wurde.
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Wirtschaft 13.11.2017 Aus unserem online-Archiv

Jahresbericht der CRF: Explosion der Anzeigen

Eric HAMUS
Eric HAMUS
Die „Cellule de renseignement financier“ wurde letztes Jahr mit einer explosionsartigen Vermehrung der Verdachtsfälle konfrontiert: Insgesamt wurden 30 710 Vorfälle gemeldet – 178,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

(ham) - Ein Anstieg von 178,6 Prozent ist normalerweise recht spektakulär. Die „Cellule de renseignement financier“ allerdings winkt ab: Man habe diese Flut vorausgesehen. Doch der Reihe nach: Insgesamt wurden 2016 nämlich 30 710 Vorfälle gemeldet - 19 687 mehr als im Vorjahr, als die CRF nur 11 023 Akten erfasste. Das geht aus dem Jahresbericht der CRF hervor, die der Staatsanwaltschaft Luxemburg im Bereich der Finanz- und Wirtschaftskriminalität unterstellt ist.

Wenn auch „spektakulär“, so sei dieser Anstieg nicht „außergewöhnlich“, heißt es im Bericht. So gehe diese Flut an Verdachtsfällen fast ausschließlich auf einen einzigen Akteur im Bereich der digitalen Zahlungsmittel zurück, der sich vor kurzem in Luxemburg niedergelassen hat und sämtliche Verdachtsfälle aus allen 28 EU-Staaten im Großherzogtum melden muss.

Die Herausforderung für die CRF habe vor allem darin bestanden, diese Masse an Informationen zu erfassen und entsprechend zu analysieren. Dabei sei man auf goAML gestoßen, eine Software der UN-Behörde gegen Drogen und Kriminalität. Das Programm wurde für die eigenen Zwecke umgewandelt und am 1. Januar dieses Jahres in Betrieb genommen.

Geldwäsche und Terrorismus

99,77 Prozent der gemeldeten Verdachtsmomente können dem Bereich der Geldwäsche zugeordnet werden. Der Rest, 70 Akten, betrifft die mögliche Finanzierung von Terrorismus. 24 Fälle wurden aus dem Ausland an Luxemburg herangetragen. „Wenn auch weniger spektakulär, so zeigen diese Zahlen jedoch die Ausmaße, die die Finanzierung von Terrorismus inzwischen angenommen hat. Diese Materie ist so umfangreich, dass die CRF einen Analysten vollzeitig dafür abstellen musste“, schlussfolgert der Bericht.

Laut Gesetz sind bekanntlich sämtliche, im Bereich der Finanzen tätige Institute, Firmen oder Personen verpflichtet, Geldwäsche oder die Finanzierung von Terrorismus den Behörden zu melden. Diese Funktion übernimmt in Luxemburg die CRF, die die Akten analysiert und im Fall eines möglichen Gesetzesverstoßes an die Staatsanwaltschaft weiterreicht.

Dies war 2016 in 577 Verdachtsmomenten der Fall, zehn mehr als im Jahr zuvor. Dabei geht die CRF von einem Geldvolumen über 1,15 Milliarden Euro aus. Für 2017 geht die CRF von einem weiteren Anstieg an Fällen aus. Seit 1. Januar nämlich fällt auch die Steuerhinterziehung in den Zuständigkeitsbereich der CRF. ham


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