Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Interview mit dem Geschäftsführer des Hunsrück-Flughafens: Der Hahn soll in privaten Händen landen
Wirtschaft 7 Min. 05.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Interview mit dem Geschäftsführer des Hunsrück-Flughafens: Der Hahn soll in privaten Händen landen

Interview mit dem Geschäftsführer des Hunsrück-Flughafens: Der Hahn soll in privaten Händen landen

Wirtschaft 7 Min. 05.04.2015 Aus unserem online-Archiv

Interview mit dem Geschäftsführer des Hunsrück-Flughafens: Der Hahn soll in privaten Händen landen

Der angeschlagene Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz musste im Geschäftsjahr 2014 bei Passagieren und Fracht weitere Einbußen hinnehmen. Dennoch sieht Geschäftsführer Markus Bunk den Flughafen für die Suche nach einem Käufer gut gerüstet.

Von Andreas Adam

Der angeschlagene Flughafen Hahn in Rheinland-Pfalz musste im Geschäftsjahr 2014 bei Passagieren und Fracht weitere Einbußen hinnehmen. Gleichzeitig legte das Defizit wegen Sonderabschreibungen kräftig zu. Dennoch sieht Geschäftsführer Markus Bunk den Flughafen für die Suche nach einem Käufer gut gerüstet.

Herr Bunk, Sie sind seit Herbst 2013 Geschäftsführer. 2014 war Ihr erstes volles Geschäftsjahr. Wie ist es gelaufen, nachdem 2013 die Tonnage auf gut 150 000 Tonnen und die Zahl der Passagiere auf 2,7 Millionen gesunken war?

Ich war ab 2013 zunächst einer von zwei Geschäftsführern und bin seit Mai 2014 alleiniger Geschäftsführer. Wir hatten schon 2013 von Ryanair erfahren, dass sie im Sommer 2014 nicht genügend Fluggerät zur Verfügung haben werden. Daher hatten wir schon mit weniger Passagieren gerechnet. Es wurden dann zwar doch mehr als erwartet, aber dennoch weniger als 2013. 2014 waren es 2,447 Millionen. 2013 dagegen 2,667 Millionen Passagiere. Dass es nicht so schlimm kam wie befürchtet, liegt auch daran – da wollen wir mal von unserem zweiten großen Kunden sprechen – dass sich die Wizz Air sehr gut entwickelt: innerhalb von ein bis zwei Jahren von vier auf mittlerweile dann jetzt im Sommerflugplan acht Ziele.

Welchen Anteil an den 2,447 Millionen Passagieren im Jahr 2014 hatte denn Ryanair?

Das sind schon 90 Prozent. Danach kommen Wizz Air, Sun Express, Germania...

Und wie sah es 2014 bei der Tonnage im Frachtbereich aus?

Alle unsere Bestandskunden sind eigentlich ganz vernünftig gewachsen. Wir hatten den Wunsch, dass sich die Air China Cargo mit einem deutlichen Zuwachs bei uns dauerhaft positioniert. Die haben sich jedoch für Frankfurt entschieden. Und damit haben wir dann nicht das Wachstum erreicht, das wir erreichen wollten. Der Rückgang der Tonnage im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2013 resultiert daraus, dass wir schon 2013 einige Frachtairlines verloren haben, die 2014 dann ganzjährig nicht mehr da waren. 

Markus Bunk ist Geschäftsführer des Flughafens Hahn. Trotz eines zweistelligen Millionendefizits im vergangenen Jahr zeigt er sich zuversichtlich für die Zukunft des Hunsrück-Airports.
Markus Bunk ist Geschäftsführer des Flughafens Hahn. Trotz eines zweistelligen Millionendefizits im vergangenen Jahr zeigt er sich zuversichtlich für die Zukunft des Hunsrück-Airports.
Andreas Adam

Im welchen Bereich lag denn die gesamte Frachttonnage 2014?

Bei 132 000 Tonnen.

In der deutschen Presse war zu lesen, der Flughafen habe 2014 ein Defizit von 40 Millionen Euro gemacht. Dabei war knapp die Hälfte prognostiziert worden. 2013 waren es nicht ganz 11 Millionen Euro Fehlbetrag. Wie ist das zu erklären?

Ganz präzise ist der Wert von 40 Millionen Euro nicht. Wir hatten 20 Millionen rund prognostiziert und werden bei 16, 17, 18 Millionen landen. Also etwas besser sein als die Prognose. Dann haben wir noch ein paar bilanzielle Korrekturen vorgenommen, die dazu führen das wir weitere rund 25 Millionen Euro als Sonderabschreibung haben, die als Einmaleffekt in der Bilanz natürlich auftauchen und damit das Ergebnis auf jenseits der 40 Millionen Euro Minus schieben.

Herr O'Leary bestätigt uns, dass Ryanair den Hahn nicht verlassen wird.

Welche Sonderabschreibungen sind das?

Es handelt sich dabei um Wertberichtigungen unserer Infrastruktur am Standort, die eben in den Büchern der Bilanz mit einem hohen Wert drinstehen. Wir werden die Auslastung in den nächsten Jahren nicht erreichen, sodass wir die bilanzielle Abschreibung, die ja Jahr für Jahr stattfindet, zum Teil vorziehen. Das belastet unser Ergebnis in diesem Jahr, entlastet aber unser Ergebnis in den Folgejahren.

Im Frachtbereich gingen 2013 bereits Kunden verloren, man tröstete sich damit, dass Yangtze, Silkway, Nippon und Atlas noch da waren und mit der vorhandenen 24h-Genehmigung. Doch nun ist auch Yangtze mit seinen zirka 50 000 Tonnen Kapazität weg. Im Passagierbereich hängt der Flughafen derweil von Ryanair ab. Wie wollen sie darauf reagieren?

Ryanair steht zu uns. Immer wenn wir mit Herrn O'Leary [Das ist der Ryanair-CEO. – Anm. d. Red.] und seinen Mitarbeitern sprechen, bestätigt er uns, dass er den Hahn nicht verlassen wird. Das kann man ja auch nachvollziehen. 70 Prozent des Verkehrs der Ryanair auf dem Hahn kommt aus dem Rhein-Main-Gebiet. Und für das Rhein-Main-Gebiet gibt's zu uns keine Alternative. Ryanair und Frankfurt/Main passen einfach nicht zusammen. Und das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Das bestätigen sowohl Ryanair als auch die Frankfurter. Wir sind der Flughafen für das Rhein-Main-Gebiet, deswegen heißen wir ja auch Frankfurt-Hahn. 

Wir gehen davon aus, dass Ryanair wieder leicht wachsen wird.  

Darüber könnte man diskutieren ... [Frankfurt ist rund 100 Kilometer Luftlinie vom Hahn entfernt. – Anm. d. Red.]

Das beschreibt aber, wo unsere Zielgruppe liegt.

Wie geht es denn nun mir Ryanair weiter? Sie sprachen ja von der Ankündung, dass nicht genügend Fluggerät zur Verfügung stehe.

Die Gespräche laufen. Wir gehen davon aus, dass Ryanair wieder leicht wachsen wird. Im Herbst 2015 sollen die Auslieferungen von Flugzeugen beginnen. Berlin wird dann an die Reihe kommen und einige außerdeutsche Ziele, Brüssel etwa. Aber dann sind wir auch dran, zumindest signalisiert man uns das. 2016 würde ich dann schon erwarten, dass wieder Wachstum kommt mit der Ryanair.

Wir haben die Schulden um 100 Millionen reduziert und sind nun attraktiver für einen privaten Investor. 

Und was wollen sie im Frachtbereich unternehmen?

Wir verstärken nun natürlich unseren Vertrieb wieder und werden massiv auf den Markt zugehen. Wir haben eine 24-Stunden-Genehmigung. Das ist bekannt und keine Neuigkeit. Wir haben das ergänzt. Wir müssen ja auch am Produkt etwas tun. Wir haben eine Halle in Frankfurt gemietet. Eine Umschlaghalle, die dafür genutzt wird, dass unsere Frachtkunden ihre Fracht in Frankfurt abliefern können, für den Export, oder in Frankfurt abholen können, für den Import. Damit ist unser Standort jetzt an das Road Feeder System der Spediteure rund um die Frankfurter Cargo City Süd angebunden. Bei uns auf dem Hahn ist es ja so, dass der Flieger direkt vor der Frachthalle steht. Die Fracht ist innerhalb von einer Stunde auf dem Lkw. Noch mal anderthalb Stunden später ist die Fracht dann in Frankfurt/Main. D. h. in grob gerechnet drei Stunden ist die Fracht in der Umschlaghalle Lkw-fertig palettiert. Wohingegen, wenn Sie mit ihrem Lkw in Frankfurt in der Cargo City stehen, Sie teilweise fünf Stunden warten müssen, bis der Flieger dort entladen ist. Dann kommt auch noch unsere 24-Stunden-Genehmigung zum Tragen. Wir sind also mindestens so schnell wie Frankfurt/Main, aber das rund um die Uhr. Das muss sich noch etwas etablieren, da es ein neues Produkt ist.

Der Flughafen gehört den Ländern Rheinland-Pfalz (82,5 Prozent) und Hessen (17,5 Prozent). Nun soll der Hahn verkauft werden. Ist das die letzte Hoffnung? Einen Investor zu finden, der den Hahn rauspaukt?

Nein, es ist der Wunsch einen Partner zu finden, der den Standort aus eigenem Interesse vorantreibt. Das hängt mit der Entscheidung der EU-Kommission vom 1. Oktober 2014 zusammen. Solange dieses Damoklesschwert über uns hing, dass Beihilfen geflossen seien, die es zurückzuzahlen gelte, gab es natürlich keinen Interessenten. Das ist doch klar. Das Damoklesschwert haben wir jetzt abgehängt. Die EU-Kommission hat gesagt, „Ihr seid sauber.“ Wir haben die Möglichkeiten, die sich damit ergeben auch umgesetzt. Wir haben die Schulden um 100 Millionen reduziert, belasten noch mal das Jahr 2014, sodass wir ab 2015 fast schuldenfrei sind und das Ergebnis deutlich verbessert haben durch die bilanzielle Neuordnung. Das heißt, wir sind jetzt auch attraktiver für einen privaten Investor.

Können sie das genauer erläutern?

Wir haben Darlehen bekommen, wurden finanziert vom Land Rheinland-Pfalz. Die Mittelzuflüsse in Form von Darlehen waren als Mittelzufluss letztlich in Ordnung. Deswegen hat das Land gesagt, dann sind das jetzt keine Darlehen mehr sondern Zuschüsse. Und weil es keine Darlehen mehr sind, sondern Zuschüsse, müssen wir es nicht mehr zurückzahlen. Und damit haben wir jetzt Geld in der Kasse, womit wir die Sonderabschreibungen bezahlen können. Hätte die EU-Kommission gesagt, es handele sich um unerlaubte Beihilfen, hätten wir das Darlehen zurückzahlen müssen.

Beihilfen sind nach EU-Vorgaben nur noch bis 2024 erlaubt...

Das bedeutet unser Jahresabschluss 2023 muss deutlich besser aussehen. Wir haben also noch neun Jahre Zeit, unser Ergebnis zu verbessern. Die Voraussetzungen hat unser Eigentümer dadurch geschaffen, dass er uns die Darlehen erlassen hat. Über die Sonderabschreibungen hat er einen weiteren Schritt getan. Über die Privatisierung versucht er nun noch einen Partner zu finden.




Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Sommerflugplan 2017 vorgestellt
Die Billigfluggesellschaft hat einen fünfjährigen Abfertigungsvertrag mit dem defizitären Flughafen Hahn unterzeichnet und sieht kein Problem darin, neben Luxemburg und Frankfurt längerfristig auch den Hunsrück-Airport anzufliegen.
Die Billigfluggesellschaft hat einen fünfjährigen Abfertigungsvertrag mit dem defizitären Flughafen Hahn unterzeichnet und sieht kein Problem darin, neben Luxemburg und Frankfurt längerfristig auch den Hunsrück-Airport anzufliegen.
Rätsel wird am Donnerstag aufgelöst
Die Anzeichen mehren sich, dass Ryanair bald den Flughafen Findel in sein Streckennetz aufnehmen wird. Vor einigen Wochen hat die Fluggesellschaft die Internet-Domain Ryanair.lu registrieren lassen.
Vor der Pressekonferenz von Ryanair am Donnerstag steigt die Spannung.
Rückschlag für Hunsrück-Flughafen
Der Flughafen Frankfurt-Hahn in Rheinland-Pfalz verliert einen Kunden im Frachtgeschäft. Seit dieser Woche ist klar, dass die Frachtfluggesellschaft Air China Cargo den Flughafen nicht mehr anfliegen wird.
Nach langen Verhandlungen hatte die Flughafengesellschaft Hahn im vergangenen Sommer den chinesischen Kunden für den Frachtverkehr gewonnen. (Symbolfoto Air China)