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Intelligente Roboter, Flugtaxis und ein Riesenrad
Wirtschaft 25 4 Min. 12.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Intelligente Roboter, Flugtaxis und ein Riesenrad

Im Mittelpunkt der Digitalisierungsmesse Cebit in Hannover steht die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.

Intelligente Roboter, Flugtaxis und ein Riesenrad

Im Mittelpunkt der Digitalisierungsmesse Cebit in Hannover steht die digitale Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft.
Friso Gentsch/dpa
Wirtschaft 25 4 Min. 12.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Intelligente Roboter, Flugtaxis und ein Riesenrad

Am Montag wurde die IT-Messe Cebit in Hannover eröffnet. Bis zum 15. Juni geht es dort um digitale Megatrends rund um künstliche Intelligenz, humanoide Roboter und autonomes Fahren.

(dpa/GLP/SCH) - Zum Auftakt der IT-Messe Cebit begann Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) seinen Eröffnungsrundgang durch die Hallen der komplett neu ausgerichteten Veranstaltung. Mehr als zuvor will die Cebit „Messe, Konferenz und Networking in einem“ sein, wie Messechef Oliver Frese sagte. Auch Privatbesucher, vor allem digital interessierte, junge Menschen, sollen wieder verstärkt angesprochen werden.


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Frese machte klar: „Digitalisierung wird uns wahrscheinlich die nächsten Jahrzehnte begleiten - weil sie nie stillsteht.“ Auf dem Weg dahin bräuchten die Menschen - und auch Unternehmenslenker und die Kreativen in Unternehmen - Orientierung. Auch IT-Unternehmen verbinden große Erwartungen mit der Neuausrichtung der Messe. Im Zentrum des neuen Konzepts steht eine Art Campus unter dem Expo-Dach. Die bisherigen Konferenzen werden in einem neuen Talkshow-Format aufgehen. In den Blick genommen werde auch, welche Veränderungen etwa VR-Brillen, Drohnen oder Roboter in den nächsten drei bis fünf Jahren bewirken könnten.

Die Veranstalter rechnen mit 2500 bis 2800 Ausstellern aus 70 Ländern. Schätzungen zu Besucherzahlen gibt es noch nicht. Seit 1986 fand die Cebit bislang jährlich im Frühjahr vier Wochen vor der größeren Hannover Messe statt.

Was Besucher erwartet

Intel-Deutschland-Chef Christian Lamprechter sagte: „Wir stellen uns dem neuen Konzept und nutzen sowohl Innen- als auch Außenflächen.“ Vernetzung und künstliche Intelligenz will der Chip-Konzern erlebbar machen. Jeden Abend werde es eine fünfminütige Drohnen-Show auf dem Außengelände geben. Außerdem zeigt Intel etwa das erste bemannte Flugtaxi Volocopter auf seinem Stand sowie eine „stehende Welle“. Aus den Augen des Surfers sollen Besucher mit Hilfe von High-tech-Kameras und Künstlicher Intelligenz in Echtzeit die Tour mit einer Virtual-Reality-Brille miterleben können.

Auch Robotik-Interessierte kommen auf ihre Kosten.Da gibt es zum einen den rund 1,20 Meter großen Pepper von SoftBank Robotics, der auf menschliche Emotionen reagieren kann. Dies könnte ihm im "Job" helfen, denn er kann als smarter Mitarbeiter im Einzelhandel Fragen zu bestimmten Produkten beantworten.


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Dann ist da noch der Cobot, zu deutsch kollaborativer Roboter, "Panda" von Voith Robotics zu bestaunen. Er will beweisen, dass er in die Geschäftsprozesse eines Unternehmens integriert werden kann.

Die direkte Interaktion mit einem Menschen zeigt das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) mit dem Service-Roboter Armar-6. Er kann dem Techniker auf der Leiter Hammer und Bohrmaschine reichen. Indem er seinen menschlichen Kollegen beobachtet, lernt er zudem gleich mit, wie diese verwendet werden. Die Entwicklung der aktuellen Generation der Roboterfamilie ist Teil des EU-Projekts SecondHands, das die Automatisierung im industriellen Umfeld fördern soll.

Wie weit es um die Künstlichen Intelligenz bestellt ist und welche Chancen und Risiken damit verbunden sind - dies sind Fragen, mit denen sich das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in seinem Projekt H.E.A.R.T. (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teching) auseinandersetzt. Die Projektverantwortlichen veranschaulichen, wo lernende Systeme zum Wohle des Menschen Verwendung finden können.

Auch VW setzt auf Roboter

Volkswagen hat auf der Cebit eine neue Version seines Roboterwagen-Konzepts „Sedric“ vorgestellt. Diese Studie sei für sportlich aktive Menschen gedacht, sagte Digitalchef Johann Jungwirth. Die Idee sei, dass der „Sedric Active“ einen Nutzer zum Beispiel am Startpunkt einer Mountainbike-Tour absetze und dann autonom zum Zielort fahre. Dafür müsse man dem Wagen den Zugriff auf die eigenen Ortungsdaten gewähren. Alternativ könne man den Wagen auch zum Schluss per Knopfdruck rufen. 

Warnung vor Gefahren sozialer Netzwerke

Nicht nur die Vorzüge der Technik sind Thema, es geht auch um Gefahren der Digitalisierung. Der US-Digitalpionier Jaron Lanier hat zum Auftakt der Cebit vor den negativen Auswirkungen der Sozialen Netzwerke gewarnt und empfohlen, Plattformen wie Facebook, Twitter und Co zu verlassen. „Wir sind daran so gewöhnt, dass wir nicht mehr merken, wie bizarr und krank das ist“, sagte er. Viele Nutzer seien der Meinung, ohne Social-Media-Präsenz würden sie gar nicht mehr existieren.

Bezahlmodell als Lösung?

Lanier warnte konkret vor einer Überwachung in den Netzwerken, einem Kontrollverlust über die eigenen Daten und dem Effekt von Filterblasen. Demokratie bestehe aus Diversität und der Vielfalt im Denken: „Doch das funktioniert nicht, wenn wir alle im selben System gefangen sind.“ Um die Kontrolle über die Daten zurückzugewinnen, sollten die Nutzer – so der Vorschlag von Lanier – künftig für das Angebot zahlen. So habe sich beim Fernsehen am Beispiel von Netflix gezeigt, dass Bezahlangebote beliebter und besser sein könnten, als werbefinanzierte Modelle.

Jaron Lanier gilt als Netzvordenker und hat mehrere Bücher veröffentlicht. 2014 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Zuletzt erschien der Titel „Zehn Gründe, warum du deine Social-Media-Accounts sofort löschen musst“. Er selbst ist nach eigenen Angaben nicht auf den Sozialen Netzwerken vertreten.

Ohne Microsoft, aber mit neuem Wahrzeichen

Ein optisches Highlight der Messe kommt von SAP. Schon am Montag war das Riesenrad des Software-Spezialisten auf dem Campus der Messe in Hannover weithin sichtbar. Es könnte das Zeug dazu haben, ein neues Wahrzeichen der Cebit zu werden.

Microsoft als einstiger großer Cebit-Aussteller verzichtet in diesem Jahr auf eine Teilnahme.


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