Innovation aus Luxemburg

Start-up startet Produktion von neuartigem E-Roller

Bisher wurden in der nagelneuen Fabrik lediglich einige erste Modelle gefertigt. Bis Ende des Jahres soll die Produktion allerdings richtig anlaufen. Dazu werden noch 37 neue Mitarbeiter eingestellt.
Bisher wurden in der nagelneuen Fabrik lediglich einige erste Modelle gefertigt. Bis Ende des Jahres soll die Produktion allerdings richtig anlaufen. Dazu werden noch 37 neue Mitarbeiter eingestellt.
Foto: Guy Jallay

(M.G.) - In den kommenden Wochen werden in Foetz die ersten elektronisch betriebenen Roller Luxemburgs serienmäßig vom Band laufen. Fünf Tage vor den Gemeindewahlen gab das vor allem dem Wirtschaftsminister Étienne Schneider und der Monnericher Bürgermeisterin Christine Schweich Grund zur Freude. Dass sich ein Unternehmen mit einem solch innovativen Produkt in Luxemburg niederlasse zeige, dass „wir nicht alles falsch machen“, so der Minister spöttisch. „Wir sind auf dem richtigen Weg eine High-Tech-Industrie in Luxemburg zu entwickeln.“

Foto: Guy Jallay

Tatsächlich haben die Entwickler von Ujet den klassischen Motorroller neu erfunden. „Wir haben mehr als 30 Patente angemeldet“, sagt Patrick David, Vizepräsident der Firma. Durch den elektronischen Antrieb ist der Roller quasi geräuschlos und ohne direkte Abgasemissionen. Gegründet wurde das Start-up-Unternehmen vor rund drei Jahren in Leudelingen. „Wir haben ein kleines und komplett verrücktes Team, das diesen Roller entwickelt hat“, erklärt Konstantin Nutman, Vorstandsvorsitzender der Ujet-Gruppe.

Die Entwicklung des E-Rollers hat 40 Millionen Euro an Investitionen gekostet. Die staatliche Beteiligung beschränkt sich dabei auf Investitionsbeihilfen in Höhe von zehn Prozent des Anschaffungspreises der Maschinen. Insgesamt beläuft sich diese Hilfestellung auf rund 70 000 Euro. Hauptaktionär der Ujet-Gruppe ist die russische Firma Ocsial, die im Sommer ebenfalls ankündigte rund 100 Millionen Euro in eine eigene neue Produktionsstätte in Differdingen zu investieren.

Ein leiser Roller für den Stadtbewohner

Mit knapp 50 Kilo ist der Ujet-Roller wesentlich leichter als seine motorgetriebenen Vorfahren. Das liegt vor allem an den extrem leichten Verbundwerkstoffen, aus denen der Rahmen gefertigt ist. Gleichzeitig kann man ihn zusammenklappen und so platzsparend abstellen. Die Batterie unter dem Fahrersitz kann ganz leicht herabgenommen werden und wie ein Rollkoffer zur nächsten Steckdose gefahren werden.

Langfristig zielen die Macher von Ujet vor allem auf den asiatischen Markt ab, der derzeit etwa 90 Prozent des Marktes für Zweiräder ausmacht. In einer ersten Phase wird der Vertrieb des E-Rollers allerdings in fünf europäischen Städten gestartet. Angeboten werden die Roller in eigenen Ujet-Geschäften, in verschiedenen Autohäusern und Kaufhäusern, wie den Galleries Lafayette oder Harrods. Vorbestellungen sind ab Oktober möglich.

Ein leichter Roller entwickelt für die Dame

Die in Foetz errichtete Produktionsstätte von mehr als 2 000 Quadratmetern hat derzeit eine Kapazität von 10 000 Fahrzeugen pro Jahr. „Diese kann aber modular erweitert werden, falls die Nachfrage besteht“, erklärt Hugues Despres, Geschäftsführer von Ujet International. Warum nicht in Asien produziert wird, wenn das doch der größte Markt für solche Roller ist, erklärt Patrick David mit der hohen und gesicherten Qualität mit der in Luxemburg produziert werden kann. „Außerdem zahlen asiatische Kunden gerne viel Geld für gute Produkte aus Europa.“ Hinzu kommt, dass das Label „Made in Luxembourg“ immer noch eine geschützte Bezeichnung sei – im Gegensatz zu „Made in Germany“, so Patrick David.

Ein Thema, das die gesamte Präsentation des neuen E-Rollers dominierte, war die bewusste Ausrichtung auf weibliche Kunden. Mit den besonderen Eigenschaften des Rollers wollen die Entwickler von Ujet einen bisher ungesättigten Markt bedienen. Denn: derzeit sei die große Mehrheit der Rollerfahrer männlich, erklärt Hugues Despres. Das geringe Gewicht des Rollers sei beispielsweise besonders vorteilhaft für leichtere Fahrer. Derzeit ließen sich viele Frauen deshalb davon abhalten Roller zu fahren.

Hugues Despres (l.), Geschäftsführer von Ujet International, und Patrick David, Vizepräsident von Ujet, präsentieren den Roller, der wesentlich leichter ist, als ein benzinbetriebenes Pendant.
Hugues Despres (l.), Geschäftsführer von Ujet International, und Patrick David, Vizepräsident von Ujet, präsentieren den Roller, der wesentlich leichter ist, als ein benzinbetriebenes Pendant.
Foto: Guy Jallay