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Innerhalb einer Woche in den Abgrund: Wirecard ist pleite
Wirtschaft 2 Min. 25.06.2020

Innerhalb einer Woche in den Abgrund: Wirecard ist pleite

Der Firmensitz von Wirecard in Aschheim bei München.

Innerhalb einer Woche in den Abgrund: Wirecard ist pleite

Der Firmensitz von Wirecard in Aschheim bei München.
Foto: Tobias Hase/dpa
Wirtschaft 2 Min. 25.06.2020

Innerhalb einer Woche in den Abgrund: Wirecard ist pleite

Im Wirecard-Skandal überschlagen sich die Ereignisse: die Affäre um Luftbuchungen hatte bereits personelle Konsequenzen und juristische Ermittlungen zur Folge. Jetzt gerät das ganze Unternehmen in den Abwärtsstrudel.

(dpa) - Der in einen Bilanzskandal verstrickte Zahlungsdienstleister Wirecard ist pleite. Das Unternehmen will wegen Überschuldung und drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz anmelden, wie der Vorstand am Donnerstag in einer kurzen ad-Hoc-Mitteilung ankündigte. Möglicherweise wird der gesamte Konzern in den Abgrund stürzen: Der Wirecard-Vorstand prüft, ob auch die Tochtergesellschaften des Konzerns Insolvenz anmelden müssen - prominentestes Opfer wäre die Wirecard Bank. Weltweit beschäftigt Wirecard knapp 6.000 Menschen. 

An der Frankfurter Börse kam es zu Panikverkäufen: Die Wirecard-Aktien hatten innerhalb der vergangenen sieben Tage bereits neunzig Prozent ihres Wertes verloren, nach der Insolvenzmitteilung rauschten die Papiere innerhalb kürzester Zeit auf 2,50 Euro in die Tiefe. Unter den Leidtragenden, die nun auf quasi wertlosen Papieren sitzen, sind sehr viele Kleinaktionäre.

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Ein schneller Abstieg aus dem Dax droht aus heutiger Sicht nicht: „Bei einem regulären Insolvenzverfahren dagegen bleibt die Aktie bis zum nächsten regulären Anpassungstermin im Dax“, erläuterte ein Sprecher der Deutschen Börse die Regeln, die für alle Dax-Mitgliedsunternehmen gelten. Der nächste reguläre Anpassungstermin ist der 3. September. 

Innerhalb einer Woche in den Abgrund

Bei Wirecard wird nun zunächst ein Gutachter beauftragt, der die Lage des Unternehmens beurteilt. Im nächsten größeren Schritt nach dem Eingang des Insolvenzantrags beim Münchner Amtsgericht muss dann ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt werden. Damit ist ein vor einer Woche noch als solvent und zukunftsträchtig geltender Dax-Konzern in atemberaubender Geschwindigkeit in den Abgrund gerutscht. 

Am Donnerstag vor einer Woche hatte Wirecard finanzielle Unregelmäßigkeiten eingeräumt. Die Vorlage des Jahresabschlusses 2019 musste verschoben werden, weil die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY das vorgeschriebene Testat verweigerte. Am Freitag war Vorstandschef Markus Braun zurückgetreten, am Montag räumte Wirecard dann Luftbuchungen in Höhe von 1,9 Milliarden Euro ein - das Geld, das angeblich auf philippinischen Treuhandkonten lagern sollte, existiert mit „überwiegender Wahrscheinlichkeit“ nicht, wie der Vorstand am Montag formuliert hatte. 


ARCHIV - 25.04.2019, Bayern, Aschheim: Markus Braun, Vorstandsvorsitzender von Wirecard, nimmt an der Bilanz-Pressekonferenz des Zahlungsdienstleisters teil. Braun tritt im Zuge des Bilanzskandals bei dem Dax-Konzern mit sofortiger Wirkung zurück. (zu dpa "Wirecard-Chef Braun tritt nach Bilanzskandal zurück") Foto: Peter Kneffel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Wirecard-Chef Braun stürzt über Bilanzskandal
Für den in einen Bilanzskandal verwickelten Dax-Konzern Wirecard geht es um die Existenz. Der Abgang von Vorstandschef Braun könnte ein Befreiungsschlag sein.

Braun kam für eine Nacht in Untersuchungshaft, wurde am Dienstag aber gegen Kaution von fünf Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt. Eine zweite Schlüsselfigur ist der am Montag vom Vorstand fristlos gefeuerte Manager Jan Marsalek, der ehedem das Tagesgeschäft verantwortete. Er wird auf den Philippinen vermutet. 

Wirecard wickelt als Zahlungsdienstleister die bargeldlosen Geldflüsse zwischen Händlern auf der einen und Banken sowie Kreditkartenfirmen auf der anderen Seite ab. Im Zentrum des Bilanzskandals stehen der ehemalige Wirecard-Finanzchef in Südostasien und ein Treuhänder, der bis Ende 2019 für Wirecard aktiv war und das - wie sich nun herausgestellt hat - in großen Teilen wahrscheinlich gar nicht existente Geschäft mit Drittfirmen betreute, die angeblich für Wirecard Zahlungen im Mittleren Osten und in Südostasien abwickelten. 

Über mögliche Bilanzmanipulationen bei Wirecard hatte schon vor über einem Jahr die britische „Financial Times“ berichtet. Im Oktober hatte die „FT“ dann berichtet, dass ein beträchtlicher Teil der Wirecard-Umsätze mit Drittfirmen in Asien womöglich auf Scheingeschäften beruhe. Braun hatte die Berichterstattung der „FT“ über Monate als haltlos zurückgewiesen. 

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