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Industrie fordert konkreten Umsetzungsplan für Klimaziele
Wirtschaft 3 Min. 29.09.2021
Fedil kritisiert Klimastrategie

Industrie fordert konkreten Umsetzungsplan für Klimaziele

René Winkin, Geschäftsführer des Industrieverbandes Fedil, ist die Klimastrategie zu wenig konkret.
Fedil kritisiert Klimastrategie

Industrie fordert konkreten Umsetzungsplan für Klimaziele

René Winkin, Geschäftsführer des Industrieverbandes Fedil, ist die Klimastrategie zu wenig konkret.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 29.09.2021
Fedil kritisiert Klimastrategie

Industrie fordert konkreten Umsetzungsplan für Klimaziele

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Man teile zwar die Klimaziele der Regierung, sagt der Industrieverband Fedil. Luxemburg brauche aber konkrete Rezepte, wie diese erreicht werden.

Zumindest in einem Punkt sind sich  alle einig: Die Zeit drängt und Luxemburg kommt nicht umhin, sich ehrgeizige Klimaziele zu stecken. So hat das Land sich verpflichtet, bis 2030 seine Treibhausgasemissionen um 55 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. 

„Wir stellen die Ziele nicht infrage. Bei uns herrscht Einigkeit darüber, dass weitere Anstrengungen notwendig sind, um die Industrie zu dekarbonisieren. Aber man kann nicht stehen bleiben bei der Definition von Zielen“, sagt René Winkin, Geschäftsführer des Industrieverbandes Fedil, am Mittwoch in einer Pressekonferenz.

Separate Reduktionsziele für die Industrie 

Vielmehr müssten konkrete Schritte und Maßnahmen definiert werden, wie diese Ziele zu erreichen seien, fordert der Unternehmerverband. Die Firmen des Landes brauchten eine bessere Planbarkeit der Kosten, spezifische Aufklärungsarbeit und zusätzliche finanzielle Anreize. 

Im Rahmen des nationalen Klimaplans wurden für die einzelnen Wirtschaftssektoren separate Reduktionsziele festgelegt. Für den Bereich Industrie, Energie und Bau sollen die Emissionen bis 2030 um 52 Prozent im Vergleich mit 2019 gesenkt werden. Da die Industrie aber nicht als ein geschlossener Block handelt, sondern sich aus einer Vielzahl von Unternehmen zusammensetzt, bleibt dieses Ziel von 52 Prozent für den einzelnen Betrieb ziemlich abstrakt. 

So besteht das Risiko, dass kleine und mittelständische Unternehmen die Klimarettung den großen Konzernen überlassen. Die meisten Investitionen in klimafreundliche Technologien seien insofern unproduktiv, als sie keinen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Bilanz der Firmen leisten und oft die Betriebskosten von Produktionsanlagen erhöhen, so Gaston Trauffler, bei der Fedil zuständig für das Thema Industriepolitik. Daher laufe Luxemburg Gefahr, seine Klimaziele zu verpassen, wenn nicht entsprechende Anreize gesetzt würden. 

Deshalb schlägt der Verband industriepolitische Maßnahmen vor, die helfen sollen, dass die Klimawende in der Industrie gelingt. Wollen die Industriebetriebe wirklich ihren CO2-Abdruck reduzieren, müssen viele Verfahren auf elektrischen Betrieb umgestellt werden, was zum Teil hohe Investitionskosten erfordert. Ein wichtiges Beispiel hier ist die Wärmeversorgung. Denn nach Schätzung der Fedil soll bis 2050 der CO2-Ausstoß um 35 bis 40 Prozent gesenkt werden können, wenn die Wärmeversorgung elektrifiziert würde. 


Photo taken in Barnaul, Russia
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Dennoch ist gegenwärtig der Anreiz zur Investition für Unternehmen hier gering, da Heizen mit Strom deutlich teurer ist als beispielsweise mit Gas. „Die Vorstellung, dass der Stromverbrauch insgesamt zurückgehen wird, ist falsch“, sagt Trauffler. Nicht nur benötigen die Unternehmen selbst mehr Strom, sondern zum Beispiel auch der Bereich Transport, wenn immer mehr Autos mit Elektroantrieb auf den Straßen unterwegs sind. Industriefirmen haben also nicht nur die Investitionskosten zu schultern, sondern müssten auch potenziell höhere Betriebskosten in Kauf nehmen. 

Nach Vorstellungen der Fedil könnte eine außerordentliche staatliche Beihilfe hier dennoch entsprechende Investitionsanreize schaffen. In diese Richtung würde auch der Vorschlag wirken, Industrieunternehmen günstigere Strompreise zu gewähren, indem der staatliche Anteil an den Kosten, zum Beispiel Netzentgelte, für Betriebe reduziert wird. 

Technologieoffene Klimawende 

Weitere Vorschläge sind besonders erhöhte steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen in emissionsarme Anlagen, einschließlich der damit verbundenen Personalkosten, die Einführung einer progressiven CO2-Steuer und die Sicherstellung einer verlässlichen Versorgung der Betriebe mit Biomasse und Biokraftstoffen. 

Generell fordert der Verband eine Technologie-neutrale Klimawende. Verfahren wie Kohlenstoffdioxidabscheidung (Carbon Capture) sollten nicht von vorneherein ausgeschlossen werden. Schließlich macht die Fedil auch spezifische Vorschläge für den Bausektor. So sollen Gebäude zukünftig eher in die Höher als in die Tiefe gebaut werden, um unnötige Erdarbeiten mit schwerem Gerät zu vermeiden. Durch zusätzliche und besser verteilte Bauschuttdeponien würden die Baustellenlaster Kilometer und somit CO2 einsparen. 

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