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In Kunst investieren

In Kunst investieren

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In Kunst investieren


von Marco MENG/ 22.11.2019

Der Auktionar Alexandre Chateau-Ducos: Viele Münzen sind Fälschungen.Foto: Gerry Huberty

Leidenschaft als Geldanlage - In Zeiten des Niedrigzinses bietet der Kunstmarkt interessante Anlagemöglichkeiten.

Kostbare Gegenstände dienten immer schon dazu, „Werte aufzubewahren“. Seien es Münzen, die man im Notfall verkaufen kann, oder Gemälde. Zwar sind Picasso & Co. für Normalverdiener unerreichbar, doch auch Menschen mit einem bescheideneren Einkommen können in Kunst und Raritäten investieren, dank technischer Innovation: immer mehr digitale Tools bieten an, Kunstwerke – oder Anteile daran – zu kaufen, ohne dafür gleich Millionen auf den Tisch legen zu müssen. 

Aber auch Auktionen sind interessant: Die werden nämlich nicht nur von Sotheby's und Christie's veranstaltet, sondern auch von kleineren Galerien wie zum Beispiel Kanerz Art in Steinsel.

Viele Antiquitäten gewinnen an Wert, aber nicht alle.
Viele Antiquitäten gewinnen an Wert, aber nicht alle.
Foto: Gerry Huberty

Das 2016 gegründete Auktionshaus organisiert Versteigerungen von alten Weinen - oder Cognac aus dem Jahr 1893 – wie von alten Büchern, Fotografien, Gemälden, Skulpturen oder Schmuck, Oldtimern sowie alter oder zeitgenössischer Kunst.

„Bei Briefmarken nimmt die Zahl der Sammler stark ab“, erklärt Alexandre Chateau-Ducos, Auktionator des Auktionshauses Kanerz Art. Münzen hätten hingegen noch immer als Sammlerstücke eine gewisse Attraktivität. Allerdings seien hier viele Fälschungen unterwegs, weswegen man beim Münzkauf äußerste Vorsicht walten lassen müsse.

„Der Kunstmarkt, auch mit viel mehr Amateuren als zuvor“, so Chateau-Ducos, „bewegt sich in Richtung Qualität oder Neuheit. Qualität, weil Objekte von großer Seltenheit, sehr bekannte oder von großer handwerklicher Qualität, zum Beispiel alte Stilmöbel mit Prägestempel immer Liebhaber finden.“

Alte Bücher steigen fast immer im Wert, Bilder nicht unbedingt.
Alte Bücher steigen fast immer im Wert, Bilder nicht unbedingt.
Foto: Gerry Huberty

Der Gemäldemarkt stagniere hingegen mit Preisen, die eher zurückgingen. Ausnahme sei die zeitgenössische Malerei. Hier sieht der Auktionator eine spekulative Blase, die vom Markt – Galerien, Salons, renommierten Sammlern und so fort – selbst geschaffen werde. Daneben seien generell russische oder asiatische Kunst auf dem Vormarsch, während Gold (Münzen, Objekte, alter Schmuck), unverändert als sicherer Hafen betrachtet werde.

Kunstwerke statt Minuszinsen

Geld auf dem Sparbuch wirft keine Zinsen mehr ab. Ob Kunsthändler das spüren? „Ja, das merken wir“, sagt Gérard Valerius von Valerius Art Gallery. Immer mehr Leute interessierten sich für Kunst und trauten sich auch, sich für Kunst zu interessieren. 

Was früher eher elitär abgehoben war, sei inzwischen durch Medien und soziale Netzwerke demokratisiert worden, so Valerius. Erst kürzlich sei ein junges Mädchen, vielleicht 19 Jahre alt, in der Galerie erschienen und habe vom Geld, das sie von der Großmutter erhalten hatte, ein Bild gekauft. Die Lust auf Kunst scheint zu steigen, ebenso das Budget, und sowohl hier als auch in Ländern wie China und Indien den Kunstmarkt anzutreiben.

Das schlägt sich sogar darin nieder, dass regelrecht Trends gemacht werden: Als sich beispielsweise in London medienwirksam ein Banksy-Kunstwerk nach der Versteigerung selbst schredderte, haben sich laut Valerius viele auch in Luxemburg für Graffiti-Künstler interessiert und entsprechende Werke gekauft. 


Roman Kräussl sagte als Einziger vor zweieinhalb Jahren eine Blase am Kunstmarkt voraus.
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gerechtfertigt? Wir haben mit Roman Kräussl darüber gesprochen, wie man den wahren Wert von Kunst schätzen kann.

Es sei aber schwer zu sagen, wie viele Menschen vor allem deswegen Kunstwerke kauften, weil sie gefielen oder deswegen, weil man auf eine Wertsteigerung spekuliere. „Die meisten kaufen mit Herz“, schätzt der Kunsthändler, der selbst auch passionierter Kunstsammler ist, vor allem von Gemälden – und Valerius investiert, eigenem Bekunden nach, allemal lieber Geld in schöne Kunst als dass es auf dem Bankkonto dahindümpele.

Wichtig, so Valerius, sei aber vor allem, neugierig zu bleiben und sich zu informieren. Zudem solle man sich den eigenen Geschmack durch den Trend nicht ausreden lassen. Klar sei aber auch: Ein schlechtes Bild bleibe ein schlechtes Bild, selbst wenn der Künstler irgendwann einmal sehr berühmt werden sollte. Ein Künstler, den er auf dem Weg dorthin sieht, sei der Luxemburger Eric Mangen, dessen Werke Valerius verkauft, auch immer mehr ins Ausland.

Begehrt bei Sammlern: altes aus Edelmetall.
Begehrt bei Sammlern: altes aus Edelmetall.
Foto: Gerry Huberty

Dass gerade zeitgenössische Kunst als beliebtestes Sammelgebiet gilt, bestätigt Marina Gräfin von Kamarowsky, die seit 2008 die Luxemburger Niederlassung des renommierten Kölner Kunsthauses Van Ham leitet. Zuvor hatte sie beim Auktionshaus Christie’s gearbeitet. „Zeitgenössische Kunst stößt auf großes Interesse“, so Gräfin von Kamarowsky.

Digital in Kunst investieren

Auch Kunstauktionen kommen nicht aus der Mode. „Durch unsere seit 2018 vierzehntägig stattfinden Online-Auktionen, die wir zusätzlich zu unseren klassischen Auktionen durchführen, hat sich die Zahl der Auktionen verdoppelt und auch die Zahl der angebotenen Werke deutlich erhöht“, sagt Markus Eisenbeis, geschäftsführender Gesellschafter des Auktionshauses Van Ham in Köln. 

In der kommenden Herbstauktion, am 27. November, bietet Van Ham ein „Gemmail“ an, ein Glasmosaik nach einem Gemälde von Pablo Picasso, das sich bis zu seinem Tod in dessen Besitz befand. Durch eine Privatsammlung in Luxemburg wird es nun bei Van Ham angeboten.

Das Mosaik, bis zu seinem Tod im Besitz von Pablo Picasso, befindet sich heute in Luxemburg - und soll demnächst in Köln versteigert werden.
Das Mosaik, bis zu seinem Tod im Besitz von Pablo Picasso, befindet sich heute in Luxemburg - und soll demnächst in Köln versteigert werden.
Foto: Van Ham

Dass Kunst von immer mehr Menschen als Investmentobjekt betrachtet und genutzt wird, wird durch die technologischen Möglichkeiten gefördert. Internetplattformen wie „Masterworks“ bieten an, Anteile an Bildern von Picasso oder Warhol, die von ihnen vorher erworben wurden, zu kaufen. Bei „Masterworks“ ist das Mindestinvestment 500 Dollar. Nach fünf bis zehn Jahren sollen die Bilder dann weiterverkauft werden.

Neue Anti-Geldwäscherichtlinien

Auch im Kunstmarkt wachsen die Bäume nicht in den Himmel: „In den ersten sechs Monaten 2019 gingen die Auktionsverkäufe um 20 Prozent zurück“, konstatiert der aktuelle „Deloitte Art & Finance Report“. „Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Kunstmarkt einer schwächeren Phase entge- gengeht.“

Von 2008 bis 2018, also in zehn Jahren, nahmen wertmäßig die Verkäufe auf dem Kunstmarkt um neun Prozent zu. Eine Wertzunahme von nicht einmal einem Prozent pro Jahr. Umgekehrt macht gerade dieser Markt immer wieder mit Rekorden von sich reden. Bei den Top-100-Künstlern stieg der Wert ihrer Werke um acht Prozent jährlich.

Zentrum des weltweiten Kunsthandels ist New York, wo die drei größten Auktionshäuser im ersten Halbjahr dieses Jahres 2,76 Milliarden Dollar umsetzten und damit fast die Hälfte der weltweiten Kunstauktionen. London hingegen büßte – Brexit sei Dank – seinen Marktanteil auf inzwischen 26 Prozent ein.

Gleichzeitig ist der Kunstmarkt noch eines der wenigen Zielmärkte für Finanzen, der weitgehend unreguliert ist. Auch die Preisbildung ist vielfach undurchschaubar. Für Briefmarken und Münzen gibt es längst verlässliche Indizes, während bei Comic-Raritäten, alten Schallplatten oder Gemälden der Wert nicht immer leicht zu ermitteln ist – und die künftige Wertentwicklung erst recht nicht. Bei alten Büchern gilt – je älter, desto teurer. Diese einfache Rechnung gilt bei Kunst- und anderen Sammlerobjekten nicht.


Kultur,Luxembourg Art Week 2019. Limpertsberg,Hall Victor Hugo.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Kunst für alle
Die Luxembourg Art Week lockte die Szene und viele Kunstinteressierte in die Halle Victor Hugo in Limpertsberg

75 Prozent der Sammler beklagten zuletzt einen Mangel an Transparenz im Kunstmarkt, so eine Untersuchung von Deloitte Luxembourg und ArtTactic. Was Herkunft und Eigentümergeschichte von Kunstwerken anbelangt, ändert sich aber nun einiges. 

Bislang konnte man auf Kunstmessen Gemälde kaufen, ohne den Pass vorzeigen zu müssen. Damit ist es bald vorbei. Ab Januar 2020 müssen auch Kunsthändler die Identität ihrer Kunden nachweisen, denn bis 10. Januar kommenden Jahres muss die Novellierung der entsprechenden EU-Direktive in Kraft getreten sein. Galeristen müssen dann den Ausweis der Kunden kopieren und fünf Jahre lang aufbewahren.

Kunstwerke als Darlehenssicherheit

Nicht ganz neu ist, dass Kunstwerke als Sicherheit für Kredite dienen. Neu ist allerdings, dass sich das allmählich als Geschäftssegment etabliert. Europäische Banken sind da laut der besagten Untersuchung von Deloitte Luxembourg allerdings noch sehr zurückhaltend im Vergleich zur US-Konkurrenz. Während dort rund 80 Prozent der Banken diese Dienstleistung anbieten oder demnächst anbieten wollen, sind es nur 16 Prozent der europäischen Banken.

Der Freeport am Flughafen: Kunst als Kreditsicherheit.
Der Freeport am Flughafen: Kunst als Kreditsicherheit.
Foto: Pierre Matgé

In Luxemburg hat dazu der Freeport, das Hochsicherheits-Zollfreilager am Flughafen, das Projekt „Secured Asset System“ (SAS) gestartet, das sich genau dieser Möglichkeit annimmt: die Beleihung von Kunstgegenständen.

Der Gründer und Geschäftsführer der Kunstberatungsfirma ArtTactic schätzt im „Art Market Report 2018“ den globalen Kreditmarkt mit Kunst als Sicherheit auf 17 bis 20 Milliarden US-Dollar, 90 Prozent davon in den USA. 

In Europa ist die Entwicklung durch unterschiedliche Gesetzgebungen behindert. Bei der Genfer Privatbank Reyl & Cie können Investoren Wertpapiere, sogenannte „Notes“ zeichnen, die durch Kunstwerke – von Museen, Kunstgalerien und privaten Sammlern – besichert sind. Dies geschieht im Verbund mit der in Luxemburg ansässigen Verbriefungsplattform Griffin Art Partners und der Kunstberatungsfirma Link Management, die 2009 gegründet wurde und am Freeport ansässig ist. 

 Sie prüft die angebotenen Gemälde auf Echtheit und schätzt deren Marktwert. Mindestkredithöhe, die mit Kunstwerken oder Sammlungen besichert werden kann, beträgt eine Million Euro mit einer Laufzeit von ein bis drei Jahren. Die Beleihungsgrenze liegt zwischen 30 und 50 Prozent des Marktwerts eines Objekts, so Griffin Art Partners. 

Auch hier haftet der Kreditnehmer nur mit seiner Kunst, die während der Anleihedauer extern gelagert und dem Zugriff des Kreditnehmers entzogen ist. Ähnlich wie man das in kleinerem Maßstab vom Pfandhaus her kennt.

„Wir haben das SAS-Projekt unseren Kunden, den Kunst-Logistikunternehmen, präsentiert“, erklärt Philippe Dauvergne, der seit 2016 Chef des Freeport Luxembourg ist. 

„Doch als Vermieter des Hochsicherheitslagers sind wir nicht in direktem Kontakt mit jenen, die ein „Secured Asset System” nutzen könnten. Wir wissen, dass in dieser Hinsicht Projekte entwickelt werden“, so Dauvergne. 

Aber bis dieses Geschäft tatsächlich etabliert sein werde, brauche es Zeit. Dauvergne zeigt sich erfreut darüber, dass der Freeport mit dem Mudam einen neuen Kunden gewinnen konnte; darüber hinaus verweist er darauf, dass der Freeport nicht ausschließlich für wertvolle Objekte wie Gold, Diamanten oder Kunst gedacht sei, sondern auch industrielle Kunden anziehen möchte, zum Beispiel aus dem Pharmasektor, komplementär zum Pharmacenter, das am Flughafen existiert. 


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