Immobilien

Neue Rekordpreise für Büros

Foto: Lex Kleren

(M.G.) - Der Brexit zeigte 2017 noch keine Wirkung. Der vorausgesagte Umzug von Banken und Versicherungen aus Großbritannien nach Luxemburg blieb im vergangenen Jahr weitestgehend aus. Und dennoch übersteigt die Nachfrage nach Büroräumen in guter Lage weiterhin das Angebot. Das erklärte Romain Muller, Managing Director der Immobilienagentur JLL in Luxemburg, gestern gegenüber der Presse. Folglich steigen die Immobilienpreise immer weiter und die Zahl der Neubelegungen bleibt konstant hoch.

„Der Markt ist hyperaktiv“, meinte Angelique Sabron, Leiterin des JLL-Büros in Luxemburg. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 210 500 Quadratmeter an Büros verkauft oder vermietet. Das sind etwas weniger als im Jahr davor, nichtsdestotrotz sei das ein außerordentlich gutes Resultat, so Angélique Sabron. Die größte Nachfrage herrscht nach wie vor bei Büros in absoluter Toplage, wie etwa am Boulevard Royal im Stadtzentrum. Dort können die erzielbaren Spitzenpreise schon mal auf mehr als 50 Euro pro Quadratmeter und Monat steigen.

„Interessenten, die großen Wert auf ihre Adresse legen, sind bereit diese Preise zu zahlen – auch wenn die Büros in der Regel wesentlich kleiner sind als beispielsweise in Kirchberg“, erklärte Angélique Sabron. Insgesamt bleibt die Oberstadt auch 2017 mit durchschnittlich 47 Euro pro Quadratmeter das teuerste Pflaster des Landes. 2016 lag dieser Wert noch bei 45 Euro pro Quadratmeter.

Kirchberg vom Bahnhofsviertel eingeholt

Das Bahnhofsviertel hat allerdings im vergangenen Jahr mächtig aufgeholt, was die Höchstpreise für Büros angeht. Diese liegen inzwischen, genau wie in Kirchberg, bei 35 Euro pro Quadratmeter und Monat. In Bezug auf die neu belegten Büroflächen hat das Bahnhofsviertel Kirchberg sogar überholt. Ganze 27 Prozent der verkauften oder vermieteten Büros des vergangenen Jahres liegen im Quartier Gare.

Hauptgrund für diese Verschiebung ist Luxemburgs ewiges Mobilitätsproblem. Mehr und mehr Arbeitgeber legen großen Wert darauf, dass ihre Büros gut an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden sind und allgemein für die Mitarbeiter problemlos zu erreichen sind. So hat die ING-Bank 2017 gleich gegenüber des städtischen Bahnhofs knapp 12 000 Quadratmeter Bürofläche bezogen. Auch die Luxemburger Post ist in ein neues 18 000 Quadratmeter großes Gebäude in Bahnhofsnähe gezogen und stellt damit insgesamt die größte Neubelegung des vergangenen Jahres dar.

Mehrere Großprojekte sind bereits in Planung

Die öffentliche Hand und die Post-Gruppe waren 2017 für ganze 24 Prozent der Neubelegungen verantwortlich. Neben den neuen Büros im Bahnhofsviertel hat die Post auch ein neues Gebäude von knapp 9 000 Quadratmetern in Cloche d'Or bezogen. Private Unternehmen machten dagegen 69 Prozent der Transaktionen des vergangenen Jahres aus. Zum Vergleich: 2016 waren 90 Prozent der Neubelegungen von Büros auf Privatunternehmen zurückzuführen.

Geplante Fertigstellungen für 2018 sind das neue Hauptquartier der Beratungsgesellschaft Deloitte mit rund 30 000 Quadratmeter Bürofläche, der Sitz der Finanzaufsichtsbehörde CSSF mit etwa 5 500 Quadratmetern. Laut JLL sollen bis 2020 ganze 521 000 Quadratmeter Büroflächen im Großherzogtum fertiggestellt werden. Dazu gehören Großprojekte wie das neue Gebäude der Firma Ferrero mit 29 500 Quadratmetern oder der Ausbau des Europäischen Gerichtshofes mit 56 000 Quadratmetern. Auch das neue ArcelorMittal-Gebäude mit einer Fläche von 54 000 Quadratmetern soll in den kommenden Jahren in Kirchberg entstehen.

43 Prozent der Gebäude, die bis 2020 gebaut werden sollen, sind derzeit noch nicht verkauft oder vermietet. Ein Großteil der Neubauten werden auch weiterhin in Luxemburg-Stadt entstehen. Derzeit stehen knapp 190 000 Quadratmeter an Bürofläche leer. Das sind lediglich 4,8 Prozent der Gesamtfläche an Büroimmobilien in Luxemburg. In Kirchberg sinkt die Leerstandsrate sogar auf knappe 1,6 Prozent.

Belval sticht in dem Kontext 2017 etwas hervor. Die Leerstandsrate ist dort auf 11,6 Prozent angestiegen, nachdem sie 2016 noch bei 3,9 Prozent lag. Das sei auf den Rückzug eines wichtigen Mieters zurückzuführen, erklärte Angélique Sabron. Demnach ist die Situation des Immobilienmarkts für Büros – mit Ausnahme von Belval – weiterhin angespannt. Dennoch hofft Romain Muller, dass 2018 viele neue Unternehmen nach Luxemburg kommen und der Markt weiter wächst.