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Immer mehr Arbeitslose in der Schuldenfalle
Wirtschaft 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Immer mehr Arbeitslose in der Schuldenfalle

Die meisten Schuldner warten erst ab, ehe sie auf externe Hilfe zurückgreifen.

Immer mehr Arbeitslose in der Schuldenfalle

Die meisten Schuldner warten erst ab, ehe sie auf externe Hilfe zurückgreifen.
Shutterstock
Wirtschaft 2 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

Immer mehr Arbeitslose in der Schuldenfalle

Immer mehr Haushalte in Luxemburg rutschen im Zuge der Wirtschaftskrise in die Schuldenfalle. Im vergangenen Jahr wurde die Schuldenberatung der Ligue Médico-Sociale mit 335 neuen Fällen befasst. Erschreckende Erkenntnis: Es gibt immer mehr Personen, die ihre laufenden Kredite wegen Arbeitslosigkeit nicht mehr zurückzahlen können.

(jot) - Immer mehr Haushalte in Luxemburg rutschen im Zuge der Wirtschaftskrise in die Schuldenfalle. Im vergangenen Jahr wurde die Schuldenberatung der Ligue Médico-Sociale mit 335 neuen Fällen befasst. Erschreckende Erkenntnis: Es gibt immer mehr Personen, die ihre laufenden Kredite wegen Arbeitslosigkeit nicht mehr zurückzahlen können.

Es wird zwischen zwei Arten von Verschuldung bei Privatpersonen unterschieden: Bei Personen, die wegen Jobverlust oder einer schweren Krankheit in finanzielle Schwierigkeiten geraten, spricht man von passiver Verschuldung. Der Begriff der aktiven Verschuldung wird dagegen in Zusammenhang mit Privatpersonen verwendet, die auf großem Fuß leben und danach Probleme mit offenen Rechnungen bekommen.

Schuldner kommen aus allen Gesellschaftsschichten

Christian Schumacher von der Ligue Médico-Sociale sprach bei einer Diskussionsrunde in der hauptstädtischen „Maison de l'Europe“ am Mittwoch von einem Trend nach oben bei den Fällen von passiver Verschuldung. Er betonte, dass die Personen, die die kostenlose Schuldenberatung der Ligue Médico-Sociale in Anspruch nehmen, aus allen Gesellschaftsschichten kommen. „Uns suchen sowohl Sozialhilfeempfänger als auch EU-Beamte auf“, betonte Schumacher.

Rund zwei Drittel der Schuldner seien zwischen 26 und 45 Jahre alt. Nur 44 Prozent der verschuldeten Personen seien von luxemburgischer Nationalität. 65 Prozent der Schuldner hätten mindestens ein Darlehen bei belgischen Kredithaien aufgenommen.

Die Mehrheit der Schuldner sucht die Ligue Médico-Sociale Schumacher zufolge erst mit Verzögerung auf: „Sie versuchen in einer ersten Phase, ihre Probleme selbst zu lösen.“ Erst wenn sich ihre unbezahlten Rechnungen angehäuft hätten, würden sie auf externe Hilfe zurückgreifen.

Die Ligue Médico-Sociale versucht dann gütliche Einigungen mit den Gläubigern zu erzielen. „Nur langfristige Lösungen führen aus der Schuldenfalle. Kredite laufen ja in der Regel über mindestens ein Jahr“, erklärte Christian Schumacher in diesem Zusammenhang.

Kritik am Gesetzesprojekt über die Überschuldung

Bei der Diskussionsrunde am Mittwoch wurde auch das Gesetzesprojekt über die Überschuldung thematisiert, das im März 2009 von Familienministerin Marie-Josée Jacobs im Parlament eingereicht wurde. Der Entwurf sieht unter anderem die Möglichkeit von privaten Insolvenzen vor, für die es hierzulande bislang keine Rechtsgrundlage gab.

An diesem Gesetzesprojekt wurden einige Kritikpunkte angebracht: Bob Schmitz von der „Union luxembourgeoise des consommateurs“ wies unter anderem darauf hin, dass der Gesetzentwurf den Fokus zu sehr auf das „Fehlverhalten“ der Schuldner lege. Zudem seien im Gesetzentwurf keine präventiven Maßnahmen gegen die Überschuldung von Privatpersonen vorgesehen.