Wählen Sie Ihre Nachrichten​

"I Can": Wie Schüler die Welt verändern
Wirtschaft 4 Min. 13.02.2020

"I Can": Wie Schüler die Welt verändern

Auf der Suche nach Lösungen: Mathieu Mellinger zusammen mit seiner Klasse aus der Ecole Internationale von Mondorf.

"I Can": Wie Schüler die Welt verändern

Auf der Suche nach Lösungen: Mathieu Mellinger zusammen mit seiner Klasse aus der Ecole Internationale von Mondorf.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 4 Min. 13.02.2020

"I Can": Wie Schüler die Welt verändern

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Pilotprojekt „Design for Change“: Luxemburgische Schüler lernen, sich für die Gesellschaft zu engagieren.

Das Problem der Umweltverschmutzung ist schon lange bekannt. Meist sind es Fachleute, Politiker und Wissenschaftler, die Lösungsansätze vorschlagen. Jetzt sollen Schüler nach Lösungen suchen und Alternativen vorschlagen. Im Forum Campus Geesseknäppchen sitzt Mathieu Mellinger zusammen mit seiner Klasse aus der Ecole internationale von Mondorf an einem Tisch und überlegt, welche Aktionen Sie planen könnten und wie Sie diese umsetzen wollen. "Die Schüler haben festgestellt, dass sie auf der Straße oder im Wald überall auf Müll stoßen. Wir sind gerade dabei, konkrete Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln", erklärt er.

Mathieu Mellinger ist einer der ersten Lehrer, der sich an dem Projekt "Design for Change" in Luxemburg beteiligt. Hinter dem Namen steckt eine weltweite Initiative, mit der Schüler zu aktiven Gestaltern ihrer Welt werden sollen. 

Inzwischen wird das Projekt an 300 000 Schulen weltweit angeboten. Auch in Deutschland und Frankreich haben mehrere Schulen das Konzept übernommen. Gestern war der offizielle Start von Design for Change in Luxemburg. Das Projekt wird hierzulande von der Bürger-Plattform "UP Foundation" umgesetzt und von der Banque de Luxembourg unterstützt.

Die Akteure der Initiative: Liz Kremer, Sophie Lammar, Katarina Kordulakova und Philippe Depoorter.
Die Akteure der Initiative: Liz Kremer, Sophie Lammar, Katarina Kordulakova und Philippe Depoorter.
Foto: Guy Jallay

Mitmachen statt passiv zuhören

Anders als in vielen anderen Fächern müssen Schüler beim Projekt nicht nur zuhören, Fragen beantworten und von der Tafel abschreiben. Stattdessen lässt der Lehrer die Kinder das Thema selbst erarbeiten. "Im Laufe des Schuljahres oder des Projektes sollen die Schüler auf spielerische Art und Weise ihren Einfluss auf ihr direktes Umfeld entdecken. So entwickeln sie Lösungen für Probleme, auf die sie in ihrem Alltag stoßen. Sie gewinnen Vertrauen in ihre Fähigkeiten und merken, dass sie eine Rolle spielen in der Gesellschaft", erklärt Katarina Kordulakova von "Design For Change France".

Die Initiative zielt darauf ab, bei Kindern und Jugendlichen die "Soft Skills" zu fördern und sie zu ermutigen, "I Can" zu sagen, erklärt sie weiter. "Die Schüler werden in vier Schritten durch diesen Gestaltungsprozess begleitet: Feel – Image – Do – Share". 

Dabei erforschen die Schüler, was sie in ihrem Umfeld beschäftigt, entwickeln konkrete Ideen und setzen diese in die Tat um. "Im gesamten Prozess lernen die Teilnehmer nicht nur, ihre eigenen Kompetenzen zu erkennen, sondern auch Methoden, um diese zu stärken."

Weltweite Initiative

Wie Katarina Kordulakova weiterhin erklärt, ist das Projekt ursprünglich aus einem Schulprojekt in Indien entstanden. Design for Change wurde von der Designerin Kiran Sethi an der renommierten Riverside School im indischen Ahmedabad ins Leben gerufen.

Ursprünglich handelte es sich um einen Schulwettbewerb, daraus entwickelte sich aber innerhalb von nur wenigen Jahren eine globale Bewegung. In 72 Ländern arbeiten Lehrer und Erzieher daran, in Kindern das Bewusstsein zu wecken, dass sie ihre Umwelt selbst gestalten können.

Foto: Guy Jallay

In Luxemburg arbeiten Liz Kremer und Sophie Lammar von "UP Foundation" daran, die Methode auch in luxemburgischen Schulen zu verankern und Schüler darüber zum selbstständigen Handeln zu motivieren. "Up Foundation bildet eine Plattform für den Austausch und die Förderung rund um das Thema Bildung. Was uns an diesem Projekt besonders gefällt, ist der positive Ansatz. Kinder lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, bevor sie sich für andere und die Gesellschaft einsetzen", sagt Liz Kremer, Direktorin der UP Foundation. Und bei der "I Can"-Mentalität kommen die "4K" ins Spiel: "Kreativität, kritisches Denken, Kooperation und Kommunikation – Fähigkeiten, die jedes Kind besitzt, in der Gesellschaft und Schule aber zu oft vernachlässigt werden."

Um dieses Engagement zu fördern, unterstützen wir die UP Foundation bei der Einführung von Design for Change in Luxemburg.

Philippe Depoorter

Soft Skills fördern

Laut Katarina Kordulakova ist es wichtig, Design Thinking an Schulen zu vermitteln, weil sich die Kompetenzen und Fähigkeiten, die Jugendliche für eine Berufsausbildung und ein Studium mitbringen müssen, verändern. In der Arbeitswelt sind diese sogenannten Soft Skills unverzichtbar: In einer Gruppe gleichberechtigt arbeiten, soziale Verantwortung übernehmen, Empathie entwickeln, komplexe Probleme erfassen und verschiedene Lösungsansätze kennen – all das ist heute wichtiger als je zuvor.

Schließlich zeigt eine Studie, die auf Initiative der Banque de Luxembourg vom Lehrstuhl für Philanthropie an der HEC Liège durchgeführt wurde, dass junge Menschen den Wandel nicht nur unterstützen, sondern ein Teil des Wandels sind. "Um dieses Engagement zu fördern, unterstützen wir die UP Foundation bei der Einführung von Design for Change in Luxemburg", sagt Philippe Depoorter, Mitglied der Geschäftsführung der Banque de Luxembourg. 

Seit mehr als zehn Jahren setzt sich das Finanzinstitut für die Förderung der Philanthropie in all ihren Formen in Luxemburg ein. "Die gesellschaftlichen Probleme haben deutlich zugenommen, die bisher eingereichten Mitteln reihen nicht aus. Um Großes zu bewegen, muss sich die ganze Gesellschaft beteiligen."

Gerade junge Menschen haben die Energie, Ideen und den Willen, in der Gesellschaft etwas zu verändern. Dieses Engagement muss stärker anerkannt und gefördert werden. 


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.