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Hugues Delcourt: „Es war an der Zeit, etwas anderes zu tun“
Wirtschaft 6 Min. 27.06.2020

Hugues Delcourt: „Es war an der Zeit, etwas anderes zu tun“

„Mein Fortgang hatte nichts mit dem neuen Aktionär zu tun“, sagt Hugues Delcourt.

Hugues Delcourt: „Es war an der Zeit, etwas anderes zu tun“

„Mein Fortgang hatte nichts mit dem neuen Aktionär zu tun“, sagt Hugues Delcourt.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 6 Min. 27.06.2020

Hugues Delcourt: „Es war an der Zeit, etwas anderes zu tun“

Marco MENG
Marco MENG
Fünf Jahre leitete Hugues Delcourt (52) eine der größten Banken des Landes, die „Banque Internationale à Luxembourg“ (BIL). Dann trat er, etwas überraschend, Anfang 2019 zurück.

Hugues Delcourt, vor etwa einem Jahr verließen Sie die BIL. Warum? 

Ich war fünf Jahre lang der CEO der BIL, und ich denke, ich erreichte, was ich wollte. Meine Meinung ist, dass ein Geschäftsführer, der nicht auch zugleich Eigentümer des Unternehmens ist, nicht zu lange seinen Posten innehaben sollte. 

Als ich entschied, die BIL zu verlassen, wurde ich 51 Jahre alt, und ich dachte, nach 30 Jahren Banking, darunter fünf als Chef der BIL und 20 Jahre in verschiedenen Ländern mit der Leitung verschiedener Bankgeschäfte betraut, war es an der Zeit „mich selbst neu zu erfinden“, um es so auszudrücken. 

Das heißt, Sie sind nicht mehr im Bankgeschäft? 

Nein, im eigentlichen Bankgeschäft bin ich nicht mehr. Als ich die BIL verließ, glaubte ich, dass ich meine bis dahin gewonnene Erfahrung nutzen könnte, einer begrenzten Zahl von Firmen und Family-Offices helfen, sich weiterzuentwickeln. Das heißt, ich stelle ihnen meine Kenntnisse und mein Wissen zur Verfügung. 

Ist es aber nicht eine Art „Rückschritt“, wenn Sie zuvor Chef eines großen Instituts wie der BIL waren und jetzt nur noch Selbstständiger sind? 

Nein, überhaupt nicht, denn ich möchte gar kein Geschäftsführer eines Unternehmens mehr sein oder Aufsichtsratsmandate als „non-Exekutive Director“ haben. Ich fokussiere mich lieber auf eine beschränkte Anzahl von Geschäftsbeziehungen, vor allem zu vermögenden Familien, und berate sie bei ihren Investmentaktivitäten. Das tue ich zusätzlich zu meiner Beraterfunktion bei Kneip Communication. 

Ich mag es, unabhängig zu sein.

Das heißt, dass Sie BIL verließen lag nicht daran, dass kurz vorher das chinesische Unternehmen Legend Holdings neuer Großaktionär wurde? Es gab keine Unstimmigkeiten mit dem neuen Aktionär? 

Überhaupt nicht. Ich half dabei, dass BIL und Legend Holdings zusammenarbeiteten und ich selbst arbeitete gern mit Legend Holdings zusammen. Nachdem ich BIL verließ, behielt mich Legend Holdings noch als ihr Berater. 

17 Jahre meines Berufslebens verbrachte ich in Asien, viele davon in China, weswegen ich glaube, auch einiges der chinesischen Kultur und Mentalität zu kennen und zu verstehen. Es gab also überhaupt keinen Disput, als Legend Holdings Mehrheitsaktionär von BIL wurde. 

Sprechen Sie chinesisch? 

Nicht fließend, aber ich habe Grundkenntnisse. Das hilft natürlich oft, wenn man sich erstmals begegnet, um das „Eis zu brechen“. Wenn man fremde Menschen kennenlernt und etwas deren Sprache spricht hilft das sehr, zeigt es doch, dass man an dem anderen, seiner Kultur und woher er kommt, interessiert ist. 

Als Sie BIL verliessen, hatten Sie da schon einen konkreten Plan, was Sie machen wollten? 

Nicht genau. Als ich BIL und den damaligen Verwaltungsratspräsidenten Luc Frieden im mit Legend Holdings zusammenbrachte, war zwar für mich selbst schon beschlossen, dass ich neue Herausforderungen will, aber es gab noch kein konkretes Timing oder einen konkreten Plan. 

Ich konzentrierte mich darauf, dass der Wechsel zu meinem Nachfolger als Geschäftsführer der BIL so glatt wie möglich läuft, wusste aber damals nicht, was genau ich beispielsweise kommenden 3. Juli oder so machen würde. Ich wusste zwar, was ich machen wollte, aber nicht genau wie und wann. 

Dazu gründeten Sie Delcourt, Kim & Associates? 

Ja. Zusammen mit meiner Frau gründete ich diese Consultingfirma, nachdem ich BIL verlassen hatte. Meine Frau ist ebenfalls eine unabhängige Beraterin. Wir arbeiten aber nicht an den gleichen Projekten; jeder hat seine eigenen Verpflichtungen. Schwerpunkt meiner Frau ist die Verknüpfung von kleinen und mittleren europäischen Firmen mit Südkorea. Von dort stammt Ihre Frau? Exakt. 

Haben Sie keine Lust, beruflich wieder zum Beispiel nach Korea zu gehen? Oder nach Frankreich, Ihrem Geburtsland? 

Nein. Ich kam 2004 erstmals nach Luxemburg, ging dann zwischendurch einige Male wieder von hier weg, um woanders zu arbeiten, aber als ich dann erneut 2014 hierher zurückkam, habe ich beschlossen, hier zu bleiben. Dazu gehörte für mich auch, die Luxemburger Staatsangehörigkeit anzunehmen. Ich nahm also Luxemburgisch-Unterricht, bestand die Prüfungen und erhielt die luxemburgische Staatsangehörigkeit. Luxemburg ist also mein Zuhause. Frankreich, wo ich herstamme, besuche ich gerne, und zusammen mit meiner Frau besuche ich auch gerne Südkorea, wo ich früher auch eine Zeitlang lebte neben Hong Kong und Singapur. 

Viel Zeit seines Berufslebens verbrachte Delcourt in Asien: nach dort möchte er auch die Geschäftsverbindungen vertiefen.
Viel Zeit seines Berufslebens verbrachte Delcourt in Asien: nach dort möchte er auch die Geschäftsverbindungen vertiefen.
Foto. Chris Karaba

Ich bin gerne in Asien und halte die Kontakte dorthin aufrecht, aber Luxemburg ist unser Zuhause. Was ich aber gerne machen möchte, ist, die geschäftlichen Beziehungen nach Asien auszuweiten und zu vertiefen. 

Als Sie BIL verliessen und keinen konkreten Plan hatten, was wann zu machen sei: kamen Sie nicht nach zwei Wochen an einen Punkt, an dem Sie sagten, warum bloß habe ich BIL verlassen?

(Lacht.) Ich finde es vor allem wichtig, nach vorne zu schauen. Das kann man vielleicht besser verstehen, wenn man sich vor Augen hält, dass ich ja aus freien Stücken die BIL verlassen wollte, was überhaupt nicht daran lag, dass ich dort irgendwelche Unstimmigkeiten gehabt hätte oder dergleichen. 

Den Chefposten aufzugeben tat ich also nicht leichtfertig oder im Affekt, sondern weil ich es wirklich so wollte und nachdem ich lange darüber nachgedacht hatte. Aber natürlich kamen Zeitpunkte, an denen ich meine ehemaligen Kollegen und die Zusammenarbeit mit ihnen vermisste, auch dass ich kein Chef eines großen Unternehmens mehr war und nicht mehr die Verantwortlichkeiten einer solchen Position hatte. Gleichwohl tat ich ja das, was ich wollte und lange schon vorhatte. 

Ich mag es, unabhängig zu sein und auch tiefere persönliche Beziehungen zu Kunden zu haben, auch die Vielschichtigkeit meiner Aufgaben jetzt gefällt mir. 

Wie kamen Sie zu Kneip und was tun sie dort? 

Mit dem Gründer Bob Kneip bin ich schon lange bekannt, und als ich Bob erzählte, dass ich die BIL verlasse, schlug er vor, mit ihm zusammenzuarbeiten. Wir sind Freunde, aber was vielleicht ebenso wichtig ist, wir ergänzen uns gut, charakterlich, aber auch was unsere Berufserfahrung anbelangt. Er ist ein guter Unternehmer, und ich bringe die Erfahrung mit, wie man Geschäfte strukturieren kann. 

Es muss aber ziemlich hart sein, dass man sich selbstständig macht, und ehe es richtig angefangen hat, kommt die Pandemie und der Shutdown? 

Das ist wahr. Glücklicherweise kann das, was ich tue, oft mit Videocalls gemacht werden, aber wegen der Krise dauerte einiges länger als wir geplant hatten. Und auch das Vorhaben, eine starke geschäftliche Beziehung nach Asien zu schließen wurde durch die Pandemie verzögert. 

Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit: Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit? Ich treibe viel Sport, vor allem spiele ich gerne Tennis und Squash, und nebenbei versuche ich mich auch darin, Golf zu spielen. 

Im Wettbewerb mit Bob Kneip? 

Er ist ein viel besserer Golfer als ich. Ab und zu spiele ich mit ihm, aber bis jetzt hat er mich immer geschlagen. Außer dem Sport gilt meine Leidenschaft auch noch alten Autos. Darum habe ich in Esch einen dreijährigen Automechaniker-Abendkurs begonnen, von dem ich im September die ersten zwei Jahre absolviert haben werde. 

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