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Harter Machtkampf um die KLM
Wirtschaft 2 Min. 01.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Harter Machtkampf um die KLM

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft KLM landet auf dem Flughafen Tegel.

Harter Machtkampf um die KLM

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft KLM landet auf dem Flughafen Tegel.
Foto: dpa
Wirtschaft 2 Min. 01.11.2020 Aus unserem online-Archiv

Harter Machtkampf um die KLM

Helmut HETZEL
Helmut HETZEL
Die Zukunft der Fluggesellschaft hängt an einem seidenen Faden.

Die Zukunft der niederländischen Fluglinie KLM hängt an einem seidenen Faden. Der Grund: Die Pilotengewerkschaft ,,Vereniging Nederlandse Verkeersvliegers" (VNV) weigert sich nach wie vor hartnäckig, Gehaltskürzungen in Höhe von bis zu 20 Prozent bis zum Jahr 2025 zu akzeptieren, so wie das der niederländische Finanzminister Wopke Hoekstra in seinem Rettungsplan für die KLM fordert. 

Hoekstra will weitere Kredite an die älteste Fluglinie der Welt in Höhe von 2,4 Milliarden Euro nur dann auszahlen, wenn die Piloten in den sauren Apfel beißen und zustimmen, dass sie fünf Jahre lang weniger Geld erhalten, damit die 101 Jahre alte KLM auch in und nach der Corona-Krise weiterfliegen kann. 

Wopke Hoekstra, Finanzminister der Niederlande
Wopke Hoekstra, Finanzminister der Niederlande
Foto: AFP

Die Piloten der KLM verdienen am Anfang ihrer Karriere ab 50.000 Euro jährlich. Doch ihr Gehalt wächst mit den Dienstjahren schnell auf bis zu 250.000 Euro im Jahr kurz vor ihrer Pensionierung. 

Finanzminister Wopke Hoekstra, der der KLM bereits eine Milliarde Euro von insgesamt 3,4 Milliarden Euro zugesagter staatlicher Hilfe überwiesen hat, spielt ein hartes Powerplay in Den Haag. Es tobt ein knallharter Machtkampf um die Zukunft der KLM. Hoekstra ließ am Samstagabend wissen, dass er die KLM abstürzen und in den Konkurs fliegen lassen werde, wenn seine Sparbedingungen vom KLM-Personal nicht erfüllt werden sollten. Rund 30.000 Arbeitsplätze bei der KLM und die Bedeutung des Flughafens Amsterdam Schiphol Airport stehen auf dem Spiel in diesem Machtpoker. 

,,Der VNV hat die Forderung des Ministers bisher nicht akzeptiert,‘‘ stellte KLM-Vorstandschef Pieter Elbers gestern mit Bedauern fest. ,,Wir können daher die Vereinbarung mit dem Minister nicht erfüllen. Es ist höchste Zeit, dass die Pilotengewerkschaft VNV zur Einsicht kommt,‘‘ warnte Elbers. 

Politische und wirtschaftliche Gründe 

Das knallharte Powerplay, das derzeit in Den Haag um die Zukunft der KLM gespielt wird, hat politische und wirtschaftliche Gründe. Finanzminister Hoekstra will keine Steuergelder in ein Fass ohne Boden stecken, weil er im kommenden Jahr bei den Wahlen im März 2021 wiedergewählt werden will und im Wahlkampf nicht als ,,Verschwender von Steuergeldern‘‘ dastehen will. Er könnte aber auch das Ziel verfolgen, die KLM aus der Flugallianz mit der Air France zu lösen und sie in die Insolvenz fliegen zu lassen, um dann mit der KLM einen Neustart zu wagen. 


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,,Ein solcher Neustart und möglicherweise die Nationalisierung der KLM ist für Minister Hoekstra eine sehr interessante Option“, meint der Luftfahrtexperte Arnold Burlage im Gespräch mit unserer Zeitung. ,,Er stünde dann im Wahlkampf als der Retter der KLM da. Das bringt Wählerstimmen. Denn Hoekstra hat die Ambition, nächster Premierminister der Niederlande zu werden.‘‘ 

Es steht viel auf dem Spiel

Denkbar sei aber auch, dass der chinesische Partner der fliegenden Holländer, die China Eastern Airlines, Interesse an der KLM bekundet hat und dass die KLM mit China Eastern sowie mit dem US-Partner Delta Airlines einen Neustart hinlegen könnte, meint Burlage. ,,Auch das ist ein realistisches Szenario und auch das würde bedeuten: Au revoir Air France.‘‘ 

Es steht jedenfalls viel auf dem Spiel bei diesem Powerplay um die KLM. Nicht nur die 30.000 KLM-Arbeitsplätze, sondern auch die Zukunft des Flughafens Amsterdam Schiphol Airport, dem viertgrößten Flughafen Europas, von dem aus vor Ausbruch der Corona-Krise jährlich rund 68 Millionen. Passagiere in alle Welt geflogen sind und der insgesamt rund 130.000 Menschen Arbeit bietet.

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