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Handwerkskonjunktur hat deutlich an Dynamik verloren
Wirtschaft 3 Min. 03.05.2021

Handwerkskonjunktur hat deutlich an Dynamik verloren

Lex Delles, Tom Oberweis und Tom Wirion  (v.l.n.r.) bei der Vorstellung der Umfrage.

Handwerkskonjunktur hat deutlich an Dynamik verloren

Lex Delles, Tom Oberweis und Tom Wirion (v.l.n.r.) bei der Vorstellung der Umfrage.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 3 Min. 03.05.2021

Handwerkskonjunktur hat deutlich an Dynamik verloren

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Auf den ersten Blick kommt das Handwerk ausgesprochen gut durch die Corona-Pandemie. Allerdings verliert es etwas an Schwung.

Die Handwerksbetriebe in Luxemburg sind von der Corona-Krise weniger gebeutelt als erwartet. Das ergab eine Konjunkturumfrage der Chambre des Métiers, die am Montag im Beisein von Mittelstandsminister Lex Delles vorgestellt wurde. „Zwar hat die Konjunktur im Handwerk etwas an Dynamik verloren, dennoch zeigen sich die Handwerksunternehmen in der Corona-Krise insgesamt widerstandsfähig“, fasste Lex Delles die Ergebnisse der Umfrage zusammen.

Ein gutes Beispiel dafür sei die Zahl der Unternehmen und die Entwicklung der Beschäftigung im Handwerk im Jahr 2020. Zwar wurden im Corona-Jahr 253 neue Unternehmen gegründet und 1.539 Arbeitsstellen geschaffen. Allerdings sei diese Netto-Neugründung von Unternehmen und Schaffung von Arbeitsplätzen um 21 Prozent beziehungsweise 53 Prozent gesunken.

Mittelstandsminister Lex Delles
Mittelstandsminister Lex Delles
Anouk Antony

Im Jahr 2020 büßte auch der Gesamtumsatz des Handwerks im Durchschnitt acht Prozent ein. Hinter der Zahl verbirgt sich jedoch eine wesentlich komplexere Realität. Denn: Bei 80 Prozent der Handwerksbetriebe reicht die Spanne von einem Umsatzverlust von 35 Prozent bis hin zu einem Umsatzplus von 14 Prozent.

Die Umfrage zeigt, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie von Branche zu Branche sehr unterschiedlich sind. Am stärksten betroffen sind die Branchen „Lebensmittel“ und „Mode, Gesundheit und Hygiene“. Das Catering, das Fleischer- und Bäckerhandwerk sind durch die Ausnahmesituation im Veranstaltungssektor besonders betroffen und verzeichnen einen Arbeitsplatzverlust von rund fünf Prozent und einen Umsatzrückgang von durchschnittlich 16 Prozent. 

Die Branche „Mode, Gesundheit und Hygiene“ verzeichnet einen Rückgang der Beschäftigung um ein Prozent und einen Umsatzrückgang um 21 Prozent. 

Obwohl das Baugewerbe im Jahr 2020 mit einem Beschäftigungszuwachs von drei Prozent und einem Umsatzrückgang von durchschnittlich sechs Prozent besser dasteht, ist die Produktivität und Rentabilität in diesem Sektor rückläufig. Die Umsetzung der Gesundheitsmaßnahmen habe eindeutig zu Effizienzverlusten geführt. Darüber hinaus stehe der Sektor durch die steigenden Kosten für bestimmte Materialien und durch die vielen Lieferschwierigkeiten vor enormen Herausforderungen.

Staatliche Beihilfen als „vitaler Sauerstoff“

Eins ist aber klar: Die Beihilferegelungen haben eindeutig dazu beigetragen, den wirtschaftlichen Schock für die Handwerksbetriebe abzufedern. „Diese Hilfen waren ein vitaler Sauerstoff für die Betriebe“, so der Generaldirektor der Handwerkskammer Tom Wirion. „So haben 89 Prozent aller Handwerksbetriebe von den Regelungen profitiert, ob rückzahlbar oder nicht.“ 

Mittelstandsminister Lex Delles zeigte sich über die positiven Ergebnisse erfreut. „Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen geben an, dass sie mit den Hilfsmitteln die Krise im Jahr 2020 überwinden konnten.“ Er erinnerte daran, dass die „Aide pour indépendants“ am 15. Mai abläuft; das Gleiche gilt für den sogenannten „Fonds de relance et de solidarité“ von Juni bis November 2021. Die Frist, um die entsprechenden Anträge einzureichen, läuft am 15. Mai ab.

Tom Oberweis, Präsident der Chambre des Métiers
Tom Oberweis, Präsident der Chambre des Métiers
Foto: Anouk Antony

„Ein Licht am Ende des Tunnels“

„Wir sehen ein Licht am Ende des Tunnels, wir wissen aber auch, dass noch schwierige Wochen und Monate vor uns liegen. Daher werden wir jetzt untersuchen, wie wir die Hilfen nach dem Monat Juni weiterführen und die Betriebe weiterbegleiten und unterstützen werden“, so Delles. Es gehe nun darum, den Weg eines graduellen „Phasing-Out“ der Beihilfen aber auch einer wirtschaftlichen Erholung vorzubereiten.

Tom Oberweis, Präsident der Handwerkskammer, begrüßte die Tatsache, dass „der Unternehmergeist im Handwerk stärker ist als das Corona-Virus“, zeigte sich aber besorgt über die negativen Entwicklungen in einigen Handwerksbetrieben, die sich wahrscheinlich in den nächsten Wochen fortsetzen werden. „Auch wenn es Licht am Ende des Tunnels gibt, ist die Krise noch lange nicht vorbei.“ Es gelte auch in den nächsten Monaten, die Weichen für die weitere Entwicklung zu stellen. 

Die Zeit nach der Krise vorbereiten

Die wirtschaftlichen Aussichten seien ein schwieriges Thema. „Wir haben keine Glaskugel, mit der wir genaue Prognosen machen können“, so Tom Wirion. Es sei nun wichtig, sich gut für die Herausforderungen der Zukunft aufzustellen. Er forderte daher die Regierung auf, für ein „sanftes Auslaufen der Unterstützungsmaßnahmen“ für Unternehmen zu sorgen und den Begleiterscheinungen der anhaltenden Pandemie wie etwa steigende Materialpreise und Versorgungsschwierigkeiten entgegenzuwirken. 

Wichtig sei auch die Förderung des Unternehmergeistes durch die Verankerung des „Prinzips der zweiten Chance“ im nationalen Recht und die Beseitigung der Ungleichheiten zwischen dem Status der Selbstständigen und dem des Arbeitnehmers. In der Post-Covid-Ära sei die Entwicklung von Kompetenzen („Upskilling und Reskilling“) besonders wichtig. Auch müsse das Handwerk auf dem Weg zur Energiewende und nachhaltigen Entwicklung weiterhin unterstützt werden.

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