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Handwerk 4.0

Handwerk 4.0

Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 3 Min. 15.06.2018

Handwerk 4.0

Maxime GILLEN
Maxime GILLEN
Die Digitalisierung macht vor nichts Halt. Auch nicht vor dem Handwerk. Nicht zuletzt durch die Konkurrenz aus dem Internet werden Luxemburger Betriebe auf Trab gehalten.

„Es ist noch nicht zu spät – aber spät“, warnte Premierminister Xavier Bettel Luxemburger Handwerker vergangene Woche bei der Journée eHandwierk der Handwerkskammer. „Die Digitalisierung wird nur zum Problem, wenn wir unvorbereitet sind.“ Deshalb müssen die Betriebe jetzt in die Digitalisierung investieren, um auch in den kommenden Jahren noch konkurrenzfähig zu sein, meint auch Anne Majerus von der Luxemburger Handwerkskammer. Sie leitet die Abteilung eHandwierk, die Anfang des Jahres geschaffen wurde, um Luxemburger Handwerksbetriebe in allen Fragen zur Digitalisierung zu beraten. Seit Januar haben Anne Majerus und ihr Team bereits mehr als 70 Betriebe besucht.


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Digitalisierung und Automatisierung sind nicht aufzuhalten; also gilt es, mit der Zeit zu gehen und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten verantwortungsvoll zu nutzen. Dieses Dossier bietet einige Antworten und Inspiration für den Weg in die Zukunft.

Allgemein seien die Luxemburger Handwerker auf dem richtigen Weg, so das Fazit. Aber die Unterschiede zwischen den einzelnen Betrieben seien teilweise enorm. „Auf der einen Seite gibt es Unternehmer, die gerade mal eine E-Mail verschicken können und auf der anderen gibt es Betriebe, die mit neusten Methoden arbeiten und uns eher etwas beibringen können als umgekehrt“, erklärt Anne Majerus.

Die Chancen der Digitalisierung

Neben gesteigerter Effizienz und geminderten Kosten kann die Digitalisierung aber auch wesentlich zur Sicherheit beitragen. Einige Dachdecker und Gerüstbauer fliegen inzwischen mit Drohnen die Dächer und Gebäude ab, um digitale Modelle davon zu erstellen und bösen Überraschungen vorzubeugen. Das ist nicht nur praktisch, sondern auch sicherer für die Mitarbeiter. Außerdem können Sicherheitstrainings für Menschen, die in der Höhe arbeiten, mithilfe von Virtual-Reality-Brillen auch am Boden durchgeführt werden.

„Wir müssen aber damit aufhören zu glauben, dass alles für jeden ist“, warnt Anne Majerus. „Nicht jeder muss eine Facebook-Seite betreiben oder elektronische Rechnungen verschicken, jeder soll das finden, was für ihn richtig ist.“

Gelebte Digitalisierung: Die Kunden der Schreinerei Modulor aus Mersch können Regale nach ihren Wünschen selbst am Computer entwerfen. Gefertigt und auf Wunsch auch aufgebaut wird es dann von den Mitarbeitern der Schreinerei.
Gelebte Digitalisierung: Die Kunden der Schreinerei Modulor aus Mersch können Regale nach ihren Wünschen selbst am Computer entwerfen. Gefertigt und auf Wunsch auch aufgebaut wird es dann von den Mitarbeitern der Schreinerei.
Foto: Anouk Antony

Und das Angebot ist bereits enorm. Im Rahmen der „Journée eHandwierk“ vergangene Woche, stellten die Firmen Labgroup und OCI einige dieser digitalen Lösungen vor. So können Computerprogramme zur Digitalisierung von Rechnungen bisher zeitraubende administrative Arbeiten wesentlich verkürzen. Oder Wartungstechniker im Außendienst können mithilfe von Datenbrillen und einer Internetverbindung auf die Hilfe erfahrenerer Kollegen und Experten zurückgreifen, die nicht selbst an Ort und Stelle sind.

Um herauszufinden was am besten zum eigenen Betrieb passt, gibt es zum Beispiel das Programm Fit4Digital. Die Kosten für eine Komplettanalyse des Unternehmens durch eine Beratungsgesellschaft werden komplett vom Staat finanziert. Wer die Vorschläge der Berater dann auch umsetzen möchte, bekommt bis zu 50 Prozent der Kosten rückerstattet. „Das wissen die meisten Betriebe nur nicht“, bedauert Anne Majerus.

Internetpräsenz immer wichtiger

In Sachen Marketing hat die Fédération des Artisans nun eine Plattform für ihre Mitglieder eingerichtet. Wedo.lu vereint Anwendungen und Instrumente mit denen luxemburgische Handwerksunternehmen ihr digitales Marketing professionalisieren können, heißt es seitens des Verbands.

Die sozialen Netzwerke können ebenfalls viele Menschen auf einen Betrieb und dessen Arbeit aufmerksam machen. Das hat auch Alain Kutten festgestellt. Der Eigentümer eines Malermeisterbetriebs in Düdelingen postet wöchentlich Bilder von der Arbeit seiner Firma oder Informationen zu neuen Produkten – und ist damit ziemlich erfolgreich. „Immer mehr Kunden sind durch meine Posts auf die Firma aufmerksam geworden“, erklärt Alain Kutten. „Ich zeige den Menschen mit Bildern unserer Arbeiten, was alles möglich ist.“

Ein Betrieb, der im Internet präsent ist, gewinnt dadurch aber nicht nur neue Kunden, sondern möglicherweise auch neue Mitarbeiter. Die Suche nach qualifiziertem Personal gestaltet sich zunehmend schwierig für Handwerksbetriebe im Großherzogtum. Indem man zeigt, was und wie man das macht, ist der eigene Internetauftritt ein Weg, um vor allem junge Mitarbeiter anzuziehen, so Anne Majerus.