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Handelskammer setzt klare Prioritäten
Wirtschaft 3 Min. 12.06.2019

Handelskammer setzt klare Prioritäten

Handelskammer setzt klare Prioritäten

Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 12.06.2019

Handelskammer setzt klare Prioritäten

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Fachkräftemangel, digitale Zukunft, Internationalisierung: Diese Themen müssen laut Handelskammer Priorität haben.

Ob Gemüsehändler, Kioskbesitzer oder Großunternehmer: Wer ein Geschäft, einen Betrieb oder eine Firma führt, gehört – sofern er keine handwerkliche oder landwirtschaftliche Aktivität ausübt – automatisch der Luxemburger Handelskammer an. Derzeit vertritt sie die Interessen von 90 000 Mitgliedsunternehmen, die 75 Prozent der Beschäftigung und 80 Prozent des luxemburgischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) ausmachen.

Für Carlo Thelen, Generaldirektor der Handelskammer, steht außer Frage, dass die gesetzlich geregelte Zugehörigkeit für jedes Mitglied einen Nutzen hat. Denn: Die Handelskammer versteht sich gegenüber der Politik und den Entscheidungsträgern als Sprachrohr für kleine, mittelständische und große Unternehmen. Das lässt sich mit Zahlen des Jahresberichtes 2018 belegen, der gestern vorgestellt worden ist.

So analysierte die Handelskammer mögliche Auswirkungen von mehr als 300 Gesetzesentwürfen und großherzoglichen Verordnung auf die Unternehmen des Landes, begleitete mehr als 4 000 Vertreter von Unternehmen und Institutionen in deren Internationalisierungsstrategie und schulte täglich rund 220 Personen in den Weiterbildungskursen der „House of Training“ und des Institut supérieur de l'Économie (Isec).

Luc Frieden ist seit April Präsident der Handelskammer.
Luc Frieden ist seit April Präsident der Handelskammer.
Chris Karaba / Luxemburger Wort

Im Zeichen der Start-ups

Das Jahr 2018 stand auch im Zeichen der innovativen Start-ups. Am 1. Juni weihte die Handelskammer das „House of Startups“ ein, dessen Ziel es ist, möglichst alle Start-ups im Land unter einem Dach zu vereinen und den Austausch unter ihnen zu fördern. Nach einem Jahr fällt das Fazit positiv aus: Von den 150 bis 200 Plätzen, die zur Verfügung stehen, sind derzeit schon 100 besetzt.

Eine weitere wichtige Position besetzt die Handelskammer als zentrales Beratungsorgan. So ist das „House of Entrepreneurship“ zur zentralen Anlaufstelle für Unternehmer geworden, in dem rund 25 öffentliche und private Partner vertreten sind. „Im vergangenen Jahr konnten 9 178 Unternehmer beraten werden, das entspricht einer Steigerung von 15,3 Prozent gegenüber 2017“, freut sich Carlo Thelen. Zudem nahmen 1 500 Unternehmer an den Workshops und Konferenzen der Handelskammer teil, die während der „Entrepreneurs' Days“ organisiert wurden. Mehr als 900 Personen beteiligten sich an den Konferenzen zur Reform der europäischen Datenschutzvorschriften.

Im Rahmen ihrer Aufgabe, das allgemeine wirtschaftliche Interesse zu schützen, veröffentlichte die Handelskammer zudem zahlreiche Stellungnahmen und Analysen, die sich an Experten, staatliche Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit richten. „Wir haben im vergangenen Jahr zwölf Berichte im Blog des Chefökonomen veröffentlicht, vier Debatten und 58 Publikationen des Think Tanks IDEA sowie mehrere Stellungnahmen und Analysen in unserem Wirtschaftsblatt ,Actualité et tendances‘ veröffentlicht“, so Thelen.


„Eine sichtbare Handelskammer“

Auf diese Weise spielt die Handelskammer eine wichtige Rolle im luxemburgischen Wirtschaftsleben. Luc Frieden, seit 3. April Präsident der Handelskammer, will aber noch stärker als bisher in Debatten mitmischen und den Wandel aktiv gestalten: „Wir wollen eine sichtbare Handelskammer werden und in den kommenden fünf Jahren ein Akteur sein, der eine aktive Rolle in der öffentlichen Debatte spielt“, sagt der frühere CSV-Minister und legt die Schwerpunkte seines Mandats dar: „Nach Rücksprache mit den verschiedenen, in der Handelskammer vertretenen Gruppen ist klar, dass die Digitalisierung, die Internationalisierung Luxemburger Unternehmen und der Mangel an qualifiziertem Personal in Zukunftsbranchen zu den größten Herausforderungen der Unternehmen gehören“.

Diese drei Themen seien nicht nur für die Mitgliedsunternehmen, sondern auch für die wirtschaftliche Entwicklung und die angestrebte Modernisierung des Landes „von entscheidender Bedeutung“.

Daher sei es sein Wunsch, dass „sich die Handelskammer noch aktiver an der öffentlichen Debatte beteiligt“ und innovative Antworten auf die großen Herausforderungen findet. Und: „Es ist von zentraler Bedeutung zu wissen, wohin sich die luxemburgische Wirtschaft in den kommenden zehn Jahren entwickeln wird“.


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