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Handelskammer schlägt neue Hilfsmaßnahmen für Unternehmen vor
Wirtschaft 5 Min. 01.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Handelskammer schlägt neue Hilfsmaßnahmen für Unternehmen vor

Unter der Leitung des Präsidenten Luc Frieden fand am Freitag eine virtuelle Plenarsitzung mit den vorsitzenden Mitgliedern der Handelskammer statt.

Handelskammer schlägt neue Hilfsmaßnahmen für Unternehmen vor

Unter der Leitung des Präsidenten Luc Frieden fand am Freitag eine virtuelle Plenarsitzung mit den vorsitzenden Mitgliedern der Handelskammer statt.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 5 Min. 01.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Handelskammer schlägt neue Hilfsmaßnahmen für Unternehmen vor

Rosa CLEMENTE
Rosa CLEMENTE
Nach einer Plenarsitzung am Donnerstag veröffentlichte die Luxemburger Handelskammer auf ihrer Webseite nun elf Empfehlungen, die zu einer möglichst erfolgreichen Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten beitragen soll.

Am Donnerstag kamen die 25 Mitglieder der Handelskammer zu einer Plenarversammlung zusammen, die unter dem Vorsitz von Präsident Luc Frieden stattfand. Ziel war es, eine Bestandsaufnahme der aktuellen sanitären Krise sowie deren Auswirkungen auf die luxemburgische Wirtschaft vorzunehmen. 

Bei dieser Gelegenheit schlug die Plenarversammlung elf Sofortmaßnahmen vor, um luxemburgische Unternehmen bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen und eine erfolgreiche Wiederaufnahme der wirtschaftlichen Aktivitäten zu ermöglichen. 

Die elf Maßnahmen

1) Flexibilisierung des Chômage partiel: Auch wenn einige Unternehmen ihre Aktivitäten wieder in Betrieb nehmen konnten und andere dies in den kommenden Wochen machen werden, bedeutet dies nicht unbedingt das Ende der wirtschaftlichen Probleme für diese Firmen. Was die Handelskammer empfiehlt: Eine Flexibilisierung der Kurzarbeit zumindest bis Ende 2020.

2) Reduzierung der Fixkosten und mehr Liquiditäten: Die mangelnde Aktivität in den Unternehmen führt dazu, dass immer weniger Liquiditäten in den Kassen der Firmen vorhanden sind. Die Handelskammer empfiehlt also: 

  • Eine Reduzierung der Mieten während der Sperrfrist.
  • Die Übernahme der Sozialversicherungsgebühren durch den Staat für jene Unternehmen, die weiterhin auf den Chômage partiel zurückgreifen müssen. 
  • Aufarbeitung des Beihilfesystems für Unternehmen in vorübergehenden finanziellen Schwierigkeiten. Es sollten mehr Mittel für direkte Zuschüsse anstatt für rückzahlbare Vorschüsse zur Verfügung gestellt werden.
  • Direkthilfen für Unternehmen in Höhe von 5.000 und 12.500 Euro auch für den Monat Mai. 
  • Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten sollten eine nicht rückzahlbare Direkthilfe in Höhe von 50 Prozent ihrer Fixkosten der Monate April und Mai erhalten. 
  • Direkthilfen für Selbstständige im Monat Mai: Diesmal sollten diese aber mehr als 2.500 Euro betragen.

3) Flexibilisierung der Rückzahlung von Beihilfen: Das Gesetz, das während der Krisenzeit (3. April 2020) eingeführt wurde, sieht vor, dass „die Rückzahlung frühstens zwölf Monate nach der ersten Auszahlung der Beihilfe beginnen soll. Die Handelskammer empfiehlt diese Frist zu verlängern: Ein zusätzliches Jahr soll eingeführt werden. Demnach sollen Unternehmen erst nach zwei Jahren mit der zu zahlen beginnen. Denn: Laut einer Umfrage der Handelskammer lehnen derzeit einige Firmen, aus Angst nach einem Jahr nicht genug Ressourcen für eine Rückerstattung zu haben, die vom Staat angebotenen Beihilfen ab.

4) Wiedereröffnung von Geschäften und Restaurants: Die Handelskammer schlägt eine Wiedereröffnung aller Geschäften und Restaurants vor, welche die  Distanzmaßnahmen von zwei Metern Abstand zwischen Verbrauchern umsetzen können. 

Derzeit stehen die Terrassen der Cafés und Restaurants noch leer.
Derzeit stehen die Terrassen der Cafés und Restaurants noch leer.
Foto: Lex Kleren

5) Erschaffung eines Stabilisierungsfonds: Laut der Handelskammer sollte ein  Stabilisierungsfonds für die luxemburgische Wirtschaft ins Leben gerufen werden. Die Erschaffung eines solchen Fonds, der unter anderem für den Rückkauf von Unternehmensschulden und Anleihekrediten zuständig wäre,  würde einen großen Beitrag zur Wiederherstellung des Vertrauens in die Luxemburger Wirtschaft leisten. Dieser Fonds würde vor allem mittelständische und große Unternehmen unter die Arme greifen.

6) Das System "Carry back": Derzeit gibt es hierzulande nur ein "Carry forward"-System. Die Handelskammer schlägt demnach eine Einführung des "Carry back"-Systems, also eines Übertragungssystems für finanzielle Verluste, vor. Wissend, dass viele Unternehmen in diesem Jahr starke Verluste erleiden werden, könnte der Staat beispielsweise über einen Zeitraum von zwei Jahren ein solches System einrichten. Die bestehenden Schulden könnten dann vom Staat erstattet werden, wodurch die Liquidität der Unternehmen erhöht würde.

7) Unterstützung des Konsums: Die Handelskammer empfiehlt eine Reihe von Maßnahmen, um den Konsum in Luxemburg zu unterstützen: 

  • Eine Erhöhung des Wertes der sogenannten Chèques repas durch öffentliche Zuschüsse.
  • Gutscheine für den Konsum in Nicht-Lebensmittelgeschäften und in der Hotellerie-Branche. 
  • Vorübergehender Rückgang (während der Krisenzeit) der Mehrwertsteuer (TVA) von 17 Prozent auf 15 Prozent.
  • Senkung der in bestimmten Sektoren (vor allem Horeca) geltenden Sondersteuersätze.
  • Steuerliche Abzugsfähigkeit von Spenden, die beispielsweise an lokale Geschäfte gewährt werden.
  • Direkte finanzielle Unterstützung für Haushalte mit niedrigem Einkommen.

8) Befreiung von Arbeitgeberbeiträgen für sehr kleine Unternehmen: Der Zustrom von Aktivitäten in bestimmten Sektoren könnte sehr kleine Unternehmen (TPE) dazu ermutigen, neue Mitarbeiter einzustellen. Allerdings lassen die mit der Wirtschaftskrise verbundenen Unsicherheiten viele zunächst zögern. Die Handelskammer schlägt für Luxemburg ein ähnliches System wie das in Belgien vor: Eine zwölfmonatige Befreiung von den Arbeitgeberbeiträgen für den ersten von dem kleinen Unternehmen geschaffenen Arbeitsplatz. 

9) Das Sozialversicherungssystem für Selbstständige an das der Salariés anpassen: Das Armutsrisiko eines Selbständigen ist allgemein bereits doppelt so hoch wie das eines Angestellten. Die Handelskammer empfiehlt, dass die  Rechtssysteme (Arbeitsrecht und soziale Sicherheit) für Selbstständige an die der Arbeitnehmer angepasst werden. Eine weitere Maßnahme wäre die Ausweitung des Ersatzeinkommens für Selbstständige, die regelmäßig zur sozialen Sicherheit beitragen.

Die Stadt Luxemburg ist beispielsweise im Besitz von Lokalen, in denen sich 22 Geschäfte und 18 Restaurants befinden. Das Zahlen der Mieten wurde zeitweilig eingestellt.
Die Stadt Luxemburg ist beispielsweise im Besitz von Lokalen, in denen sich 22 Geschäfte und 18 Restaurants befinden. Das Zahlen der Mieten wurde zeitweilig eingestellt.
Foto: Lex Kleren

10) Überprüfung der Insolvenzverfahren: Laut der Handelskammer zeige die aktuelle Krisenperiode mehr denn je die Unzulänglichkeit des Luxemburger Insolvenzsystems. Empfohlen wird die Einführung eines gestärkten Haftungssystems für Unternehmer im Falle einer Insolvenz. Jene, die sich jedoch als ehrliche Unternehmer herausstellen, sollen die Möglichkeit auf eine zweite Chance haben. 

11) Einführung eines Guichets für kleine und mittlere Unternehmen (PME): Finanzielle Hilfsmittel gibt es viele, kleine und mittlere Unternehmen sind laut der Handelskammer jedoch nicht immer ausreichend über ihre Existenz informiert. Daher sollte ein nationaler "Guichet für PME" erschaffen werden. Dieser würde als Informationsdienst dienen und den direkten Zugang zu Verwaltungen wie die Sécurité sociale oder die ADEM herstellen.  

Unterstützung in Krisenzeiten

Um Unternehmen zu unterstützen, haben Regierungen in der ganzen Welt Rettungsprogramme mit einer Vielzahl von Maßnahmen eingeführt. Im Großherzogtum sieht ein Hilfsprogramm für Unternehmen mit vorübergehenden finanziellen Schwierigkeiten rückzahlbare Vorschüsse von bis zu 500.000 Euro vor. 


Lok , Coronavirus , Ghost Town , Lost City , leere Strassen , Wasserbillig , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Umfrage: Hotels und Gaststätten finanziell am Ende
Zwei Drittel aller Betriebe haben geschlossen. Die, die noch funktionieren, müssen mit wenig Beschäftigten auskommen. Besonders im Horeca-Sektor spitzt sich die Lage zu, wie eine Umfrage der Handelskammer zeigt.

Diverse andere Maßnahmen wie der Chômage partiel für alle Unternehmen, die ihre Aktivitäten ganz oder teilweise einstellen mussten, oder der Congé familial für Eltern, die auf ihre Kinder aufpassen müssen, wurden eingeführt. Nichtsdestotrotz geht das Leiden auf finanzieller Ebene für Unternehmen auch in den kommenden Wochen, wenn nicht Monate, weiter. 

Alle weiteren Infos zu den von der Handelskammer vorgeschlagenen Hilfsmaßnahmen sind zu finden unter: www.cc.lu

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