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Handelsgericht Luxemburg: BPM-Betreibergesellschaft in Konkurs
Ende April war der reguläre Betrieb des Paketdienstes unterbrochen worden, was die Geschäftsführung mit einem Wechsel des Betriebsstandortes begründete.

Handelsgericht Luxemburg: BPM-Betreibergesellschaft in Konkurs

Foto: Guy Jallay
Ende April war der reguläre Betrieb des Paketdienstes unterbrochen worden, was die Geschäftsführung mit einem Wechsel des Betriebsstandortes begründete.
Wirtschaft 3 Min. 13.05.2016

Handelsgericht Luxemburg: BPM-Betreibergesellschaft in Konkurs

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Laut Handelsgericht Luxemburg ist die Firma RT-Log S.A. mit Sitz in Münsbach seit Freitagmorgen in Konkurs. Geschäftführer Rodrigo Olivera Jimenez bestätigte dies im Verlauf des Tages schriftlich und bat bei den Kunden um Entschuldigung.

(aa) - Laut Handelsgericht Luxemburg ist die Firma RT-Log S.A. mit Sitz in Münsbach seit Freitagmorgen in Konkurs. Das hat das Tribunal de commerce zuerst  auf Anfrage bestätigt. Inzwischen ist der Eintrag auf der Webseite der Anwaltskammer nachzulesen. RT-Log S.A. betreibt den Versanddienst BPM. Das "Luxemburger Wort" hatte bereits am Mittwoch berichtet, dass Branchenkreisen zufolge das Unternehmen von Zahlungsunfähigkeit bedroht sei und auf eine Insolvenz zusteuere.

Ende April war der reguläre Betrieb des Versanddienstes unterbrochen worden, was die Geschäftsführung mit einem Wechsel des Betriebsstandortes begründete. Der neue Administrateur délégué Rodrigo Olivera Jimenez bekräftigte dennoch wiederholt, alles tun zu wollen, um den BPM-Dienst wieder aufzunehmen.

Mit Auchan ging ein wichtiger Kunde verloren

Informationen des "Luxemburger Wort" zufolge steht der Wechsel der BPM-Betriebsstätte in Zusammenhang mit der Kündigung eines Dienstvertrages durch Auchan im Jahr 2015, für die RT-Log hauptsächlich das Lagerliefermanagement besorgte.

Neben den Räumlichkeiten ging mit Auchan auch ein wichtiger Kunde verloren. Genügte das bereits um RT-Log S.A. in eine Schieflage zu bringen? Oder war der BPM-Dienst möglicherweise alleine nicht rentabel? Geschäftsführer Rodrigo Olivera Jimenez lehnte in dieser Woche ein Interview mit dem "Luxemburger Wort" ab und verwies auf einen prall gefüllten Terminkalender.

Derweil machten sich BPM-Kunden im Internet Luft, beklagten die mangelhafte Krisenkommunikation und beschwerten sich darüber, dass weiterhin Jahresbeiträge abgebucht würden.

BPM konnte sich nicht alleine tragen

Am Freitagnachmittag, nachdem der Konkurs bekannt wurde war, der Geschäftsführer Rodrigo Olivera Jimenez zunächst nicht zu erreichen. Roberto Thiemann, der bis zum April 2016 das Amt des Administrateur délégué innehatte, sagte dem "Luxemburger Wort" am Freitagnachmittag, dass die Kündigung des Dienstvertrages durch Auchan und der sich anschließende teure Rechtsstreit für RT-Log finanziell ein schwerer Schlag war und dass sich der junge BPM-Dienst noch nicht alleine tragen konnte.

RT-Log habe übrigens durchaus und mehrfach die Möglichkeit gehabt, nach der Kündigung des Dienstvertrages durch Auchan rechtzeitig andere Lokalitäten zu beziehen, so der frühere Geschäftsführer Roberto Thiemann. Dies sei jedoch im Verwaltungsrat von Leonardo Olivera Jimenez, dem Vater des aktuellen Geschäftsführers, als Inhaber der Mehrheitsanteile an der RT-Log S.A. unterbunden worden.

Geschäftsführer entschuldigt sich

Laut Thiemann hat RT-Log aktuell 28 Mitarbeiter, wovon 19 dem BPM-Versanddienst zugeordnet werden könnten und neun der Sparte Logistik. Vor der Kündigung durch Auchan habe RT-Log 51 Mitarbeiter gehabt. Davon seien gut 20 von Auchan übernommen worden. BPM-Log (BPM plus Logistik) habe gemeinsam 4500 Kunden. BPM alleine etwa 4300 Kunden. BPM-Log habe zuletzt finanziell kurz vor dem "break even" gestanden, so Thiemann weiter.

Am Freitagabend meldete sich dann Geschäftsführer Rodrigo Olivera Jimenez auf mehrfache Nachfrage hin schriftlich zu Wort. Man habe sich bemüht, das zuletzt in die Bredouille geratene Unternehmen aus der Krise zu führen. Leider vergeblich. Daher habe man Konkurs angemeldet. Man habe die Mitarbeiter informiert und ihnen für ihre Dienste gedankt. Was die Verbraucher anbelange, so bedaure man die Situation und entschuldige sich.



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