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Gute Startbedingungen für die Börsen
Wirtschaft 3 Min. 29.12.2019

Gute Startbedingungen für die Börsen

Insgesamt war 2019 für Anleger sehr ertragreich und zwar in vielen Anlageklassen.

Gute Startbedingungen für die Börsen

Insgesamt war 2019 für Anleger sehr ertragreich und zwar in vielen Anlageklassen.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 29.12.2019

Gute Startbedingungen für die Börsen

Nach einem ertragreichen Börsenjahr 2019 bleiben die Aussichten für das kommende Jahr vielversprechend, schreibt Dr. Jörg Zeuner in einem Gastbeitrag.

Von Dr. Jörg Zeuner *

Für Anleger glichen die vergangenen zwölf Börsenmonate einer Achterbahnfahrt. War der Dezember 2018 noch so schlecht wie seit den 1930er-Jahren nicht, so startete 2019 mit einem fast ebenso steilen Wiederaufstieg der Aktienmärkte. Einer recht freundlichen ersten Jahreshälfte folgte dann im Spätsommer erneut ein kräftiger Einbruch.


(FILES) In this file photo taken on May 2, 2018 a view of the Federal Reserve building is seen  in Washington, DC. - US President Donald Trump on July 30, 2019 called on the Federal Reserve to cut the benchmark interest rate significantly, moments before the central bank was due to open its two-day policy meeting. "I would like to see a large cut," Trump told reporters at the White House, his latest move in a constant campaign to pressure monetary policymakers."I'm very disappointed in the Fed," he said. Markets overwhelmingly expect the central bank on Wednesday will cut in the key lending rate by 25 basis points -- the first cut in more than a decade -- amid a slowing global economy impacted by trade uncertainty and sluggish business investment. (Photo by Brendan Smialowski / AFP)
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Deutlich wird die Entwicklung am DAX, einem besonders sensiblen Börsenbarometer. Nach einem Anstieg um 2 500 Punkte seit Anfang 2019 verlor der deutsche Leitindex durch Konjunktursorgen und eine Zuspitzung im Handelsstreit zwischen Juli und Ende August über 1 300 Punkte. Zum Jahresende waren diese Verluste mehr als wettgemacht und das Allzeithoch von 13 590 Zählern wieder in Schlagdistanz. Insgesamt war 2019 damit für Anleger sehr ertragreich, und zwar in vielen Anlageklassen.

Die Zeichen stehen auf Entspannung

Aber woher rühren die starken Ausschläge? Die Börsen pendelten 2019 zwischen zwei Polen: der Belastung aus geopolitischen Risiken einerseits und unterstützender Geldpolitik andererseits. Für das Jahr 2020 ist es daher entscheidend, wie es mit diesem Spannungsverhältnis weitergeht.

Geopolitisch stehen die Zeichen auf Entspannung. In Großbritannien ist ein „harter Brexit“ unwahrscheinlich geworden. Zwar bleibt die Unsicherheit bestehen, da nach dem EU-Austritt der Briten noch die künftigen Handelsbeziehungen geklärt werden müssen. Aber für die Börsen verliert der Brexit an Schrecken. Auch beim Handelsstreit zwischen China und den USA ist eine Beruhigung zu erwarten. Konjunkturell ist bereits enormer Schaden entstanden, und das haben auch die Protagonisten zu spüren bekommen. Nicht zuletzt angesichts des anstehenden Wahlkampfes dürfte US-Präsident Trump wirtschaftliche Rückschläge vermeiden wollen und dürfte sich versöhnlicher geben. In China sollte er damit auf offene Ohren treffen.

Spielraum der Notenbanken nimmt ab


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Beim zweiten großen Börsentreiber 2019, der Geldpolitik, dürfte die Unterstützung hingegen abnehmen. Zwar bleiben die großen Notenbanken auf Wachstumsförderung getrimmt. Aber ihr Spielraum nimmt ab, insbesondere in der Eurozone. Außerdem wirkt eine lockere Geldpolitik bei negativen Zinsen weniger stützend als normalerweise. In Summe bedeutet das: Die Geopolitik belastet weniger, die Geldpolitik stützt weniger. Somit kommt es 2020 stärker als zuletzt auf die Konjunktur an. Und da sind die Vorzeichen gar nicht so schlecht. Gebremst durch die Folgen des Handelsstreits wird die Weltwirtschaft zwar an Dynamik verlieren. Aber eine Rezession steht in keiner der großen Volkswirtschaften ins Haus. Im Euroraum dürfte das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,8 Prozent zulegen, nach 1,1 Prozent 2019. In Deutschland sind immerhin 0,6 Prozent drin.

Damit bleibt das Negativzinsumfeld zementiert. Wer 2020 auf steigende Zinsen hofft, der wird enttäuscht werden. Bei sicheren Staatsanleihen etwa aus Deutschland oder den USA werden die Renditen sich nicht viel bewegen. Das heißt aber auch: Bei den Zinsen auf Tages- oder Festgeld ist kaum Besserung zu erwarten.

Gute Bedingungen für risikoreichere Anlagen


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Dagegen sind die Startbedingungen für risikoreichere Anlagen gut. In einem Umfeld lockerer Geldpolitik, eingedämmter geopolitischer Spannungen und schwachen Wachstums spricht zum Beispiel viel für Anleihen mit Renditeaufschlag. Das können Papiere europäischer Unternehmen hoher Bonität oder Zinstitel aus den aufstrebenden Volkswirtschaften sein. Auch Aktien gehören nach wie vor in jedes gut strukturierte Depot, obwohl die Anstiege geringer als zuletzt ausfallen dürften. Denn: Das ruhigere Umfeld verspricht höhere Bewertungen und damit anziehende Kurse, trotz kaum steigender Unternehmensgewinne.

Auf der Währungsseite dürfte der US-Dollar zur Schwäche neigen, nicht zuletzt wegen der Lockerungen der US-Notenbank. Ein Niveau von 1,18 US-Dollar je Euro zum Jahresende 2020 halten wir für realistisch. Und bei Rohstoffen spricht das Verhältnis aus Angebot und Nachfrage vor allem für Rohöl. Gold hingegen dürfte nach den starken Preisanstiegen der letzten Monate nur noch sehr verhalten glänzen.

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* Der 47-jährige promovierte Ökonom Jörg Zeuner übernahm in diesem Jahr als Managing Director den neu gegründeten Bereich „Research & Investment Strategy“ der Fondsgesellschaft Union Investment. Text und Grafik in Zusammenarbeit mit vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste GmbH.


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