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Gute Besserung
Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 08.12.2014

Gute Besserung

Leitartikel Wirtschaft 2 Min. 08.12.2014

Gute Besserung

Fernand MORBACH
Fernand MORBACH
Ernsthaft Kranke freuen sich meistens auch schon über kleine Genesungsfortschritte. So gesehen ist die Zufriedenheit, die das Luxair-Management vergangene Woche ausstrahlte, keine Überraschung.

Ernsthaft Kranke freuen sich meistens auch schon über kleine Genesungsfortschritte. So gesehen ist die Zufriedenheit, die das Luxair-Management vergangene Woche ausstrahlte, keine Überraschung. Bei der Luxemburger Airline kam dieses Jahr vieles weniger schlimm als befürchtet. Die Luxair freut sich über mehr als eine Million Passagiere, der Verlust fällt mit achteinhalb Millionen Euro niedriger aus als erwartet, das Feriengeschäft brummt und das kommende Geschäftsjahr lässt sich ebenfalls gut an.

Trotzdem kann nicht übersehen werden, dass die Luxair das Gröbste noch nicht hinter sich hat. Sie bleibt bis auf Weiteres in der Verlustzone. In den kommenden Wochen und Monaten geht es um mehr als um neue Flugzeiten, zusätzliche Flüge, mehr Plätze in Maschinen oder neue Buchungstools.

Bislang gelang es dem Unternehmen nicht, die Kraftprobe mit den Gewerkschaften zu beenden. Im Gegenteil: Der Tarifkonflikt, von dessen Ausgang laut CEO Adrien Ney so viel abhängen wird, schwelt weiter. Nägel mit Köpfen müssen Direktion und Verwaltungsrat auch bei der Flottenerneuerung machen. Wer auf der einen Seite Opfer von der Belegschaft verlangt, muss auf der anderen Seite dafür sorgen, dass die Flotte verschlankt wird. Ein kleines Unternehmen wie die Luxair eines ist, kann sich auf Dauer nicht den betriebswirtschaftlichen Luxus leisten, drei Flugzeugtypen zu betreiben. Das machte in der Vergangenheit keinen richtigen Sinn und wird in der Zukunft keinen machen.

Für viele Luxemburger ist „ihre“ Luxair nach wie vor Bestandteil des Nationalstolzes. Wer etwas genauer hinschaut, stellt aber fest, dass sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren erheblich verändert hat. Die Luxair ist auf dem Weg, eine Billig- oder zumindest eine Günstig-Fluggesellschaft zu werden. Bereits im kommenden Jahr sollen bei der Airline mehr als 60 Prozent aller verkauften Tickets sogenannte Primo-Tickets – also Billigtickets – sein. Die Luxair tut heute das, was die Konkurrenten schon lange tun. Sie betreibt eine aggressive Preispolitik, passt ihre Angebote (endlich) der Marktnachfrage an und versucht, Wachstum dort zu erzielen, wo man zu Hause ist. Die Wirklichkeit hat das Unternehmen eingeholt.

So hat die Luxair auch die – noch gar nicht so alten – Pläne wieder begraben, eine Art Fluggesellschaft der Großregion zu werden. Saarbrücken spielt in den Zukunftsplänen so gut wie keine Rolle mehr. Auf der anderen Seite wird jedoch eine der Herausforderungen darin bestehen, gerade in der deutschen Grenzregion wieder stärker Fuß zu fassen und wieder mehr Kunden aus dem Trierer und dem Bitburger Raum in Luxair-Flugzeuge zu locken.

In einigen Jahren wird sich zeigen, ob die nun eingeschlagene Marschroute die richtige ist. Eines ist schon heute sicher: Die jüngsten Entscheidungen (mehr Plätze, mehr Maschinen, günstigere Tickets, neue Vertriebswege etc) tragen dazu bei, die Position der Luxair zu festigen, sowohl in der Region als auch am Flughafen Luxemburg. Noch ist die

Luxair am Findel die Nummer 1. Die Konkurrenz wird allerdings weiter wachsen. Schon heute machen Turkish Airline, Sun Express oder Lufthansa der Luxair ein rasch größer werdendes Stück vom Kuchen streitig. Dabei wird es nicht bleiben. Es ist nur der Anfang einer neuen Wettbewerbsrunde.


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