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Gute Aussichten im Handwerk: Rekord bei geschaffenen Arbeitsplätzen
Wirtschaft 2 Min. 09.05.2017 Aus unserem online-Archiv

Gute Aussichten im Handwerk: Rekord bei geschaffenen Arbeitsplätzen

Die Baubranche wuchs 2016 um 4,4 Prozent und schuf knapp 2.600 Arbeitsplätze.

Gute Aussichten im Handwerk: Rekord bei geschaffenen Arbeitsplätzen

Die Baubranche wuchs 2016 um 4,4 Prozent und schuf knapp 2.600 Arbeitsplätze.
LW-Archiv
Wirtschaft 2 Min. 09.05.2017 Aus unserem online-Archiv

Gute Aussichten im Handwerk: Rekord bei geschaffenen Arbeitsplätzen

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Es ist ein unterschätzter Wirtschaftszweig: Jedes fünfte Unternehmen ist ein Handwerksbetrieb, jeder vierte Beschäftigte arbeitet im Handwerk. Die Dynamik ist gut, aber die Handwerkskammer sieht auch Herausforderungen.

(las) - Handwerksbetriebe schufen vergangenes Jahr 4.506 neue Arbeitsplätze, was einem Plus von fünf Prozent entspricht. Das ist der höchste Zuwachs seit der Wirtschaftskrise. Im Durchschnitt wuchs die Zahl der Beschäftigten zwischen 2007 und 2016 um knapp 2.800 Handwerker, teilte die Handwerkskammer bei der Vorstellung der Zahlen von 2016 mit.

Damit zählte das Handwerk vergangenes Jahr insgesamt 90.476 Mitarbeiter, die in 7.034 Betrieben beschäftigt waren. Zwar wuchs auch die Zahl der Unternehmen in dem Wirtschaftszweig weiter, jedoch mit netto 144 neuen Betrieben langsamer als in den Jahren zuvor, betonte Norry Dondelinger, Direktor für Wirtschaftsfragen bei der Handwerkskammer.

Tendenz zu mehr Mitarbeitern pro Betrieb

Dahinter stehe eine Entwicklung hin zu größeren Betrieben, erklärte Dondelinger. Die Zahl der Beschäftigten pro Betrieb stieg in den letzten Jahren deutlich. "Die Betriebe haben heute im Durchschnitt 13 Mitarbeiter. Sie sind damit größer als etwa der Durchschnitt im Saarland oder in Rheinland-Pfalz", so der Generaldirektor der Handwerkskammer Tom Wirion.

Die Tendenz zur Konzentration zeige sich vor allem in der Nahrungsmittelbranche. Um rentabel zu sein, müssten Betriebe heute eine gewisse Größe haben, da die Margen in den letzten Jahren sanken, so Dondelinger. Das heißt etwa, dass eine kleine Bäckerei, dessen Besitzer aufhört, meist von einem größeren Betrieb übernommen wird.

Die Frage wird sich immer häufiger stellen: Die Handwerkskammer geht davon aus, dass 2016 knapp 1.200 Betriebsinhaber nach einem Nachfolger suchten, weil sie das Rentenalter erreicht haben. In zehn Jahren wird diese Zahl auf 3.391 gestiegen sein, schätzt die Handwerkskammer.

Handwerk wächst weiter, aber es fehlt an Arbeitskräften

Für 2017 geht die Handwerkskammer von einer positiven Entwicklung aus: Durch Steuerreform, Index und Erhöhung des Mindestlohns sei die Kaufkraft der Haushalte deutlich gestiegen. Die Betriebe erwarten sich dadurch eine höhere Nachfrage. Auch die staatlichen Investitionen bleiben mit geplanten 2,3 Milliarden Euro auf einem hohen Niveau.

Das Handwerk entwickle sich parallel zum Wirtschaftswachstum des ganzen Landes, erklärt Norry Dondelinger. Entsprechend mehr Mitarbeiter wird das Handwerk in den nächsten Jahren benötigen. Doch genau hier hakt es: 2016 wurden 368 Berufsdiplome und 111 Meisterbriefe ausgestellt - deutlich weniger als in den vergangenen Jahren. Das Luxemburger Bildungssystem schaffe es nicht mehr die Nachfrage an ausgebildeten Arbeitskräften zu befriedigen, klagen die Handwerker.

Der Präsident der Handwerkskammer Roland Kuhn kündigte eine Reform der Meisterbriefe an. In einem Pilotprojekt seien die Meisterbriefe für Bäcker, "pâtissier", "traiteur" und Metzger in einem Diplom zusammengefasst worden, so Kuhn. Die Zahl der Briefe soll in Zukunft deutlich sinken.

Die Mehrzahl der Beschäftigten im Handwerk hat ihren Beruf nicht in Luxemburg gelernt, sei es weil sie eingewandert sind oder weil sie aus der Großregion kommen. Inzwischen stellen die Grenzgänger die Hälfte der Arbeitskräfte im Handwerk. Der Anteil der Luxemburger sank von 26 Prozent 1990 auf lediglich 14 Prozent im vergangenen Jahr. Auch der Anteil der ausländischen Einwohner sank von 47 Prozent 1990 auf heute 37 Prozent.


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