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Guardian: Rund 200 Stellen in Gefahr
Wirtschaft 3 Min. 13.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Guardian: Rund 200 Stellen in Gefahr

Seit 2016 hat der Glashersteller Guardian seinen Europasitz in Bartringen.

Guardian: Rund 200 Stellen in Gefahr

Seit 2016 hat der Glashersteller Guardian seinen Europasitz in Bartringen.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 13.08.2020 Aus unserem online-Archiv

Guardian: Rund 200 Stellen in Gefahr

Bis zu 201 Stellen stehen beim Glashersteller Guardian an den beiden Standorten Niederkerschen und Düdelingen auf dem Spiel.

(SC/ ThK) - Der Glashersteller Guardian könnte an seinen Luxemburger Standorten Niederkerschen und Düdelingen bis zu 201 Stellen abzubauen. Das hatte zunächst die Gewerkschaft OGBL am Donnerstag mitgeteilt. Das Unternehmen hat die  Zahl inzwischen bestätigt: „Wie von der Gewerkschaft angeben, könnten die potenziellen Entlassungen im Bereich von 200 Stellenstreichungen liegen. Die endgültige Anzahl und andere wichtige Maßnahmen werden in Absprache mit der Delegation festgelegt“, teilte eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage mit. 

Insgesamt arbeiten an den zwei Standorten in Luxemburg derzeit 453 Angestellte. Das Unternehmen wolle zunächst einen „Plan de maintien dans l’emploi“ aufstellen, meldet die Gewerkschaft. Das Ziel eines solchen Beschäftigungsplans besteht normalerweise darin, den Stellenabbau möglichst sozialverträglich und ohne Entlassungen zu vollziehen. Aber bisher haben noch keine Verhandlungen mit den Gewerkschaften darüber stattgefunden, wie ein solcher Plan konkret aussehen könnte, beschwert sich Alain Rolling, beigeordneter Generalsekretär beim OGBL. 

Verhandlungen über Sozialplan ab Anfang September 

Stattdessen habe Guardian bereits einen Termin für die Verhandlungen um einen Sozialplan genannt, weil es Stellenstreichungen für unumgänglich halte, so die Gewerkschaft. Diese sollen am 2. September beginnen. „Einerseits wird also von einer Aufrechterhaltung der Beschäftigung gesprochen, andererseits sollen wir zwei Wochen später über einen Sozialplan verhandeln“, wundert sich Alain Rolling. 


Seit 2016 hat der Glashersteller Guardian seinen Europasitz in Bartringen.
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Der Zeitplan sei viel zu kurzfristig, betont der Gewerkschaftler. „Vor allem, weil wir in der Sommerpause sind, in der auch die Ministerien auf Sparflamme laufen. Maßnahmen wie Vorruhestand für die Beschäftigten müssen ja auch vom Ministerium genehmigt werden“, so Rolling. „Für einen „Plan de maintien dans l’emploi“ braucht es einfach mehr Zeit. Wenn er nach ein paar Monaten wirklich nicht greift, kann man immer noch über einen Sozialplan sprechen.“ 

Im Juni hatte die Unternehmensleitung die Personalvertreter informiert, dass sie beiden Standorte des Unternehmens Niederkerschen (Luxguard 1) und Düdelingen (Luxguard 2) zusammengelegt werden sollen und der Floatofen in Düdelingen heruntergefahren werden soll. Solche Anlagen haben nur eine begrenzte Lebensdauer und müssen nach einer gewissen Zeit aufwendig erneuert werden, um weiter betrieben werden zu können. Für diese Maßnahmen wären massive Investitionen von zwischen 90 und 100 Millionen Euro fällig gewesen. 

Eine Investition die das Unternehmen offenbar für Düdelingen scheute. Zumal in Polen ein neues Werk bereitsteht, das geringere Arbeitskosten hat und in etwa über die gleiche Produktionskapazität verfügt wie die beiden luxemburgischen Werke zusammen genommen. Die Gewerkschaften befürchten daher, dass das Unternehmen langfristig vorhat, die Produktion ganz aus dem Großherzogtum abzuziehen und Richtung Osten zu verlagern. In Luxemburg könnte dann irgendwann nur noch der Steuersitz von Guardian sein, befürchtet die Gewerkschaft. Denn auch der Ofen im zweiten Werk in Niederkerschen erreicht im Jahr 2022 das Ende seiner technischen Lebensdauer. 

Fusion der beiden Standorte bereits vollzogen 

Guardian macht derweil Nägel mit Köpfen. Denn nur zwei Monate nach der Ankündigung hat das Unternehmen beide Maßnahmen schon umgesetzt: „Guardian Europe hat die sichere Herunterkühlung des Ofens in seinem Werk in Düdelingen abgeschlossen und die Fusion von Guardian Luxguard I in Niederkerschen und Guardian Luxguard II in Düdelingen vollzogen“, bestätigt die Unternehmenssprecherin. 


20.9. Wi / Guardian Bascharage / Luxguard Bascharage foto: Guy Jallay
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Der Glasofen in Düdelingen könnte bald heruntergefahren werden, Luxguard II steht vor einer ungewissen Zukunft.

Die rechtliche Zusammenlegung ging am 6. August über die Bühne. „Die Personalausstattung für die neue Organisation, die eine Floatglaslinie, einen fortschrittlichen Glasbeschichter und eine Laminierlinie in beiden Werken umfasst, wird nun von der fusionierten Einheit (Guardian Luxguard II, S.à r.l.) in Absprache mit der Personaldelegation entwickelt“, schreibt das Unternehmen. 

Guardian mit seinen weltweit 17 000 Mitarbeitern war 2016 von dem amerikanischen Mischkonzern Koch Industries aufgekauft worden. Im selben Jahr hat Guardian Glass im luxemburgischen Bartringen seine neue Europazentrale eingeweiht. Die Sparte Autoglas war bereits 2014 an das japanische Unternehmen Central Glass, genauer an die Tochter Carlex, verkauft worden. 

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