Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Griechische Gastronomie streikt wegen 3G-Regel
Wirtschaft 3 Min. 16.11.2021
Corona-Maßnahmen

Griechische Gastronomie streikt wegen 3G-Regel

Die in Griechenland verschärften Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte bringen die Betreiber der einheimischen Gastronomie-Betriebe auf die Barrikaden.
Corona-Maßnahmen

Griechische Gastronomie streikt wegen 3G-Regel

Die in Griechenland verschärften Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte bringen die Betreiber der einheimischen Gastronomie-Betriebe auf die Barrikaden.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 16.11.2021
Corona-Maßnahmen

Griechische Gastronomie streikt wegen 3G-Regel

Rund 120.000 Restaurants, Tavernen, Cafés, Bistros und Bars blieben am Dienstag in ganz Hellas geschlossen.

Von LW-Korrespondent Ferry Batzoglou (Athen)

Verschlossene Türen, leere Tische, festgekettete Stühle: Wer am Dienstag in Griechenland auswärts essen gehen oder den Spätherbst in einem Café genießen will, der muss unverzüglich seine Pläne ändern. 

Ob in Athen, Thessaloniki, Korfu, Kreta, Patras, Rhodos oder anderswo: Die rund 120.000 Restaurants, Tavernen, Cafés, Bistros und Bars in ganz Hellas bleiben aus Protest gegen die Corona-Politik der Regierung unter dem konservativen Premier Kyriakos Mitsotakis geschlossen. 

Die 3G-Regel gilt auch für den Besuch der Außengastronomie sowie in Einzelhandelsgeschäften, Friseurgeschäften, Nagelstudios, Geschäftsbanken, öffentlichen Ämtern und Nachtklubs.
Die 3G-Regel gilt auch für den Besuch der Außengastronomie sowie in Einzelhandelsgeschäften, Friseurgeschäften, Nagelstudios, Geschäftsbanken, öffentlichen Ämtern und Nachtklubs.
Foto: AFP

Zu dem Streik hatte der „Panhellenische Verband der Gaststätten und verwandter Berufe“ („POESE“) aufgerufen. Die Streikaktion unterstützte auch der Dachverband der Fachleute, Handwerker und Kaufleute Griechenlands (GSEVEE), dem der POESE angehört.

Hintergrund dafür ist, dass am 6. November in Hellas landesweit verschärfte Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte in Kraft traten. Seither gilt für Gäste in allen Gastronomiebetrieben die 3G-Regel. 

Saftige Geldstrafen

Konkret: Wer nicht gegen das Coronavirus geimpft oder genesen ist, muss vor dem Betreten der Gastronomiebetriebe entweder einen gültigen PCR-Test (nicht älter als 72 Stunden) oder Schnelltest vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Das ist für hiesige Einkommen teuer. Ein PCR-Test kostet 60 Euro, ein Schnelltest zehn Euro. Das Durchschnittsgehalt liegt in Griechenland gegenwärtig bei 850 Euro netto. Die Arbeitslosenrate beträgt 13,9 Prozent (Stand: August 2021).       

Die 3G-Regel gilt auch für den Besuch der Außengastronomie sowie in Einzelhandelsgeschäften, Friseurgeschäften, Nagelstudios, Geschäftsbanken, öffentlichen Ämtern und Nachtclubs. Supermärkte, Apotheken sowie Kirchen sind von der 3G-Regel ausgenommen.        

Wer gegen die neuen Corona-Regeln verstößt, dem drohen saftige Geldstrafen. Gastronomiebetreiber werden mit einer Geldstrafe von 5.000 Euro belegt. Überdies bleibt ihr Betrieb für 15 Tage geschlossen.  

Gastronomiebetreiber klagen seit dem Inkrafttreten der verschärften Corona-Maßnahmen für Ungeimpfte über empfindliche Umsatzeinbußen. Sie würden teilweise bei über 50 Prozent und in der Spitze bei 80 Prozent im Vergleich zu dem Zeitraum vor dem 6. November liegen.   

Hunderte Wirte demonstrieren in den Städten Athen, Patras und Thessaloniki. Die Branche fordert unter anderem einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz sowie Zuschüsse zu Mieten, Energie- und Arbeitskosten. Das stößt nicht überall auf Verständnis.
Hunderte Wirte demonstrieren in den Städten Athen, Patras und Thessaloniki. Die Branche fordert unter anderem einen niedrigeren Mehrwertsteuersatz sowie Zuschüsse zu Mieten, Energie- und Arbeitskosten. Das stößt nicht überall auf Verständnis.
AFP

Daher fordert der Branchenverband POESE unter anderem die Befreiung von der Zahlung kommunaler Gebühren, die Senkung der Mehrwertsteuer auf sechs Prozent sowie Geldleistungen seitens der öffentlichen Hand.

Wie Branchenvertreter betonen, treffen die neuen Corona-Regeln die Gastronomiebranche in einem weiter schwierigen Marktumfeld. Im ersten Corona-Jahr 2020 sei die griechische Gastronomiebranche infolge der vom Staat verordneten Schließungen im Rahmen des fortgesetzten Lockdowns einem Umsatzrückgang um 37,2 Prozent auf vier Milliarden Euro ausgesetzt gewesen. 

Im laufenden Jahr 2021 habe sich der Rückgang der Umsätze mit geschätzten 6,8 Prozent in der ersten Jahreshälfte gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2020 fortgesetzt. Unterdessen droht fast der Hälfte der Unternehmen die Pleite, so der POESE. 

Die Umsatzeinbußen könnten auch nicht mit Preiserhöhungen, die die griechischen Gastronomiebetriebe zuletzt verstärkt vornehmen würden, aufgefangen werden, so der Branchenverband POESE. 

Vierte Infektionswelle

Auch Griechenland trifft die vierte Infektionswelle seit Ausbruch der Coronapandemie im März 2020 mit voller Wucht. Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreichte am 11. November 2021 ein hiesiges Allzeithoch von 460. 

Mit oder an Corona starben mit Stand vom 15. November 16.838 Menschen im knapp elf Millionen Einwohner zählenden Griechenland. Allein am Montag waren 72 Corona-Sterbefälle zu beklagen. In den Intensivstationen liegen per 15. November 551 Corona-Patienten. Griechenland ist im Corona-Notstand.    

Die Regierung Mitsotakis will mit der 3G-Regel den Impfdruck auf die Griechen erhöhen. Die Impfquote ist in Griechenland mit aktuell 62,41 Prozent vollständig geimpfter Personen im EU-Vergleich eher niedrig.  

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema