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Glashersteller Guardian: „Maulkorb aus Amerika“
Wirtschaft 2 Min. 01.07.2020

Glashersteller Guardian: „Maulkorb aus Amerika“

Seit 2016 hat der Glashersteller Guardian seinen Europasitz in Bartringen.

Glashersteller Guardian: „Maulkorb aus Amerika“

Seit 2016 hat der Glashersteller Guardian seinen Europasitz in Bartringen.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 01.07.2020

Glashersteller Guardian: „Maulkorb aus Amerika“

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Die Gewerkschaft kritisiert die Informationspolitik des Glasherstellers scharf und befürchtet Entlassungen. Auch über die langfristige Zukunft des Produktionsstandortes Luxemburg macht sich die Personalvertretung Sorgen.

Die Gewerkschaft OGBL hat am Mittwoch scharfe Kritik am Vorgehen des Glasherstellers Guardian geübt. „Die Gewerkschaftsvertreter und die Personaldelegation wurden bei einem Treffen mit der Direktion des Unternehmens am 17. Juni vor vollendete Tatsachen gestellt. Weder wurden wir vorher informiert, noch haben wir bis heute befriedigende Antworten erhalten“, sagte Alain Rolling, beigeordneter Generalsekretär beim OGBL.

Bei dem Treffen hatte die Unternehmensleitung die Personalvertreter informiert, dass sie beiden Standorte des Unternehmen Bascharage (Luxguard 1) und Düdelingen (Luxguard 2) zusammengelegt werden sollen und der Floatofen in Düdelingen heruntergefahren werden soll. In der laufenden Woche bestätigte das Unternehmen der Gewerkschaft nochmals schriftlich, dass die rechtliche Fusion bereits am 6. August über die Bühne gehen soll. „Wenn es nur noch einen Floatofen gibt, dann gibt es sicherlich Dopplungen beim Personal, auch im administrativen Bereich. Dann befürchten wir einen Sozialplan“, sagt Rolling.


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Gerade für die vielen Mitarbeiter der Werke jenseits der Fünfzig wäre ein Sozialplan ein schwerer Schlag. „Wir wissen alle, wie schwierig es diese Gruppe der Arbeitnehmer es auf dem Arbeitsmarkt hat“, so Alain Rolling. „Zu der Frage, ob Entlassungen anstehen, gab es von der Direktion keinerlei Aussagen. Das können wir nicht akzeptieren. Das ist kein Sozialdialog.“ 

Um dennoch Antworten zu erhalten, wolle die Gewerkschaft jetzt eine Stufe höher gehen und sich an "Guardian Europe" wenden. Die Luxemburger Geschäftsleitung habe seiner Einschätzung nach einen „Maulkorb aus den USA“ erhalten. Die Gewerkschaft fordert daher von dem Unternehmen eine Arbeitsplatzgarantie und weitere Investitionen in die luxemburgischen Standorte.

Floatöfen haben eine beschränkte Lebensdauer, danach werden beträchtliche Investitionen nötig. Der Ofen in Düdelingen hat bereits das Ende dieses Zyklus erreicht, der in Niederkerschen müsste 2023 erneuert werden. Um die Funktionsfähigkeit der Anlagen zu erhalten, wären Investitionen zwischen 90 und 100 Millionen Euro notwendig, schätzt Alain Rolling. Eine große Investition, die sich aber über zehn Jahre amortisieren würde, betont der Gewerkschaftler, schließlich seien beide Werke immer profitabel gewesen. „2018 sind uns Investitionen aus Amerika versprochen worden, davon will jetzt keiner mehr etwas wissen.“


Wirtschaft, Guardian, Luxgard Bartringen, Foto: Lex Kleren/Luxemburger Wort
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Da Guardian auch keine Zusage für die in Niederkerschen notwendigen Investitionen gemacht habe, befürchtet die Gewerkschaft, dass langfristig auch das Ende des zweiten Luxemburger Werkes bevorstehen könnte. Die neue Fabrik des Unternehmens in Polen habe die gleiche Produktionskapazität wie die beiden luxemburgischen Werke zusammen genommen. Angesichts der deutlich geringeren Kosten dort denken die Gewerkschaften, dass Guardian planen könnte, die Produktion ganz dorthin zu verlagern, während in Luxemburg lediglich der Steuersitz bleibt.

Rolling betont, dass die Gewerkschaften den Druck hochhalten möchten werden. Konkrete Aktionen seien allerdings noch nicht geplant. 

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