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„Gigantische Kosten“ für Boeing durch 737-Max-Krise
Wirtschaft 3 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

„Gigantische Kosten“ für Boeing durch 737-Max-Krise

Stillgelegte Maschinen des Typs Boeing 737 MAX der Southwest Airlines.

„Gigantische Kosten“ für Boeing durch 737-Max-Krise

Stillgelegte Maschinen des Typs Boeing 737 MAX der Southwest Airlines.
AFP
Wirtschaft 3 Min. 29.01.2020 Aus unserem online-Archiv

„Gigantische Kosten“ für Boeing durch 737-Max-Krise

Der US-Luftfahrt-Gigant Boeing legt inmitten des Debakels um den Unglücksjet 737 Max seinen Geschäftsbericht vor. Die Krise dürfte tiefe Spuren in der Bilanz hinterlassen haben. Doch die wichtigste Frage ist, wie es mit den Problemfliegern weiter geht.

(dpa) - Vom Vorzeigekonzern zum Krisenfall: Der Airbus-Rivale Boeing ist nach zwei verheerenden Flugzeugabstürzen angeschlagen wie selten zuvor. Nachdem Konzernchef Dennis Muilenburg kurz vor Weihnachten gefeuert wurde, legt sein Nachfolger Dave Calhoun an diesem Mittwoch erstmals die Geschäftszahlen vor. Anleger stellen sich nach dem Katastrophenjahr 2019 auf eine Horrorbilanz mit immensen Belastungen und Sonderkosten aufgrund der Startverbote für den Unglücksjet 737 Max ein. Die größte Herausforderung bleibt indes unbewältigt - den Krisenflieger wieder in die Luft zu bekommen.


(FILES) In this file photo taken on March 27, 2019 Employees work on Boeing 737 MAX airplanes at the Boeing Renton Factory in Renton, Washington. - Boeing could on December 16, 2019 announce whether to further cut or suspend production of its grounded 737 MAX plane, The Wall Street Journal reported on December 15, 2019. (Photo by Jason Redmond / AFP)
Radikale Maßnahme: Boeing stoppt Produktion der 737 Max
Der Airbus-Erzrivale Boeing gerät immer tiefer in die Bredouille. Nach Spannungen mit der US-Aufsicht FAA stoppt der Flugzeugbauer vorübergehend die Fertigung des Krisenjets 737 Max.

Boeing geht davon aus, dass das Flugverbot für die 737 Max noch Monate andauern wird. Der US-Luftfahrtkonzern rechnete zuletzt nach eigenen Angaben mit einer Wiederzulassung der Baureihe „Mitte 2020“. Damit bleibt Boeings bestverkauftes Modell deutlich länger am Boden als vom Unternehmen erwartet. Der Zeitplan liegt ganz in den Händen der Flugaufsichtsbehörden.

Der Ausfall hat schon riesige Löcher in die Bilanz gerissen. US-Medien berichteten diese Woche über Finanzierungskredite von rund zwölf Milliarden Dollar (10,9 Mrd Euro), die Boeing angesichts der prekären Lage mit Banken vereinbart hat.

Die Zahlen für das vierte Quartal dürften die Misere einmal mehr unterstreichen. Analysten rechnen mit einem weiteren Einbruch bei Gewinn und Erlösen. Da Boeings 737 Max nach den zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten seit Mitte März 2019 weltweit nicht mehr abheben darf, kann der Bestseller seitdem auch nicht mehr an Kunden ausgeliefert werden. Das belastet den Hersteller enorm, zumal Boeing die 737 Max zunächst noch weiter auf Halde produziert hatte, obwohl den hohen Kosten keine Einnahmen gegenüberstanden. Erst im Januar wurde die Notbremse gezogen und die Fertigung gestoppt.


(FILES) In this file photo taken on October 30, 2019 Boeing CEO Dennis Muilenburg testifies at a hearing in front of congressional lawmakers on Capitol Hill in Washington, DC. - President Donald Trump phoned the head of Boeing ahead of the company's announcement Monday that it was halting production of the 737 MAX, a person familiar with the matter said on December 19, 2019. Trump called Boeing Chief Executive Dennis Muilenburg on December 15, 2019 for details about the MAX production plans, the person said, confirming reports in US media. (Photo by Olivier Douliery / AFP)
Boeing-Chef Muilenburg tritt zurück
Die Affäre um das Unglücksflugzeug 737 Max schwelt bei Boeing schon lang. Jetzt kostet es den Vorstandschef Muilenburg das Amt.

Experten hoffen indes, dass sich die Situation nach dem Rauswurf von Muilenburg bessert, der wegen seines Krisenmanagements schon lange in der Kritik stand. „Unter Calhoun wird Boeing nun zunehmend realistischer hinsichtlich des Zeitplans und packt auch gegenüber den Aufsichtsbehörden endlich alle skandalösen Fakten auf den Tisch“, meint Wolfgang Donie von der Landesbank NordLB. „Sicher ist aber: auf Boeing kommen weiter gigantische Kosten zu.“ Bei einer Freigabe der 737 Max zur Jahresmitte 2020 sei mit Belastungen von mindestens 30 Milliarden Dollar zu rechnen. Fehlende Auslieferungen, der Produktionsstopp, die Rezertifizierung und Opferentschädigungen sowie die Kompensation von Kunden und Zulieferern dürften Boeing teuer zu stehen kommen.

Wie kritisch die Lage ist, ließ sich jüngst schon am Orderbuch des US-Konzerns ablesen. Unterm Strich büßte Boeing im vergangenen Jahr 87 Bestellungen in der Verkehrsflugzeugsparte ein, weil es mehr Stornierungen als neue Aufträge gab. Das Unternehmen konnte nicht auf Anhieb Auskunft geben, ob und wann es zuvor schonmal eine negative Jahresbilanz gab. „Dies ist in den vergangenen 30 Jahren definitiv nicht vorgekommen“, sagte ein Sprecher dem US-Sender CNBC. Erzrivale Airbus profitiert indes von Boeings Schwäche. Mit 768 neuen Aufträgen und 863 ausgelieferten Verkehrsfliegern übernahmen die Europäer 2019 die Weltmarktführerschaft vom US-Konkurrenten.

Profit auf Kosten der Sicherheit?

Neben den geschäftlichen Einbußen haben die Abstürze auch erhebliche Imageschäden und rechtliche Konsequenzen nach sich gezogen. Als entscheidende Ursache der Unglücke gilt eine fehlerhafte Steuerungsautomatik der Boeing-Flugzeuge. Der Konzern steht im Verdacht, die Flieger im scharfen Wettbewerb mit Airbus und aus Profitgier überstürzt auf den Markt gebracht und dabei die Sicherheit vernachlässigt zu haben. Boeing weist diese Vorwürfe zwar zurück, hat aber eine Reihe von Fehlern und Pannen eingeräumt. Zudem gerät das Unternehmen immer wieder durch brisante Interna in die Bredouille.


WASHINGTON, DC - DECEMBER 11: FAA ADMINISTRATOR Stephen M. Dickson speaks at a Oversight Hearing on December 11, 2019 in Washington, DC. A Federal Aviation Administration analysis document predicted there would be more than 15 additional fatal crashes of the MAX over its lifetime, and was made public Wednesday at a House Transportation Committee hearing on Wednesday.   Tasos Katopodis/Getty Images/AFP
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737-Max-Abstürze: Whistleblower erhebt schwere Vorwürfe gegen Boeing
"Ich habe eine Fabrik im Chaos erlebt und Monate vor dem ersten Absturz schwerwiegende Bedenken über die Fertigungsqualität an ranghohe Boeing-Führungskräfte durchgegeben", so der frühere Boeing-Manager Ed Pierson.

So brüsteten sich Angestellte in gegenüber dem US-Kongress offengelegten Chats damit, die US-Flugaufsicht FAA bei der ursprünglichen 737-Max-Zulassung an der Nase herumgeführt zu haben. Die Nachrichten sind extrem unangenehm für Boeing. Im April 2017 hieß es darin über die 737 Max: „Dieses Flugzeug ist von Clowns entworfen, die wiederum von Affen beaufsichtigt werden“. Angesichts des Debakels ist es erstaunlich, dass Boeings Aktien das vergangene Jahr noch mit einem leichten Plus überstanden. Mittlerweile verlieren aber auch Anleger die Geduld - in den letzten drei Monaten brach der Kurs um zehn Prozent ein.


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