Gewerkschaft

LCGB verurteilt Entlassungen unter Vortäuschung falscher Tatsachen

Gabriel Di Letizia, Präsident des LCGB-SESF
Gabriel Di Letizia, Präsident des LCGB-SESF
Foto: Julien Ramos

(M.G.) - „Unzulängliche berufliche Leistungen“, so lautet die Begründung für zahlreiche Entlassungen der vergangenen Monate am Luxemburger Finanzplatz. Das sagt der Luxemburger Gewerkschaftsbund LCGB.

Die Arbeitnehmervertreter sind sich auch sicher, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Vielmehr würde bei einigen Banken systematisch Personal abgebaut, glaubt Vincent Jacquet, stellvertretender Generalsekretär des LCGB.

Vincent Jacquet, Stellvertretender Generalsekretär des LCGB
Vincent Jacquet, Stellvertretender Generalsekretär des LCGB
Foto: Julien Ramos

Missbrauch von Mitarbeiterbewertungen

Indem Mitarbeiter einzeln gekündigt würden, könne verschleiert werden, dass der tatsächliche Grund für die Entlassungen ein allgemeiner Abbau von Arbeitsplätzen sei, erklärt Jacquet. Außerdem könnten Banken so die Ausarbeitung eines Sozialplans umgehen. Werden nämlich mehr als 14 Mitarbeiter gleichzeitig entlassen, ist die Bank dazu verpflichtet einen Sozialplan aufzustellen.

Folglich beklagt die Gewerkschaft, auch in Hinblick auf die laufenden Verhandlungen eines neuen Kollektivvertrages, dass Instrumente wie die Evaluierung des Personals missbraucht würden.

Bewertungen erfüllen 
nicht mehr ihren Zweck

Ursprünglich sollte die Bewertung der Mitarbeiter dazu dienen, diese für gut geleistete Arbeit zu belohnen und zu motivieren. Heute würde sie jedoch fast nur noch als Vorwand genutzt, um Mitarbeiter zu entlassen, so Jacquet.

„Als es den Banken schlecht ging, hatten wir Verständnis, wenn es darum ging weniger Prämien für gute Bewertungen auszuzahlen“, sagt Gabriel Di Letizia, Vorsitzender der Tochterorganisation des LCGB für Mitarbeiter der Banken- und Finanzbranche, LCGB-SESF.

Heute sei es allerdings so, dass schon lange keine Prämien mehr ausgezahlt wurden, und dennoch Bewertungen gemacht würden, so Di Letizia. Damit erfüllen sie also kaum noch ihren ursprünglichen Zweck. Dadurch wird die Daseinsberechtigung derartiger Evaluierungen von Arbeitnehmern im neuen Kollektivvertrag ernsthaft in Frage gestellt.