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Geringe Renten, hohe Preise: Altenheime sind für viele unbezahlbar
Wirtschaft 4 Min. 09.12.2019

Geringe Renten, hohe Preise: Altenheime sind für viele unbezahlbar

Auf Hilfe angewiesen: Viele Frauen können sich den eigenen Platz im Altenheim nicht leisten.

Geringe Renten, hohe Preise: Altenheime sind für viele unbezahlbar

Auf Hilfe angewiesen: Viele Frauen können sich den eigenen Platz im Altenheim nicht leisten.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 4 Min. 09.12.2019

Geringe Renten, hohe Preise: Altenheime sind für viele unbezahlbar

Immer weniger Menschen können sich ein Einzelzimmer im Altenheim leisten. Die Luxemburger Arbeitnehmerkammer fordert „eine politische Diskussion“.

von Nadia Di Pillo und Mara Bilo

Tausende Senioren können sich in Luxemburg aus eigener Kraft kein Altenheim mehr leisten – das geht aus einer Studie der „Chambre des salariés“ (CSL) hervor, die am Montag vorgestellt wurde.

  • Demnach können 76 Prozent der Rentnerinnen keinen Heimplatz in einem „Centre intégré pour personnes âgées“ (Cipa) bezahlen, weil ihre Rente deutlich unter dem monatlichen Durchschnittspreis eines Einzelzimmers, 2 452 Euro, liegt.
  • Auch das betreute Wohnen ist für viele Seniorinnen zu teuer: bei 44 Prozent reicht die Rente nicht aus, um den Monatspreis von 1 718 Euro zu begleichen.
  • Bei den Pflegeheimen ist die Situation am schlimmsten; hier sind im Schnitt 2 706 Euro für ein Zimmer fällig – ein Betrag, den 79 Prozent der pflegebedürftigen Frauen nicht bezahlen können.

Bei Männern zeigt sich ein ähnliches Bild – auch wenn sie besser dastehen als Frauen.

  • Knapp 22 Prozent erhalten eine Altersrente, die unter dem Durchschnittspreis eines Einzelzimmers in einem Seniorenzentrum liegt;
  • rund 28 Prozent können sich ihren Lebensabend in einem Pflegeheim nicht leisten;
  • und für neun Prozent ist der Heimplatz in einer betreuten Wohninstitution unbezahlbar.

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„Diese Berechnungen sind allerdings nur theoretisch, denn sie berücksichtigen nicht mögliche Zusatzrentenleistungen der Senioren“, sagt die Beraterin der Luxemburger Arbeitnehmerkammer, Nathalie Georges. Eins ist aber sicher: „Vergleicht man die monatlichen Kosten der Institutionen mit den Rentenbeträgen der Senioren, steht fest, dass das derzeitige Angebot für einkommensschwache Menschen nicht bezahlbar ist.“ Der stellvertretende Präsident der CSL, Jean-Claude Reding, schlägt bereits Alarm: „Die Lage beginnt für viele Rentner im Land heikel zu werden.“

Weniger Altersrente für Frauen

Angaben der Luxemburger Arbeitnehmerkammer zufolge liegt der mittlere Monatsbetrag der Altersrenten für Männer bei 3 634,4 Euro, während der mittlere Monatsbetrag für Frauen 1 838,2 Euro beträgt – also nur die Hälfte der Altersrenten der Männer (Stand: 2018).

Demgegenüber stehen die Preise von den Altenheimen: Im vergangenen Jahr kostete ein Einzelzimmer

  • 2 452 Euro pro Monat in einem Seniorenzentrum,
  • 2 706 Euro in einem Pflegeheim
  • und 1 718 Euro in einer betreuten Institution.

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„Es handelt sich dabei um Durchschnittspreise, denn einige Institute können bis zu 5 000 Euro pro Monat verlangen“, erklärt Nathalie Georges. „Bei den Preisen der Zimmer ist es schwierig, genaue Zahlen zu nennen, denn wir verfügen lediglich über die Daten, die das Familienministerium in ihrem Jahresbericht festhält“, bedauert die Beraterin. „Es mangelt an Transparenz.“

Für einkommensschwache Menschen gibt es dennoch Hilfe: Der Staat unterstützt mit dem sogenannten „complément accueil gérontologique“. Um von diesem Zuschlag profitieren zu können, muss ein Senior unbegrenzt in eine Institution aufgenommen werden und über unzureichende persönliche finanzielle Mittel verfügen; dieser Zuschlag wird an die Institution gezahlt, die den Antragsteller unterbringt, und nicht an den Antragsteller selbst.

Das Problem: Die Beihilfe ist begrenzt und diese Obergrenzen wurden 2004 festgelegt. „Das entspricht nicht mehr der Realität“, bedauert Jean-Claude Reding. Einige Menschen haben dann weniger als 464,24 Euro im Monat übrig – das ist das gesetzlich vorgeschriebene „Taschengeld“, das einem Senioren pro Monat zusteht. Angaben des Jahresberichts des Familienministeriums zufolge haben im vergangenen Jahr etwa 650 Menschen (9,21 Prozent der Senioren in Altenheimen) diese Hilfe erhalten.

Bessere Kontrolle der Qualität

Die Luxemburger Arbeitnehmerkammer ist der Ansicht, dass dringend mehr Transparenz bei den Preisstrukturen erforderlich ist. „Es müssen Rechtsvorschriften über die Preise in Altenheimen geschaffen werden“, sagt der stellvertretende Präsident der CSL, Patrick Dury. Der Vorschlag der Luxemburger Arbeitnehmerkammer: die Preise der Zimmer an das Einkommen der pflegebedürftigen Senioren anpassen.


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„Alle Informationen über Plätze für Senioren, Tarife und Dienstleistungen müssen zentralisiert werden“, so auch Jean-Claude Reding. „Das würde einen einfacheren Vergleich zwischen den Institutionen ermöglichen.“ Es sei auch von entscheidender Bedeutung, die Qualität der angebotenen Dienstleistungen zu überprüfen. „Obwohl derzeit landesweit Kontrollen durchgeführt werden, fehlt es an einer Liste von Standards, an denen Institutionen und ihre Dienstleistungen gemessen werden können – immerhin geht es ja nicht nur um die Anzahl der Quadratmeter, sondern auch darum, was unter Qualität zu verstehen ist“, sagt Jean-Claude Reding.

Die CSL schlägt deshalb eine „Charte du respect de la personne âgée“ vor, die die Qualität der zu erbringenden Pflege deutlich machen würde. Mit der Studie will die CSL „eine politische Diskussion anstoßen“, wie es die Luxemburger Arbeitnehmerkammer formuliert. „Es gibt mehrere Möglichkeiten, um den Senioren einen fairen Zugang zu den Altenheimen zu gewährleisten: die garantierte Mindestrente erhöhen, die Preisstruktur überarbeiten, den Anspruch auf die Teuerungszulage vereinfachen ...“

Und: Auch wenn das Familienministerium bereits an einem Gesetzentwurf arbeitet – die Kontrolle der Qualität der von den Altenheimen angebotenen Dienstleistungen und eine überarbeitete Preisstruktur der Altenheime waren schon im Koalitionsvertrag vorgesehen –, so geht es der CSL nicht „schnell genug. Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt kann man nicht warten lassen.“



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