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Gebührenerhöhungen: "Kunden fühlen sich abgezockt"
Wirtschaft 3 Min. 30.03.2017

Gebührenerhöhungen: "Kunden fühlen sich abgezockt"

ULC-Präsident Nico Hoffmann: "Die Verbraucher fühlen sich hinters Licht geführt, wenn nicht sogar abgezockt."

Gebührenerhöhungen: "Kunden fühlen sich abgezockt"

ULC-Präsident Nico Hoffmann: "Die Verbraucher fühlen sich hinters Licht geführt, wenn nicht sogar abgezockt."
(Foto: Guy Jallay)
Wirtschaft 3 Min. 30.03.2017

Gebührenerhöhungen: "Kunden fühlen sich abgezockt"

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Beim Streit um "ungerechte" Gebührenerhöhungen will der Konsumentenschutz (ULC) offenbar den Druck auf die Banken und die Luxemburger Post erhöhen.

(ndp) - Beim Streit um Gebührenerhöhungen will der Konsumentenschutz (ULC) offenbar den Druck auf die Banken und die Luxemburger Post erhöhen. Bei einer Mobilisierungskampagne in der hauptstädtischen "Grand-Rue" sagte ULC-Präsident Nico Hoffmann, dass sich die Konsumenten "selten über derartige drastische Gebührenerhöhungen so geärgert hätten". "Die Verbraucher fühlen sich in diesem Fall regelrecht hinters Licht geführt, wenn nicht sogar abgezockt."

Bereits Anfang des Jahres kritisierte die ULC, dass die bis dahin kostenlose Überweisungen auf Papier zwischen zwei Postscheckkontos nun 40 Cent kosten. Die Gebühr für eine Papierüberweisung auf ein anderes Konto sei sogar von 30 auf 60 Cent gestiegen. Die Vereinigung wirft den Banken eine „drastische Tarifpolitik“ vor, die die einzelnen Kunden rücksichtslos zum Online-Banking zwingt. "Hier wird schlichtweg ignoriert, ob man über einen Internet-Zugang verfügt, ob man überhaupt mit Online-Banking umgehen kann". Dies diskriminiere besonders ältere Kunden oder solche mit einer Behinderung, die auf die Hilfe von Bankangestellten bei Überweisungen und Geldabhebungen angewiesen sind. "Das einzige was hier zählt ist Geld; persönliche Anliegen von Kunden werden als Nebensache abgetan," so Nico Hoffmann.

Gebühren bis zu 117 Euro

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen drehen laut ULC immer mehr Geldinstitute an der Gebührenschraube. Die Rede ist von mehr als 3 Euro bei am Schalter getätigten Geldabhebungen, bis zu 10 Euro bei Überweisungen, 50 Euro bei einer Kontoschließung und sogar bis zu 117 Euro bei sogenannten "schlafenden Bankkonten". Drastische Erhöhungen seien auch bei Einzahlungen, bei der Verwaltung eines Bankkontos und beim Versand von Kontoauszügen festgestellt worden. "Dabei ist nicht einmal die Rede von Erhöhungen bei den digitalen Angeboten für Post, Internet und Fernsehen", sagte Nico Hoffmann.

Gerade die Luxemburger "Spuerkeess" und die Post, die zu 100 Prozent dem Luxemburger Staat gehören, müssten eine soziale Verantwortung übernehmen und einen kundenfreundlichen Service anbieten. Nun aber wurden "Gebühren durch die Hintertür eingeführt, um einen Teil der Zinsverluste wieder wett zu machen". "Wieder einmal ist der Kunde derjenige, der zur Kasse gebeten wird," so Nico Hoffmann.

Nur noch eine Frage der Zeit?

Kostenlose Dienstleistungen beim Online-Banking, das könnte nach Ansicht von Nico Hoffmann in Luxemburg bald der Vergangenheit angehören. "Es ist lediglich eine Frage der Zeit", meinte er. "Deshalb fordern wir die Banken und die Luxemburger Post auf, die unsozialen Gebühren wieder abzuschaffen oder zumindest auf ein absolutes Minimum zu begrenzen." Die ULC verlangt ebenfalls, dass zumindest für ältere Menschen und Personen mit eingeschränkter Mobilität, die gängigen Schalteroperationen, kostenlos sind.

Hinzu kommt, dass die Finanzinstitute und insbesondere die Post dazu übergegangen sind, eine größere Anzahl von Filialen zu schließen. Bei der Post ist aktuell die Rede von 35 Filialen, bei der Spuerkeess sind es 7. Dieser Trend sei aber noch lange nicht zu Ende, denn die Luxemburger Post beabsichtige "bis 2025 nur noch 15 Filialen landesweit zu führen". "Auch bei der Spuerkeess wird es nicht bei 7 Schließungen bleiben", meinte Nico Hoffmann. "Trotz aller Dementis, können wir nur feststellen, dass Kunden mehr Gebühren zahlen müssen, dafür aber im Endeffekt einen schlechteren Service bekommen."

Der Konsumentenschutz sprach ebenfalls über die Gesetzesvorlage zur Umsetzung einer EU-Richtlinie, die die Vergleichbarkeit von Gebühren ermöglichen soll. Dadurch sollen Verbraucher transparente Informationen über verschiedene Kontogebühren bekommen, um so die einzelnen Angebote besser vergleichen zu können. Nico Hoffmann fordert die Banken und die Luxemburger Post daher auf, den Kunden ihre Gebührenliste zur Verfügung zu stellen. Zudem würde man sich nicht mit einer Tabelle zufrieden stellen; wünschenswert sei die Einrichtung eines Simulators, der die besten und vor allem die günstigsten Angebote heraussucht.

ULC mobilisiert weiter

Die ULC wird bis zu ihrer Generalversammlung am 3. Mai weitere Protestaktionen organisieren, um "den Druck auf die Banken und die Post weiter zu erhöhen". Neben der Kampagne in der hauptstädtischen "Grand-Rue", sind noch mehrere Aktionen vorgesehen. Zudem rechnet die Vereinigung damit, dass sie mindestens 5000 bis 6000 Unterschriften für ihre Protesterklärung einsammeln wird. "Danach beabsichtigen wir, unsere Forderungen bei den einzelnen Bankverantwortlichen, bzw. beim Finanzminister, bei der Bankenvereinigung Abbl und beim Wirtschaftsminister vorzubringen."







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