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Gaskraftwerk nicht mehr wirtschaftlich: Endgültiges Aus für Twinerg
Die Twinerg-Zentrale ist modern, konnte aber nicht mehr rentabel betrieben werden.

Gaskraftwerk nicht mehr wirtschaftlich: Endgültiges Aus für Twinerg

Foto: Guy Jallay
Die Twinerg-Zentrale ist modern, konnte aber nicht mehr rentabel betrieben werden.
Wirtschaft 07.07.2016

Gaskraftwerk nicht mehr wirtschaftlich: Endgültiges Aus für Twinerg

Volker BINGENHEIMER
Volker BINGENHEIMER
Das Gaskraftwerk Twinerg in Esch/Alzette wird stillgelegt. Die drei beteiligten Unternehmen Electrabel, Enovos und ArcelorMittal hatten zuvor vergeblich versucht, einen Käufer für die unrentable Anlage zu finden.

(vb) – Das Gaskraftwerk Twinerg in Esch/Alzette wird stillgelegt. Die drei beteiligten Unternehmen Electrabel, Enovos und ArcelorMittal hatten zuvor vergeblich versucht, einen Käufer für die unrentable Anlage zu finden.

Das Gas-und-Dampf-Kombikraftwerk hat eine Kapazität von 376 Megawatt. In einer Mitteilung der drei Aktionäre vom Donnerstag heißt es, es bestehe keine Perspektive mehr, das Kraftwerk rentabel zu betreiben und am Markt zu halten. Seit April 2016 produziert die Twinerg-Zentrale keinen Strom mehr. Nun wird die Betreibergesellschaft aufgelöst und das Kraftwerk am Kreisverkehr Raemerich endgültig stillgelegt. Ab Oktober wird die Anlage komplett abgebaut und das Grundstück in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Die 17 Twinerg-Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz, die drei beteiligten Unternehmen wollen sich laut eigenen Aussagen bemühen, sie zu übernehmen oder in andere Firmen zu vermitteln.

Erinnerung an gelbe Staubwolke

Im September 2014 hatte eine gelbe Staubwolke aus dem Twinerg-Kraftwerk für Aufregung in Esch/Alzette gesorgt. Die Rückstände aus dem Dampf gingen im Stadtgebiet nieder und beschädigten den Lack von rund 500 Autos. Nach einigen Tagen nahm Twinerg die Verantwortung auf sich. Nach längerer Zeit des Stillstands sei die Anlage wieder hochgefahren worden, woraufhin rost- und schwefelhaltiger Staub in die Luft geblasen worden sei. Das Unternehmen kam für die Beseitigung der Lackschäden auf.

Gelbliche Rückstände hatten im September 2014 rund 500 Autos in Esch verschmutzt.
Gelbliche Rückstände hatten im September 2014 rund 500 Autos in Esch verschmutzt.
Foto: Henrique de Burgo

Suche nach Käufer gescheitert

Zuvor hatten die Eigentümer einen Käufer für die recht moderne Anlage aus dem Jahr 1998 gesucht. Die Suche endete ergebnislos. In vielen Ländern Europas geraten Gaskraftwerke derzeit unter wirtschaftlichen Druck, weil die Strompreise niedrig sind und im Markt Überkapazitäten bestehen. Viele Gaskraftwerke sind kaum ausgelastet und laufen nur ein paar hundert Stunden pro Jahr.

Bei Gas-und-Dampf-Kraftwerken wird das heiße Abgas einer Gasturbine genutzt, um Wasser zu erhitzen und in einer nachgeschalteten Dampturbine zusätzlichen Strom zu produzieren. Solche Kraftwerke besitzen einen hohen Wirkungsgrad.


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