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Fusionspläne von Fiat Chrysler und Renault vom Tisch

Fusionspläne von Fiat Chrysler und Renault vom Tisch

Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 06.06.2019

Fusionspläne von Fiat Chrysler und Renault vom Tisch

Die Fusion sollte Fiat Chrysler (FCA) und Renault zum drittgrößten Autohersteller machen. Doch nach einer Verschiebung der Gespräche von französischer Seite zog FCA sein Angebot komplett zurück.

(dpa) - Die angestrebte Fusion von Fiat Chrysler (FCA) und Renault ist vom Tisch. Überraschend zog FCA sein Angebot in der Nacht zum Donnerstag „mit sofortiger Wirkung“ zurück, nachdem zuvor Renault auf Wunsch des französischen Staates gezögert hatte, das Gesprächsangebot überhaupt anzunehmen. Renault äußerte sich zunächst nicht zu der FCA-Entscheidung.

Es sei klar geworden, dass derzeit die politischen Voraussetzungen, damit ein solcher Zusammenschluss erfolgreich sei, in Frankreich nicht gegeben seien, teilte der italienisch-amerikanische Autobauer am frühen Donnerstagmorgen in einer Stellungnahme in London mit. FCA sei weiterhin davon überzeugt, dass der Fusionsvorschlag überzeugend gewesen sei und für alle Parteien Vorteile gebracht hätte, hieß es.

Renault hatte zuvor mitgeteilt, eine Entscheidung über förmliche Fusionsgespräche erneut zu verschieben. Der Verwaltungsrat hatte über die Fusionsofferte beraten, konnte aber keine Entscheidung mehr treffen, da Regierungsvertreter die Verschiebung beantragten, so Renault.


(FILES) In this file combination of pictures created on May 27, 2019 shows a photo of the logo of French carmaker Renault on March 2, 2011 and a handout picture (R) released on January 29, 2014 by Fiat Press Office of the logo of Italian auto maker FCA (Fiat Chrysler Automobiles). - Renault's board of directors will meet on June 4, 2019 to formulate its response to a merger proposal by Fiat Chrysler, which is likely to lead to talks aimed at creating the world's third-largest automaker, the company said. (Photo by Fabrice COFFRINI / various sources / AFP)
Renault prüft Fusion mit Fiat Chrysler
Die Möglichkeit werde weiterhin „mit Interesse“ geprüft, erklärte der französische Hersteller am Dienstag in Boulogne-Billancourt bei Paris.

Die französische Seite sieht die Schuld bei dem italienisch-amerikanischen Autobauer. Es habe keinen guten Grund gegeben, das Angebot so überstürzt zurückzuziehen, hieß es in der Nacht zu Donnerstag aus Regierungskreisen. Bereits seit Beginn der Gespräche habe FCA massiven zeitlichen Druck ausgeübt und versucht, die Verhandlungen nach dem Ansatz „take it or leave it“ zu führen. Die französische Seite habe klargemacht, dass sie sich nicht derart unter Druck setzen lasse, so die Kreise.

Der Renault-Verwaltungsrat habe fünf zusätzliche Tage für Beratungen gewollt, erklärte das französische Wirtschaftsministerium von Bruno Le Maire in einer Stellungnahme am Donnerstag. Die ausdrückliche Unterstützung Nissans habe noch ausgestanden. Der Staat habe vier Bedingungen für eine endgültige Einigung zwischen Renault und FCA genannt. Von diesen seien aber nur drei erfüllt gewesen, erklärte das Ministerium. Frankreich hält rund 15 Prozent an der Renault-Gruppe.

Die Aktien beider Autobauer mussten am Donnerstag zum Handelsauftakt an den Börsen herbe Kursverluste einstecken. Die Papiere von Fiat Chrysler verloren in Mailand fast 4 Prozent auf 11,25 Euro. Für Renault ging es in Paris um rund 7 Prozent auf 52,22 Euro abwärts. Damit bewegen sich die Papiere der Franzosen wieder nahe dem tiefsten Niveau seit Herbst 2014, nachdem die Hoffnung auf eine Fusion mit Fiat Chrysler sie zuletzt noch über 58 Euro getrieben hatte.

Eine Renault-Produktionsstätte im französischen Maubeuge.
Eine Renault-Produktionsstätte im französischen Maubeuge.
Foto: AFP

FCA hatte in der vergangenen Woche sein Ansinnen öffentlich gemacht, sich mit Renault zusammenzuschließen. Die Unternehmen hätten gemeinsam zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen und die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern können. Fiat Chrysler hatte vorgeschlagen, dass beide Unternehmensgruppen - also FCA und Renault - je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen.


(FILES) This file photo taken on April 25, 2019 in Tokyo shows former Nissan chairman Carlos Ghosn (C) escorted as he walks out of the Tokyo Detention House following his release on bail. - French automaker Renault is considering suing its former CEO Carlos Ghosn after it announced on June 4, 2019 that Ghosn incurred 11 million euros of "dubious expenses" within a subsidiary of Nissan based in the Netherlands. (Photo by Behrouz MEHRI / AFP)
Frankreichs Wirtschaftsminister kündigt Anzeige in Ghosn-Affäre an
Der Skandal um Renault-Manager Carlos Ghosn zieht immer weitere Kreise. Nun droht ihm auch Ärger in Frankreich.

Renault reagiert bereits unmittelbar nach Veröffentlichung der Offerte des italienisch-amerikanischen Konzerns mit Interesse. Auch der französische Staat, der 15 Prozent an Renault hält, reagierte positiv. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire warnte am Mittwoch jedoch vor zu viel Eile bei den Gesprächen. „Nehmen wir uns die Zeit, die Dinge richtigzumachen“, sagte Le Maire dem Fernsehsender BFMTV.

Der geplatzte Zusammenschluss mit FCA ist derzeit nicht die einzige schlechte Nachricht für Renault. Le Maire erklärte, in der Affäre um Ex-Spitzenmanager Carlos Ghosn werde Anzeige erstattet. Wenn der Staat Aktionär eines Unternehmens sei, müsse er sicherstellen, dass dessen Führung gut funktioniere. Die Justiz müsse dann in der Sache entscheiden, so der Minister zu BFMTV. Bis wann die Anzeige eingereicht werden soll, sagte Le Maire zunächst nicht.

Die Renault Produktionsstätte in Maubeuge, Nord-Frankreich.
Die Renault Produktionsstätte in Maubeuge, Nord-Frankreich.
Foto: AFP

Renault hatte bei einer Tochtergesellschaft in den Niederlanden zweifelhafte Ausgaben von zusammen rund elf Millionen Euro entdeckt. Wie der Renault-Verwaltungsrat am Dienstagabend mitteilte, geht es dabei unter anderem um Kosten für Flugreisen des früheren Konzernchefs Ghosn. Auch in den Niederlanden sollten rechtliche Schritte gegen Ghosn abgewogen werden.


TOPSHOT - This screen grab from handout video released on April 9, 2019 by representatives of former Nissan chief Carlos Ghosn shows Ghosn speaking in a video message recorded before his rearrest earlier this month in Tokyo. - Japanese prosecutors rearrested Ghosn on April 4, who was out on bail, over an additional allegation that he transferred Nissan money to a dealership in Oman but siphoned off millions for personal expenses -- including the purchase of a luxury yacht. (Photo by Handout / Representatives for Carlos Ghosn / AFP) / -----EDITORS NOTE --- RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / Representatives for Carlos Ghosn" - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Ex-Nissan-Chef Ghosn wirft Gegnern Verschwörung vor
Der einstige Top-Manager und Nissan-Chef sitzt in Untersuchungshaft - und rechnet in einem Video mit Ex-Kollegen ab.

Eine Überprüfung der gemeinsamen Tochtergesellschaft mit dem japanischen Partner Nissan bestätigte erste Hinweise, wonach es dort ebenfalls Mängel gab im Hinblick auf die finanzielle Transparenz und Verfahren zur Ausgabenkontrolle. Die Prüfung habe „problematische“ Ausgaben in einem Zeitraum innerhalb der vergangenen zehn Jahre ergeben, erklärte Nissan am Mittwoch in einer Stellungnahme. Es gehe unter anderem um Kosten für private Reisen sowie um Geschenke und Spenden deren Zweck unklar oder unangemessen gewesen sei, hieß es. Die Überprüfung dauere an, so Nissan.

Nach der Verhaftung Ghosns in Japan war das von ihm geschaffene und kontrollierte französisch-japanische Auto-Bündnis zwischen Renault, Nissan und Mitsubishi in eine schwere Krise geraten. Ghosn war ein Verstoß gegen Börsenauflagen in Japan vorgeworfen worden.


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