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Fusion des Gasmarkts mit Belgien : Verbraucher könnten bald weniger für Erdgas zahlen
Bei der Integration von zwei Erdgasmärkten ist Luxemburg Vorreiter.

Fusion des Gasmarkts mit Belgien : Verbraucher könnten bald weniger für Erdgas zahlen

Foto: LW-Archiv
Bei der Integration von zwei Erdgasmärkten ist Luxemburg Vorreiter.
Wirtschaft 2 Min. 10.11.2015

Fusion des Gasmarkts mit Belgien : Verbraucher könnten bald weniger für Erdgas zahlen

Seit dem 1. Oktober sind der luxemburgische und der belgische Erdgasmarkt integriert. Langfristig soll dies die Konkurrenz zwischen den Anbietern in Luxemburg erhöhen und sich auch positiv auf den Erdgaspreis auswirken.

(lb) - Da Luxemburg kein Erdgas produziert, erfolgt die gesamte Versorgung über Hochdruckgasleitungen in Belgien und Deutschland, sowie einige Mitteldruckgasleitungen in Frankreich. Der luxemburgische und der belgische Erdgasmarkt sind nun eins, was zahlreiche Vorteile für Anbieter, Verteiler und Kunden bringen soll.

"Der integrierte Erdgasmarkt ist ein Vorreiterprojekt, das die Sicherheit der Gasversorgung in Luxemburg erhöht”, erklärte Wirtschaftsminister Etienne Schneider, als er am Dienstag das Konzept vorstellte, das seit dem 1. Oktober anläuft.

Sichtlich zufrieden ist Schneider unter anderem, weil die Fusion in das Energiekonzept der EU passt. "Die luxemburgische Présidence hat sich für die Umsetzung einer Energieunion und eines Energiebinnenmarktes stark gemacht.”

Worum geht es?

Wichtig ist bei der Fusion vor allem, dass die Entgelte an der belgisch-luxemburgischen Grenze wegfallen. Bisher mussten die Erdgasanbieter, die ihren Gasvorrat in Belgien oder in Deutschland kaufen, selbst die Transportkosten nach Luxemburg übernehmen.

Dabei mussten sie für die nötigen Transportkapazitäten zuerst Ausgangskosten aus Belgien an den belgischen Netzbetreiber Fluxys zahlen. In einer zweiten Etappe mussten sie Entgelte an den luxemburgischen Netzbetreiber Creos zahlen, damit dieser das Gas von der belgischen Grenze nach Luxemburg weiterliefert.

Dies ist jetzt nicht mehr der Fall, da alle Entgelte zum selben Moment und nur einmal beim Einkauf anfallen. Für Gasanbieter fällt demnach eine administrative Hürde weg. Dies ermöglicht zudem, dass das Erdgas schnell an die verschiedenen Verbrauchsorte gelangt.

Durch diesen integrierten Markt wird der Marktzugang von belgischen Anbietern nach Luxemburg erhöht, was zu einem stärkeren Wettbewerb führt und die Preise drücken sollen, so die Erwartung. Zudem wird Creos das Verteilungsnetz von Fluxys nutzen können. Dies erspart dem luxemburgischen Betreiber kostspielige Investitionen in den Ausbau eigener Verteilernetze.

Etienne Schneider (3. von links) ist von der Fusion sichtlich begeistert.
Etienne Schneider (3. von links) ist von der Fusion sichtlich begeistert.
(Foto: Anouk Antony)

Um die Integration des Erdgasmarktes zu vereinfachen, haben die beiden Netzbetreiber zudem eine neue Gesellschaft gegründet, welche für den Ausgleich der Energie zuständig ist.

Wird die Energie, die von den Gasanbietern auf dem Trading Point, einer Art Börse bestellt wird, nämlich nicht ausreichend verbraucht, muss diese schnellstens wieder verkauft werden, um weitere Kosten zu verhindern.

In der neuen Gesellschaft "Balansys" mit Sitz in Luxemburg teilen sich Fluxys Belgium und Creos Luxemburg die Anteile. Als gemeinsamer Einkaufpunkt des Erdgases zählt nun der Trading point von Seebrügge, der mit einer Börse vergleichbar ist, und bei dem die Händler das Gas in Bezug auf ihre Kundenbedürfnisse einkaufen und Überschüsse verkaufen können.

Die Vorteile der Fusion:

  • Erhöhte Effizienz für die Verwalter des Transportnetzes, da es einfacher ist, eine größere Handelszone ins Gleichgewicht zu bringen
  • Wegfall der Entgelte an der Grenze zwischen Luxemburg und Belgien
  • Vereinfachter Handel in der gemeinsamen Zone
  • Mehr Wettbewerb zwischen den Anbietern, da der Marktzugang in Luxemburg für belgische Anbieter größer wird. Dies wird sich langfristig positiv auf den Erdgaspreis auswirken, bestätigen die Akteure.
  • Der Trading Point von Seebrügge wird zu einem Hub, der ebenfalls für den Transit nach Osteuropa genutzt werden kann.
  • Beitrag zur Entwicklung eines EU-Erdgasbinnenmarktes

Erdgas spielt eine zunehmende Rolle im Energiemix der Europäischen Union. Angesichts der immer strengeren Umweltauflagen kommt Erdgas eine strategische Bedeutung bei der Primärenergieversorgung zu, da er im Vergleich zum Erdöl einen niedrigeren CO2-Ausstoß hat.

In Luxemburgs Energieverbrauch erfolgte 2014 14 Prozent der Energieerzeugung durch Erdgas. Laut Creos wurden 2013 63,9 Prozent des Erdgases aus Norwegen importiert, 25,2 Prozent stammen aus Russland.



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