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"Für den Erfolg gibt es viele gute Gründe"
Wirtschaft 4 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

"Für den Erfolg gibt es viele gute Gründe"

„Wir wollen uns so entwickeln, um auch in den Schwellenländern die Rolle zu spielen, die wir in Europa und Nordamerikahaben“, erklärt Romain Bausch.

"Für den Erfolg gibt es viele gute Gründe"

„Wir wollen uns so entwickeln, um auch in den Schwellenländern die Rolle zu spielen, die wir in Europa und Nordamerikahaben“, erklärt Romain Bausch.
Marc Wilwert
Wirtschaft 4 Min. 15.03.2012 Aus unserem online-Archiv

"Für den Erfolg gibt es viele gute Gründe"

Vor 25 Jahren startete Luxemburg sein Weltraumabenteuer. Die Entwicklung der SES ist eine Erfolgsgeschichte. Warum gerade Luxemburg Heimat des heute weltgrößten Satellitenbetreibers geworden ist und wie sich das Unternehmen weiterentwickeln wird, darüber sprach das Luxemburger Wort mit Romain Bausch, Präsident und CEO des Konzerns.

Vor 25 Jahren startete Luxemburg sein Weltraumabenteuer. Bis heute dürfte das niemand bereut haben, denn die Entwicklung der SES ist eine Erfolgsgeschichte. Warum gerade Luxemburg Heimat des heute weltgrößten Satellitenbetreibers geworden ist und wie sich das Unternehmen weiterentwickeln wird, darüber sprachen wir mit Romain Bausch, Präsident und CEO des Konzerns. Die Zeichen stehen weiterhin auf Wachstum.

Herr Bausch, war vor 25 Jahren ein solcher Erfolg der SES denkbar?

Niemand konnte aus heutiger Sicht mit einem solchen Erfolg rechnen. Damals war das Ziel, einen Satelliten zu platzieren und vielleicht noch einen zweiten als Ersatz – mehr nicht.

Was hat den Ausschlag gegeben, um zum weltgrößten Satellitenbetreiber aufsteigen zu können?

Die Übertragung von TV-Programmen über das Astra-Satellitensystem war von Beginn an sehr erfolgreich. Wir erreichten schon in den ersten zwei Jahren etwa 14 Millionen Haushalte. Das bildete den Grundstein für den Erfolg in unserem Kerngeschäft mit dem Satelliten-Direktempfang. Darauf baute sich unsere geografische Diversifikationspolitik auf, die mit kleinen Übernahmen von AsiaSat in Hongkong 1998, StarOne in Brasilien 1999 und NSAB in Schweden im Jahr 2000 erfolgreich gewesen ist. Dann kamen die zwei großen Aquisitionen 2001 von GE Americom und 2006 von New Skies. Daraus wurde eine der weltweit größten Satellitengesellschaften geformt.

Warum blieb nach der geografischen Diversifikation der Umbau der Aktivitäten aus?

In der Diversifikation unserer Aktivitäten waren wir in der Tat weniger erfolgreich. Durch die Übernahmen konnten wir das Infrastrukturgeschäft wie den Satelliten-Direktempfang, die Einspeisung in Kabelnetze oder Regierungslösungen erfolgreich weiterentwickeln. Bei der Entwicklung neuer Anwendungen und Dienstleistungen sind wir einige Male auf die Nase gefallen, wie z. B. beim Breitband-Internet über Satellit. Da waren wir 1996/97 unserer Zeit voraus.

Warum war und ist Luxemburg ein guter Standort für einen Satellitenbetreiber wie SES?

Unser Geschäft fußt hauptsächlich auf der Nutzung von Orbitalpositionen und Frequenzrechten. Hier ist es wichtig, das man mit einer Regierung zusammenarbeitet, die sich für den Einsatz von Satellitentechnik stark macht. Luxemburg hatte bereits in der 30er- Jahren Radio und in den 50er-Jahren Fernsehen terrestrisch ausgestrahlt. Die verschiedenen Luxemburger Regierungen entwickelten kreativ die Nutzungsmöglichkeiten von Frequenzrechten im terrestrischen Bereich. Schon in den 70er-Jahren, lange vor Gründung der SES, gab es zusammen mit RTL Initiativen, die Satelliten-Frequenzrechte zu veredeln. Das Projekt eines eigenen RTL-Satelliten scheiterte jedoch am Einspruch Frankreichs. Bei der Suche nach Alternativen kam es zur Gründungsidee von SES. Luxemburg war und ist ein guter Standort, weil es heute immer wieder Verhandlungen über neue Orbitalpositionen gibt und die Frequenzrechte der nationalen Souveränität unterliegen.

Wie sieht die Wachstumsstrategie von SES aus?

Unser Kerngeschäft ist das Infrastrukturgeschäft. Wir bieten Kunden wie Fernsehanstalten, Telekommunikationsunternehmen oder Regierungen Satellitenkapazität an. Die Preise sind relativ stabil. Daher wächst die Gesellschaft vor allem durch Ausbau der Bandbreite, die wir zur Verfügung stellen können. SES hat für den Zeitraum bis 2014 im Moment zwölf Satelliten im Bau. Dadurch kommen zusätzlich 313 Transponder zum Einsatz, das entspricht 28 Prozent der heutigen Kapazität. 80 bis 85 Prozent davon sind für den Einsatz in Schwellenländern gedacht. Neben diesem organischen Wachstum schauen wir aber auch nach gezielten Übernahmen in Asien und Lateinamerika aus, wo wir heute noch nicht so stark vertreten sind wie in Europa und Nordamerika.

Warum ist das Wachstumspotenzial gerade in Asien realistisch? Woher kommen die Kunden?

Indien z. B. hat einen Markt für den Satelliten-Direktempfang, der so groß ist wie ganz Europa. Da wird Kapazität gebraucht. Ein anderer Motor ist HDTV. In allen Ländern, mit Ausnahme von Nordamerika und Japan, steckt hochauflösendes Fernsehen noch in den Kinderschuhen. In Europa startete HDTV vor etwa drei Jahren, in den Schwellenländern ist es noch nicht angekommen. Für die Verbreitung von HDTV wird mehr Bandbreite benötigt. Viele unserer Kunden brauchen zudem doppelte Kapazität, weil sie die bestehende Technologie weiterhin anbieten müssen und gleichzeitig auch die neue Technik. Eine gute Entwicklung für Satellitenbetreiber.

Nach dem Blick in die Vergangenheit und die Gegenwart fehlt der Blick in die Zukunft. Wohin geht die Reise der SES?

SES ist heute stark in Europa und stark in Nordamerika, aber relativ schwach in den Schwellenländern. Wir wollen uns so entwickeln, um auch in den Schwellenländern die Rolle zu spielen, die wir in Europa und Nordamerika haben. Auf dieser Reise sind wir. Das kann bedeuten, dass wir Partnerschaften eingehen oder neue Aktionäre von diesen Kontinenten aufnehmen. Die zweite Schiene liegt in der Entwicklung von hybriden Systemen im Telekommunikationsbereich. Hierbei werden wir weiterhin vor allem eine Infrastrukturgesellschaft bleiben und bei der Diversifikation von Dienstleistungen Disziplin walten lassen. Wir wissen, was wir können und was andere besser können.

Wieviele Satelliten wird SES in 25 Jahren haben?

Da wir versuchen, ein möglichst breites Frequenzspektrum auf einer Orbitalposition anzubieten, werden wir langfristig größere Satelliten positionieren und zwei Erdtrabanten z. B. durch einen ersetzen. Daher kann es durchaus sein, dass die Flotte in zehn Jahren kleiner ist. Entscheidend ist die Kapazität, die wir kontinuierlich steigern wollen.

Das Interview wurde gekürzt. Den kompletten Artikel finden Sie in der Samstagsausgabe des Luxemburger Wort.