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Für Bitcoin war 2020 ein Superjahr
Wirtschaft 4 Min. 29.12.2020

Für Bitcoin war 2020 ein Superjahr

Ein Mann hält eine nachgemachte Münze mit dem Bitcoin-Logo in den Händen.

Für Bitcoin war 2020 ein Superjahr

Ein Mann hält eine nachgemachte Münze mit dem Bitcoin-Logo in den Händen.
Foto: dpa
Wirtschaft 4 Min. 29.12.2020

Für Bitcoin war 2020 ein Superjahr

Kryptowährung droht nach Rekord-Rally mehr behördliche Kontrolle.

(Bloomberg) - Die Kryptowährung hat sich fast vervierfacht und erstmals die Marke von 20.000 Dollar überschritten, nachdem sie ein Rekordhoch nach dem anderen genommen hatte. Die Fans priesen Bitcoin als Inflationsabsicherung in einer Zeit beispielloser Freigiebigkeit der Notenbanken an. Wall-Street-Veteranen von Paul Tudor Jones bis zu Stanley Druckenmiller lobten es als alternativen Vermögenswert, was die Rally verstärkte. Und Unternehmen wie MicroStrategy Inc. und Square Inc. haben Bargeldreserven in Krypto investiert, um bessere Erträge als mit Zinsen nahe null zu erzielen.

Dies signalisiert eine wachsende Akzeptanz von Krypto als eigene Anlageklasse. Und damit feiern die Enthusiasten einen weiteren Sieg in ihrem Streben nach Legitimität.

Gewitterwolken am Horizont

„Was jetzt passiert - und es passiert schneller, als sich irgendjemand vorstellen kann - ist, dass Bitcoin sich von einem esoterischen Vermögenswert am Rande zum Mainstream hinbewegt“, sagte Matt Hougan, Chief Investment Officer von Bitwise Asset Management. „Wenn es zum Mainstream wird, gibt es einfach so viel Geld an der Seitenlinie, das reinkommen und eine Position aufbauen muss, dass es mich sehr bullisch für 2021 macht.“


(FILES) This file photo taken on December 12, 2019 shows the President of the European Central Bank (ECB) Christine Lagarde addressing the media during a news conference following the meeting of the governing council of the ECB in Frankfurt am Main, western Germany. - European Central Bank chief Christine Lagarde said Wednesday, May 27, 2020 she was "not overly concerned" that the coronavirus pandemic could renew fears of the eurozone breaking up, after a report from the Frankfurt institution highlighted the danger. (Photo by Daniel ROLAND / AFP)
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Aber mit der größeren Aufmerksamkeit, die Bitcoin auf sich zieht, könnte es auch stärker ins Visier der Aufsichtsbehörden geraten, sagte Guy Hirsch, Geschäftsführer für die USA bei der Online-Handelsplattform eToro. „Trotz dieses kometenhaften Aufstiegs ziehen einige Gewitterwolken am Horizont auf“, sagte er, darunter auch die Auswirkungen einiger Last-Minute-Aktionen der scheidenden Trump-Administration.

Anhänger sagen, dass die von der Pandemie ausgelösten Verwerfungen in gewisser Weise das perfekte Umfeld für die digitale Währung waren. Warnungen vor einer ausufernden Gelddruckerei durch die globalen Zentralbanken - von denen einige eigenes Interesse an digitalen Vermögenswerten offenbarten - lösten Befürchtungen aus, dass es letztendlich zu Inflation kommen werde, während die Zinsen auf Tiefststände sanken. Dies hat einige Anleger bewogen, auf Renditejagd zu gehen und sich mit Kryptowährungen abzusichern, was den Bitcoin-Preis von rund 7.200 Dollar Anfang Januar auf über 28.000 Dollar getrieben hat.

Mehr Regulierung, mehr Kontrolle

Prognosen über die weitere Entwicklung sind schwierig. Viele hielten die Digitalwährung für tot, nachdem die Rally 2017 im folgenden Jahr in einen Absturz mündete. Aber sie ist 2020 um mehr als 300 Prozent geklettert und viele Investoren sehen einen weiteren Anstieg im nächsten Jahr. Laut einer Umfrage der Deutschen Bank erwartet die Mehrheit einen höheren Stand zum Jahresende 2021. 41 Prozent der Teilnehmer prognostizieren ein Ziel zwischen 20.000 und 49.999 Dollar und 12 Prozent einen Anstieg über 100.000 Dollar, berichtet Stratege Jim Reid.

Was ist noch auf dem Radar? Für Meltem Demirors, Chief Strategy Officer bei CoinShares, einem Verwalter von digitalen Vermögenswerten, gibt es gewisse Bedenken, was die zukünftige Joe-Biden-Regierung für Krypto bedeuten könnte.

„Generell rechne ich mit mehr Herausforderungen bei den Demokraten - sie sind für mehr Regulierung, mehr Kontrolle“, sagte Demirors. „Ich bin ein wenig besorgt über die Richtung, in die sich die Dinge entwickeln“, insbesondere über Wettbewerbsklagen und eine Erosion der Privatsphäre im Internet. Jedoch hat die Branche laut Demirors einige Verbündete, darunter Patrick McHenry aus North Carolina und Warren Davidson aus Ohio, die sich für die Wahrung der finanziellen Privatsphäre der Verbraucher eingesetzt haben.


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Mit Biden im Weißen Haus könnte auf die Branche in Zukunft eine genauere Prüfung und strengere Regulierung zukommen, sagen viele Strategen und Investoren.

Viel hängt natürlich davon ab, wer Schlüsselpositionen innerhalb der Regierung erhält. Janet Yellen, die als Finanzministerin in der Regierung Biden nominiert ist, hat in den letzten Jahren die Anleger vor Bitcoin gewarnt. Sie bezeichnete die Digitalwährung als „hochspekulativen Vermögenswert“ und als „keinen stabilen Wertspeicher“. Ein Vertreter hat auf eine Bitte um Stellungnahme nicht unmittelbar reagiert.

Mehr Klarheit gefordert

Unterdessen hat Bloomberg News berichtet, dass Gary Gensler als Ersatz für Jay Clayton bei der US Securities and Exchange Commission nominiert werden könnte. Claytons Weggang von der Aufsichtsbehörde ist eine gute Nachricht für Kryptofans. Er hatte im Laufe der Jahre eine harte Linie eingeschlagen, gegen die ersten digitalen Währungen geklagt, Anträge auf börsengehandelte Bitcoin-Fonds abgelehnt und in letzter Minute eine Klage gegen Ripple Labs Inc. gestartet. Gensler, der während der Obama-Regierung als Vorsitzender der Commodity Futures Trading Commission fungierte, ist Senior Berater für die MIT Media Lab Digital Currency Initiative und lehrt über Blockchain-Technologie und digitale Währungen.

Laut Hirsch von eToro besteht Unsicherheit darüber, wie die Biden-Administration mit Kryptowährungen umgehen wird. Allerdings seien die Ernennungen bemerkenswert, „weil Yellen bekanntermaßen Anti-Krypto ist und Gensler dafür bekannt ist, Pro-Krypto zu sein“.

„Ohne zu wissen, wie die Behörden in den kommenden Jahren versuchen werden, Krypto strenger zu regulieren, ist es für die Märkte schwierig, in dem Maße weiterzuwachsen wie derzeit. Dies gilt insbesondere wenn, wie einige befürchten, Vorschriften kommen werden, die darauf abzielen, Innovationen zu bremsen, anstatt sie zu fördern“, sagte Hirsch. „Einmal mehr ist Klarheit das Gebot der Stunde.“

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