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Flughafen Findel: Eine Zukunft für den Geisterbahnhof
Wirtschaft 17 3 Min. 21.06.2016

Flughafen Findel: Eine Zukunft für den Geisterbahnhof

Seit Jahren wartet unter dem Luxemburger Airport die riesige unterirdische Haltestelle des verworfenen Eisenbahnprojektes auf eine sinnvolle Nutzung. Ein Konzept scheint nun gefunden. Es gehört zu einem Masterplan für das gesamte Vorgelände des Findel.

Flughafen Findel: Eine Zukunft für den Geisterbahnhof

Seit Jahren wartet unter dem Luxemburger Airport die riesige unterirdische Haltestelle des verworfenen Eisenbahnprojektes auf eine sinnvolle Nutzung. Ein Konzept scheint nun gefunden. Es gehört zu einem Masterplan für das gesamte Vorgelände des Findel.
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 17 3 Min. 21.06.2016

Flughafen Findel: Eine Zukunft für den Geisterbahnhof

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Seit Jahren wartet unter dem Luxemburger Airport die unterirdische Haltestelle des verworfenen Eisenbahnprojektes auf eine sinnvolle Nutzung. Ein Konzept scheint gefunden.

Der Bahnhof unter dem Luxemburger Flughafen mutet an wie eine vergessene, unterirdische Kathedrale. Tausende Passagiere hätten hier in unmittelbarer Nähe zum Terminal A einmal den Zug besteigen oder verlassen sollen – jenen Zug, der den Hauptbahnhof mit dem Osten des Kirchberg-Plateaus verbinden sollte.

Auf den Weg gebracht wurde der Bahnhof noch unter dem früheren Transportminister Henri Grethen (1999-2004). Das Vorhaben wurde von Lucien Lux (2004-2009) fortgeführt. Beerdigt wurde der Bahnhof sozusagen unter Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister Claude Wiseler (2009-2013) als sich die Tram anbahnte und man sich dafür entschied, das ursprüngliche, aufwändigere Eisenbahnprojekt fallen zu lassen.

Tram-Lösung machte den Bahnhof überflüssig

„Die überwiegend unterirdische Eisenbahnverbindung vom Hauptbahnhof über den Findel bis zur LuxExpo hätte rund 1,5 Milliarden verschlungen. Wenn künftig die Tram - aus der Stadt kommenden - von der LuxExpo weiter zum Findel weiterfährt wird dieser Abschnitt hingegen 80 bis 90 Millionen Euro kosten.“, sagt der aktuelle Nachhaltigkeits- und Infrastruktur François Bausch.

Dass sich unter dem Flughafen eine teure Bauruine in Form eines unterirdischen Bahnhofs befindet, sieht Bausch auf Nachfrage dieser Zeitung nüchtern. „Als die Entscheidung dafür getroffen wurde, fehlte der politische Wille für eine Tram in der Hauptstadt, und Henri Grethen benötigte eine Bahnverbindung als Alternative zum Autoverkehr“, so der Minister.

Fotogalerie: Eine Kathedrale unter dem Flughafen

Wichtig sei nun, dass der Bahnhof letztlich nicht völlig umsonst gebaut worden sei. „Er ist Teil eines Masterplans für das gesamte Vorgelände des Findel“, sagt Bausch. Wurden aber letztlich nicht dennoch für den Geisterbahnhof unter dem Findel Unsummen in den Sand gesetzt? „Für Studien ganz sicher“, so Bausch. „Ich denke aber, wenn wir den Masterplan umsetzen, wird das trotzdem eine formidable Sache.“

Im ersten Tiefgeschoss vor dem Terminal A und damit noch oberhalb des eigentlichen unterirdischen Bahnhofs plane man eine Handelsfläche von 2000 bis 3000 Quadratmetern Fläche einzurichten. Ursprünglich seien dort kleine Handelseinheiten und Büros geplant gewesen. Wichtig sei nun, dass ein Teil der genannten Handelsfläche in jedem Fall dem Lebensmittelhandel vorbehalten sei, sprich: ein kleiner Supermarkt soll dort untergebracht werden. Daneben seien dann weitere Geschäfte denkbar. Dabei habe man sich noch nicht genau festgelegt.

Datacenter im Untergrund des Flughafens geplant

„In der eigentlichen Bahnhofsanlage unter dem Flughafen möchten wir ein Datacenter unterbringen“, so Minister Bausch.
„In der eigentlichen Bahnhofsanlage unter dem Flughafen möchten wir ein Datacenter unterbringen“, so Minister Bausch.
Foto: Guy Jallay

„In der eigentlichen Bahnhofsanlage unter dem Flughafen möchten wir ein Datacenter unterbringen“, so Minister Bausch gegenüber dem „Luxemburger Wort“. Es bestehe nachweislich ein Bedarf an Standorten für derartige Rechenzentren, die besonders hohen Sicherheitsanforderungen entsprächen, wie sie – zusätzlich zur unterirdischen Lage - im Bereich eines Flughafens ohnehin gegeben seien.

In dem unterirdischen Bahnhof könne man eine für Rechenzentren nutzbare Fläche von 12000 bis 15000 Quadratmeter schaffen. Auf die Frage, ob man ein solches Zentrum einrichten und vermieten oder eher einem potentiellen Kunden die Lokalität zu diesem Zweck anbieten wolle, sagte der Minister, dass noch keine Entscheidung gefallen sei. Somit könne er auch keine Namen nennen. Einen Kunden gebe es noch nicht. Zu klären bleibt auch, wessen Größenanforderungen man unter dem Findel überhaupt gerecht werden kann.

Businesscenter und Hotel auf heutigem Parkplatz

Auch wenn die Tram irgendwann zum Flughafen fährt, soll sie das oberirdisch tun. „Eine Nutzung des unterirdischen Bahnhofs als Tram-Haltestelle macht erstens keinen Sinn und wäre zudem auch noch unverhältnismäßig teuer“, so François Bausch. Wenn die Pläne für ein Rechenzentrum Realität werden, dürfte sich eine verkehrstechnische Nutzung des Bahnhofs erledigt haben.

Der genannte Masterplan für das Vorgelände des Flughafens betrifft darüber hinaus ein Businesscenter mit Hotel, das auf dem heutigen Parkplatz zwischen der Nationalstraße, dem Verteilerkreis und dem Golfplatz liegt. „Dieser Komplex soll dann unterirdisch mit dem Terminal A verbunden werden“, so Bausch.

Weitere Parkplätze entstünden neben dem Vorhaben „Héihenhaff“ nahe des Cargocenters-Ost auch unterirdisch unter dem bestehenden Parkplatz östlich des Terminals A. Des Weiteren plane man eine Umgestaltung des Kurzeit-Parkplatzes (Kiss&Fly). Dort ist eine parkähnliche Grünfläche vorgesehen. Der Kiss&Fly bleibt prinzipiell erhalten und kann etwas erweitert werden. Im Gegenzug soll der Autoverkehr vor dem Terminalgebäude reduziert werden.


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