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Flaschenverschlüsse aus Wiltz: United Caps schließt ab

Flaschenverschlüsse aus Wiltz: United Caps schließt ab

Flaschenverschlüsse aus Wiltz: United Caps schließt ab

Flaschenverschlüsse aus Wiltz: United Caps schließt ab


von Marco MENG/ 07.12.2019

Seit 25 Jahren produziert United Caps in der Firmenzentrale in Wiltz Kunststoffverschlüsse.Foto: Chris Karaba

Verpackungen und Behälter brauchen Deckel und Verschlüsse - aus Wiltz kommen Milliarden davon.

Bevor es in die Produktionshallen geht, sind ein keimfreier Überzug und Händewaschen angesagt. Hygiene ist in der Fabrik in Wiltz Priorität, denn United Caps stellt hier Verschlüsse ausschließlich für die Lebensmittelindustrie her. 

„In anderen Werken produzieren wir auch Verschlüsse für andere Abnehmer“, sagt Werksleiter Rémi Heimburger-Dabonot. Das reicht von Deckeln für Benzinkanister bis zu solchen für die Arzneidose. 

Heimburger ist Franzose, während die meisten der rund 130 Mitarbeiter in Wiltz aus dem nahegelegenen Belgien kommen. Dort hat auch das Unternehmen seine Wurzeln und war vor 80 Jahren als „Résibel“ gegründet worden. Von Luxemburgern. 

Die Maschinen produzieren maßgeschneidert - und weitgehend automatisch.
Die Maschinen produzieren maßgeschneidert - und weitgehend automatisch.
Foto: Chris Karaba

Nach der Fusion mit dem französischen Unternehmen Delatour firmierte man lange als „Procap“, 2015 erfolgte dann die Umbenennung in United Caps. Seit nun 25 Jahren besteht das Werk in Wiltz, wo etwa 60 verschiedene Deckelsorten hergestellt werden, wie Heimburger mit lauter Stimme sagt, um den Lärm, den die vielen Spritzgussmaschinen verursachen, zu übertönen. 

Weiße Schraubverschlüsse kommen in atemberaubendem Tempo aus der einen Maschine, gelbe mit größerem Durchmesser aus der anderen. Eine dritte stellt Kaffeekapseln her. Ein Lichtstrahl flackert an jeder Maschine: Mit einer Kamera wird in Sekundenschnelle jeder Deckel und jede Kapsel geprüft. 

Was nicht der Norm entspricht, wird ausgestoßen. „Den Abfall sammeln wir“, sagt Heimburger. Daraus wird später neues Plastik hergestellt. 

Jean-Benoît Henckes, dessen Familie einst das Unternehmen mit gründete, ist seit 26 Jahren Chef von United Caps.
Jean-Benoît Henckes, dessen Familie einst das Unternehmen mit gründete, ist seit 26 Jahren Chef von United Caps.
Foto: Chris Karaba

In Wiltz wird in vier Schichten produziert, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Pro Jahr sind das fünf Milliarden Deckel; alle Werke zusammen produzieren etwa zehn Milliarden im Jahr. 

Noch ist Wiltz das größte Werk der United-Caps-Gruppe. Doch in Großbritannien wird ein neues gebaut, das, abhängig von der Nachfrage, noch größer werden könnte – die Pläne dazu entstanden schon vor der Brexit-Entscheidung. Es geht United Caps hauptsächlich darum, in der Nähe der Kunden zu transportieren, da sonst die Transportkosten für die Kunststoffverschlüsse viel zu hoch wären. 

In Wiltz werden ausschließlich Deckel und Verschlüsse für Lebensmittelverpackungen produziert.
In Wiltz werden ausschließlich Deckel und Verschlüsse für Lebensmittelverpackungen produziert.
Foto: Chris Karaba

Die Maschinen in der Werkshalle in Wiltz wie auch in den anderen Fabriken des Unternehmens wurden in Abstimmung mit den Kunden wie Nestlé, Danone, Arla, Unilever, L'Oréal oder Pfizer konzipiert, so dass sie genau die Deckel herstellen, die die Kunden brauchen. 

Dass sich solche Maschinen nicht für kleine Stückzahlen lohnen, liegt auf der Hand. Während des laufenden Betriebs werden die Maschinen auch regelmäßig gewartet und gereinigt, was jedes Mal zwei Tage dauert. 

Auch Deckel können„High Tech“ sein  

Das Lager in Wiltz wurde 2016 automatisiert, was dazu führte, dass sich das Anforderungsprofil für Mitarbeiter veränderte. Um im Lager zu arbeiten, reicht es nicht mehr, Gabelstapler fahren zu können. Das macht heute der Roboterstapler. Heute müssen die Mitarbeiter vor allem eines tun: die Maschinen überwachen und eingreifen, wenn es irgendwo hakt.

Nicht nur in der Produktion und Warenlogistik hält bei United Caps die Digitalisierung Einzug, auch bei den Produkten. Digitalisierung bei Decken? Durchaus. 

Fünf Milliarden Verchlüsse wurden 2018 in Wiltz hergestellt, das ist die Hälfte der Gesamtproduktion von United Caps.
Fünf Milliarden Verchlüsse wurden 2018 in Wiltz hergestellt, das ist die Hälfte der Gesamtproduktion von United Caps.
Foto: Chris Karaba

So hat das Unternehmen, beispielsweise um Fälschungen von Waren zu verhindern, einen Deckel mit „QR+-Technologie“ entwickelt, eine Kombination aus QR-Code und sicherem Fingerabdruck, sowie einen Deckel mit holografischer Gravur, welche in den Verschluss integriert ist und ein unbewegliches Sicherheitsmerkmal darstellt. 


Nachwachsende Kunststoffe
Die Nachricht hatte Explosionskraft: Seit Anfang 2018 importiert China keinen Plastikmüll mehr. Die Reaktion der EU: Bis 2030 müssen alle Plastikverpackungen recycelbar sein. Auch Biokunststoffe sollen helfen. Leichter gesagt als getan.

Bislang macht United Caps mehr als 90 Prozent seines Umsatzes in Europa. Nun soll der asiatische Markt folgen. Vor zwei Wochen wurde dazu in Malaysia eine neue Fabrik eröffnet

Auf der Suche nach dem ökologischen Verschluss 

Um die Deckel herzustellen, braucht United Caps den Rohstoff Plastikgranulat. Der wird mit Lastwagen von den Kunststoffproduzenten angeliefert und in großen Silos gelagert. Aus dem Granulat werden dann mit großem Druck und hoher Temperatur die Plastikdeckel gepresst – manche Maschinen stellen zwei Millionen am Tag her. 

Man kann mit dem Auge kaum so schnell schauen, wie die fertigen Deckel aufs Förderband fliegen. Saisonale Schwankungen, erklärt Heimburger, gibt es auch, zum Beispiel bei Deckel für Getränkeverpackungen, für die vor allem im Sommer die Nachfrage hoch ist. Das lässt sich allerdings einfach ausgleichen, indem genügend vorproduziert wird. 

130 Personen arbeiten in Wiltz in vier Schichten.
130 Personen arbeiten in Wiltz in vier Schichten.
Foto: Chris Karaba

Jeden Tag verlassen zehn Lastwagen mit Verschlüssen die Fabrik in Wiltz. Rechnet man mit zehn Gramm pro Verschluss, ergibt das eine jährliche Menge von 50.000 Tonnen Deckel, deren Verwendungszeit oft nur sehr kurz ist. Schnell ist man da bei der Frage nach dem Müllaufkommen und dem Recycling, wobei man fairerweise sagen muss, dass Unternehmen wie United Caps ja nicht etwas produzieren, damit mehr Müll entsteht – das Produzierte dient einem Zweck und wird nachgefragt. 

Gemäß EU-Verordnung müssen Kunststoffdeckel und -verschlüsse für Getränkebehälter ab dem 3. Juli 2024 an diesen befestigt sein, wodurch zumindest das Müllaufkommen durch lose Deckel vermindert werden soll.  

 Wir müssen neue Produkte entwickeln.  

Laut Jean-Benoît Henckes, Chef von United Caps, ist von der Verordnung rund 30 Prozent von dem, was United Caps herstellt, betroffen. „Ja, das stellt uns natürlich vor Herausforderungen, und wir müssen neue Produkte entwickeln”, sagt Henckes. „Aber es bietet auch die Möglichkeit, technischere Produkte herzustellen.“

Automatisches Warenlager: Die Fabrik in Wiltz wird täglich von etwas zehn Lastwagen voller Deckel verlassen.
Automatisches Warenlager: Die Fabrik in Wiltz wird täglich von etwas zehn Lastwagen voller Deckel verlassen.
Foto: Chris Karaba

United Caps forscht auch an der Entwicklung neuer Arten von Deckeln. Henckes: „Wir arbeiten seit vielen Jahren an leichten Produkten.“ So wurde eine neue Polypropylenzusammensetzung entwickelt, die spürbar die CO2-Bilanz verbessere. „Mit der neuen Technologie können wir Produkte um 30, 40 Prozent leichter machen als bisher.“ 

Und auf der anderen Seite schaue das Unternehmen immer mehr darauf, auch Kunststoffe zu verwenden, die nicht aus Erdölprodukten bestehen, sondern aus erneuerbaren Ressourcen. „Das ist etwas, was wir bereits seit mehr als fünf Jahren tun. Aber es ist immer noch ein begrenzter Teil des Geschäfts.“ 

Regelmäßig müssen die Maschinen gewartet und die Spitzgrussformen gereinigt werden.
Regelmäßig müssen die Maschinen gewartet und die Spitzgrussformen gereinigt werden.
Foto: Chris Karaba

So hat United Caps 2018 sein Sortiment mit Kunststoffverschlüssen aus Polyethylen auf Basis von Zuckerrohr erweitert. Henckes würde staatliche Anreize begrüßen, Kunststoffe aus erneuerbaren Ressourcen zu fördern. „Das würde die Mehrkosten ganz erheblich reduzieren“. Denn noch seien viele Endkunden nicht bereit, 20 Cent mehr für umweltfreundlichere Deckel zu zahlen.



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