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Fit für die Digitalisierung
Wirtschaft 3 Min. 28.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Fit für die Digitalisierung

Lex Delles will eine Kultur der zweiten Chance schaffen.

Fit für die Digitalisierung

Lex Delles will eine Kultur der zweiten Chance schaffen.
Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 28.02.2019 Aus unserem online-Archiv

Fit für die Digitalisierung

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Der vierte Aktionsplan für kleine und mittelständische Betriebe ist noch nicht vollständig umgesetzt, da steht der fünfte Plan schon in den Startlöchern.

Der vierte Aktionsplan für kleine und mittelständische Betriebe ist noch nicht vollständig umgesetzt, da ist der nächste Plan schon in Vorbereitung. Neuer Schwerpunkt ist die Digitalisierung der luxemburgischen Handels- und Handwerksbetriebe.

Die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) spielen eine wesentliche Rolle in Bezug auf das wirtschaftliche Wachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Der Sektor zählt fast 32 000 Unternehmen und beschäftigt derzeit nahezu 210 000 Personen – das entspricht mehr als der Hälfte der Arbeitsstellen des Landes.

„Diese kleinen und mittelständischen Betriebe haben spezifische Bedürfnisse und Ängste. Aufgabe der Politik ist es, auf diese Sorgen einzugehen, damit sich die Unternehmen auf ihre eigentliche Mission konzentrieren können“, so Mittelstandsminister Lex Delles.

Zusammen mit den Arbeitgeberverbänden aus dem Handwerk, dem Handel und der Horeca hat Lex Delles am Montag in einer Sitzung des „Haut comité pour le soutien des PME et de l'entrepreneuriat“ die gemeinsamen Leitlinien der neuen Mittelstandspolitik festgelegt. Ziel ist es, „gemeinsam das globale Umfeld zu verbessern, damit sich die kleinen und mittelständischen Betriebe bestmöglich entwickeln können“, so Delles. Im vierten Aktionsplan sei schon vieles umgesetzt worden, wie etwa die Reform der Beihilfeinstrumente, die Gründung der Plattform „LetzShop.lu“ oder die Einrichtung eines Handelskatasters.

„Die neue Strategie bekräftigt nicht nur den bereits eingeschlagenen Weg, sondern legt auch eine Reihe von neuen Bereichen fest, in denen neue Maßnahmen ergriffen werden müssen“, so Lex Delles. Und: „Wir müssen im fünften Aktionsplan vor allem einen großen Wert auf die Digitalisierung legen“. Wichtig sei dabei vor allem, dass „konkrete Maßnahmen für kleine und Mikrounternehmen angeboten werden“. Es gehe nicht nur darum, die Musterschüler weiter nach vorne zu bringen, sondern jedes einzelne Unternehmen auf den digitalen Wandel vorzubereiten. „Es gibt bereits eine Reihe von Beihilfemaßnahmen für den Mittelstand, wie etwa das Programm Fit4Digital. Im neuen Aktionsplan werden wir diese noch besser an den Bedürfnissen der Unternehmen anpassen“, sagt Lex Delles.

Auch bei den administrativen Abläufen und Prozessen im Wirtschaftsministerium soll die Digitalisierung weiter umgesetzt werden. „Wir haben erhebliche Fortschritte gemacht. Die Frist um eine Niederlassungsbewilligung zu bekommen liegt derzeit bei zehn Tagen. Im Bereich der Beihilfen müssen wir allerdings noch mehr tun.“

Kultur der zweiten Chance

Eine weitere Priorität besteht in der Schaffung einer Kultur der zweiten Chance. „Derzeit ist es sehr schwierig nach einem gescheiterten Projekt wieder den Weg ins Unternehmertum zu finden“, beschreibt Lex Delles die Situation. Das will der neue Minister schnellstmöglich ändern.

„Unternehmer dürfen nicht mehr ihr ganzes Leben lang bestraft werden, wenn es einmal schief läuft“. Er ruft außerdem dazu auf, gescheiterte Unternehmer nicht zu brandmarken.

Konkret soll das Konzept der zweiten Chance in der Gesetzgebung festgeschrieben werden, wobei man drei Szenarien unterscheiden muss: „Man kann Pech haben, zum Beispiel mit einer guten Idee, die nicht zur richtigen Zeit kommt“, sagt Lex Delles. Auch derjenige, der durch ein schlechtes Führungsverhalten seine Firma in den Konkurs getrieben hat, soll eine zweite Chance bekommen, unter der Bedingungen dass er eine Ausbildung in Unternehmensführung absolviert. Bei betrügerischem Konkurs soll es weiterhin keine zweite Chance geben.

Und: Was die Schuldenfrage anbelangt, so scheint die derzeit strenge Handhabung laut Minister nicht mehr zeitgemäß zu sein. „Das ganze Problem muss neu überprüft werden. Wir müssen die gesetzlichen Fristen und andere Maßnahmen neu überdenken“, so Delles.

Klare Regeln für die Uberisierung

Ein weiteres großes Thema ist die Unternehmensübertragung. Bei gut 3 000 Betriebe im Handwerk und 2 000 im Handel ist eine Übergabe in den nächsten zehn Jahren geplant. „Hier sehen wir noch großes Potenzial bei der professionellen Beratung von Unternehmen“, sagt Lex Delles. 

In den nächsten Wochen will der Minister intensiv mit den Verbänden zusammenarbeiten und weitere Ideen auf den Tisch legen. Die Handwerkskammer wünscht sich zum Beispiel eine Reform des Niederlassungsrechts und ein modernes Konkursgesetz. Vor allem soll das Problem der „Uberisierung“ geregelt werden, gemeint sind die Verbindungen von Dienstleistern und Endkunden durch digitale Plattformen

„Hier ist es vor allem wichtig, dass klare Regeln in Sachen Besteuerung und Sozialversicherung geschaffen werden“, sagt Tom Oberweis, Präsident der Handwerkskammer.

Auch Michel Reckinger, Präsident der Fédération des artisans, und François Koepp, Generalsekretär der Horesca (Dachverband der Hotel- und Gastronomiebetriebe) fordern klare Vorschriften in einer „uberisierten“ Wirtschaft. „Wichtig ist, dass wir keine Ungleichheiten zwischen den Unternehmen schaffen“, meint Koepp.


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