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Was der Klimaschutzplan für die Luxemburger Industrie bedeutet
Wirtschaft 3 Min. 14.07.2021
"Fit for 55"

Was der Klimaschutzplan für die Luxemburger Industrie bedeutet

René Winkin rechnet damit, dass der Druck auf die Industriebetriebe weiter steigt.
"Fit for 55"

Was der Klimaschutzplan für die Luxemburger Industrie bedeutet

René Winkin rechnet damit, dass der Druck auf die Industriebetriebe weiter steigt.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 3 Min. 14.07.2021
"Fit for 55"

Was der Klimaschutzplan für die Luxemburger Industrie bedeutet

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Fedil-Chef René Winkin erwartet durch die neuen Vorschläge der EU-Kommission zum Klimaschutz höhere Kosten für die Industrie.

Die Europäische Union will „Fit for 55“ werden. So nennt die Kommission ihren Plan zur Verringerung von Treibhausgasen. Danach sollen europaweit bis 2030 nur noch 55 Prozent des CO2-Ausstoßes von 1990 erreicht werden. Bisher hatte man lediglich 40 Prozent anvisiert. Um das zu erreichen, formuliert die Kommission zwölf Einzelmaßnahmen. 

Für die Industrie wird das erneute Anziehen der Daumenschrauben schwerwiegende Folgen haben. Schon jetzt ächzen Unternehmen unter den steigenden Kosten für CO2-Zertifikate, auch wenn besonders emissionsintensive Sektoren einen Teil der Zertifikate kostenlos erhalten. „Die Betriebe in Luxemburg sind jetzt schon sehr leistungsfähig, was Energieeffizienz und Reduktion von Emissionen angeht, dennoch müssen so gut wie alle Unternehmen Zertifikate zukaufen. Andere Unternehmen wie Stromproduzenten oder Asphalthersteller müssen ohnehin alle ihre Zertifikate einkaufen“, sagt René Winkin, Geschäftsführer des Industrieverbandes Fedil. „Mit den neuen Reformen wird die Menge der Zertifikate, die gekauft werden müssen, weiter steigen.“ Auch der Preis werde sich weiter erhöhen.


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Importabgaben werden begrüßt 

Dazu dürfte auch der Vorschlag der Kommission beitragen, die Sektoren Verkehr und Gebäude auch in das System des Emissionshandels (ETS) mit einzubinden. „Das sehen wir in der Fedil aus der Sicht der energieintensiven Industrie sehr kritisch. Das Problem ist, dass man damit finanziell sehr potente Käufer für Zertifikate hätte, die aber weniger sensibel auf Preissteigerungen als andere Teilnehmer am ETS reagieren dürften. Die Mineralölindustrie könnte zum Beispiel die höheren Kosten an ihre Kunden weiterreichen“, sagt Winkin. Für ihn macht es aber auch aus sozialpolitischer Sicht Sinn, diese Sektoren beim ETS außen vor zu lassen, weil es Bürger mit geringen finanziellen Mitteln besonders belastet. 

„Stattdessen sollte man versuchen, das mit spezifische umweltpolitischen Maßnahmen für diese Sektoren zu steuern“, sagt er. Begrüßt wird aus der Sicht der Luxemburger Industrie aber der Vorschlag einer Importabgabe, die ab dem Jahr 2026 auf klimaschädliche Produkte aus Drittländern fällig werden soll. Damit soll erreicht werden, dass Hersteller aus Ländern ohne CO2-Preis keine Wettbewerbsvorteile erhalten. „Das kommt in der Tat keinen Moment zu früh, dass man hier handelt. Damit haben wir endlich ein „Level Playing Field“ für alle Hersteller“, so Winkin.

„Natürlich darf das nicht die Form einer Importsteuer bekommen, sondern muss die tatsächlichen CO2-Kosten widerspiegeln, die auch die europäischen Produzenten haben. Andernfalls käme das protektionistischen Maßnahmen gleich und würde die anderen Wirtschaftsblöcke auf die Barrikaden rufen. Dann wären von dort auch Gegenmaßnahmen zu erwarten“. Für die Zukunft sei es auch sinnvoll, das ETS nicht auf die Europäische Union zu beschränken, sondern Brücken zu schlagen zu ähnlichen Systemen in anderen Wirtschaftsregionen. 

Investition in neue Technologien 

Trotz der CO2-Grenzabgabe wird der Anpassungsdruck auf den Industriesektor in den nächsten Jahren enorm hoch werden. „Die Preise für den CO2-Ausstoß werden weiter steigen. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem es sich zum Beispiel für den Zementhersteller lohnt, in eine Anlage zur „Carbon Capture“ zu investieren. Oder die Stahlindustrie hat ja schon Projekte angekündigt, um mithilfe von Wasserstoff den Stahl von morgen herzustellen“, sagt Winkin. „Aber natürlich werden Technologien, die sich noch nicht industriell bewährt haben, nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren alle Hochöfen ersetzen können. Das braucht Zeit.“


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In der Zwischenzeit werden die Unternehmen weiter Zertifikate kaufen müssen und die Zusatzkosten werden unweigerlich irgendwann beim Endverbraucher ankommen. „Europa wird zeigen müssen, dass der anvisierte Rückgang der Emissionen kompatibel ist mit industrieller Produktion hier“, so Winkin. 

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