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Finanzstabilitätsrat / Analyse 2016: Luxemburgs Schattenbanken bleiben im Dunkeln
Hat sich Luxemburg vor der Datenerhebung gedrückt oder diese verzögert, sodass Angaben über das 
Schattenbankenwesen in Luxemburg nicht berücksichtigt werden konnten?

Finanzstabilitätsrat / Analyse 2016: Luxemburgs Schattenbanken bleiben im Dunkeln

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Hat sich Luxemburg vor der Datenerhebung gedrückt oder diese verzögert, sodass Angaben über das 
Schattenbankenwesen in Luxemburg nicht berücksichtigt werden konnten?
Wirtschaft 3 Min. 16.05.2017

Finanzstabilitätsrat / Analyse 2016: Luxemburgs Schattenbanken bleiben im Dunkeln

Andreas ADAM
Andreas ADAM
In seiner jüngsten Analyse beziffert der in Basel ansässige Finanzstabilitätsrat der G20 den wirklich risikoreichen Teil des Schattenbankenwesens mit einem Volumen von rund 34 Billionen Dollar. Die Situation in Luxemburg bleibt dabei jedoch im Unklaren.

Von Andreas Adam

In seiner jüngsten Analyse beziffert der in Basel ansässige Finanzstabilitätsrat der G20 den wirklich risikoreichen Teil des Schattenbankenwesens mit einem Volumen von rund 34 Billionen Dollar. Die Situation in Luxemburg bleibt dabei jedoch im Unklaren.

Seitenhieb auf Luxemburg und Jean-Claude Juncker

„Ausgerechnet Luxemburg“, hieß es kürzlich in der Frankfurter Allgemeine (verkürzte Online-Version). Während sich viele Länder rund um den Erdball bemühten, Licht in die Schattenwelt der Finanzmärkte zu bringen, sei „das kleine Steuerparadies im Herzen der Eurozone“ eines der wenigen Finanzzentren, die dem Finanzstabilitätsrat keine Daten für seine Analysen zur Verfügung stellten. Das werfe ein schlechtes Licht auf die Heimat des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, die sich als Standort für die EU-Bankenaufsicht bewerbe.

Hintergrund dieses Seitenhiebs war die jüngste Analyse des Finanzstabilitätsrates (FSB) der G20 zum Schattenbankenwesen. Als Schattenbanken bezeichnet der FSB Akteure und Aktivitäten auf den Finanzmärkten, die bankähnliche Funktionen (insbesondere Kreditvergabe) wahrnehmen, aber keine Banken sind und nicht wie Kreditinstitute reguliert werden.

Schattenbanken verwalten 34 Billionen Dollar

In seinem kürzlich vorgelegten Bericht 2016 beziffert der FSB das Schattenbankwesen im weiteren Sinne auf 92 Billionen Dollar (eine Billion = 1000 Milliarden = im Amer. Engl. "one trillion") im Jahr 2015, gegenüber 89 Billionen Dollar in 2014. Das Schattenbankenwesen im engeren Sinne, d.h. den tatsächlich risikoreichen Anteil, gibt der Finanzstabilitätsrat mit 34 Billionen Dollar (+3,2 %) an.

Das Problem dabei: Anders als beim erstgenannten Wert stützt sich der FSB beim zweiten, wichtigeren Wert nicht auf Daten der ganzen Eurozone und 21 weiterer Zuständigkeitsbereiche, sondern 27 einzelner Länder. Darin enthalten sind von den Euro-Ländern nur Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Irland, die Niederlande und Spanien. Deren Daten seien granularer als die aggregierten Daten für den Euroraum der Europäischen Zentralbank, heißt es in der FSB-Studie.

Daten wurden FSB nicht vorenthalten

Hat sich Luxemburg also vor der Datenerhebung gedrückt oder 
diese verzögert, sodass Angaben über Schattenbanken in Luxemburg nicht berücksichtigt werden konnten? „Nein, das ist nicht korrekt“, stellt das Finanzministerium Pierre Gramegnas auf Anfrage klar. Dies könne der Finanzstabilitätsrat bestätigen. Luxemburg werde über die aggregierten Daten für die Eurozone berücksichtigt. Stimmt zwar, aber nicht für den wichtigeren Wert, der den risikoreichen Teil des Schattenbankenwesens beziffert.

Ein Sprecher des Finanzstabilitätsrates bestätigte dem „Luxemburger Wort“, dass Luxemburg keine Daten vorenthalten habe. Der FSB sei ohnehin eine G20-Organisation, wo Luxemburg als Land nicht Mitglied sei, sondern nur über die Europäische Union. Allerdings trifft letzteres auch auf andere Euro-Länder zu, die trotzdem bei der Ermittlung des wichtigeren Werts von 34 Billionen Dollar berücksichtigt wurden.

Luxemburgische Analyse 
mit Zahlen von 2014

Gegenüber dem „Luxemburger Wort“ verwiesen das luxemburgische Finanzministerium und die luxemburgische Zentralbank (LZB) auf Nachfrage auf eine Analyse des Schattenbankenwesens in Luxemburg vom April 2017, die von Statistikern der luxemburgischen Zentralbank auf Basis von Zahlen aus dem Jahr 2014 als Arbeitspapier für das luxemburgische „Comité du Risque Systémique“ erstellt wurde, dem Pierre Gramegna als Präsident vorsitzt.

In dieser Studie wird das luxemburgische Schattenbankwesen (siehe Grafik: „Other Financial Intermediaries“) im weiteren Sinne auf 10,6 Billionen Euro beziffert. Als Datenquelle sind CSSF, LZB und EZB 
genannt. Schaut man sich die 
Zusammensetzung dieses Werts an, machen Investmentfonds mit 3,4 Billionen Euro etwa ein Drittel davon aus. Verbriefungsgesellschaften liegen bei 142,3 Milliarden Euro. Der größte Batzen sind mit sieben Billionen Euro „sonstige“, wobei es sich der Analyse zufolge vor allem um „captive financial companies“ also um Finanzierungsgesellschaften handelt.

Bei einer Betrachtung im engeren Sinne werden in der Studie von rund 2000 Finanzierungsgesellschaften nur 43 der Schattenbankwirtschaft zugeordnet. Statt sieben Billionen Euro blieben knapp 51 Milliarden Euro übrig. Als Erklärung heißt es in der Analyse für das „Comité du Risque Systémique“, dass die meisten dieser Gesellschaften von ansässigen oder nicht-ansässigen multinationalen Firmen verwendet würden, um Finanzmittel von oder über Luxemburg zu anderen Geschäftseinheiten der Gruppe im Ausland zu lenken.

Auch wenn man letztlich nicht sagen kann, dass Luxemburg dem FSB keine Daten für 2015 zur Verfügung gestellt habe, bleibt die Frage nach der Situation der Schattenbanken in Luxemburg offen. Aktuelle Daten waren auf Anfrage weder beim Ministerium, noch bei CSSF oder LZB verfügbar.


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