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Finanzsektor im Visier: Die Zeichen stehen auf Grün
Wirtschaft 4 Min. 23.03.2018

Finanzsektor im Visier: Die Zeichen stehen auf Grün

Ein hochrangiges Treffen: Der Präsident der Europäischen Kommission (l.), Jean-Claude Juncker, und Michael Bloomberg, Klimabeauftragter der Vereinten Nationen.

Finanzsektor im Visier: Die Zeichen stehen auf Grün

Ein hochrangiges Treffen: Der Präsident der Europäischen Kommission (l.), Jean-Claude Juncker, und Michael Bloomberg, Klimabeauftragter der Vereinten Nationen.
Foto: AFP
Wirtschaft 4 Min. 23.03.2018

Finanzsektor im Visier: Die Zeichen stehen auf Grün

Mara BILO
Mara BILO
Durch einen neuen Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums will die Europäische Kommission den Finanzsektor dazu ermutigen, gegen die Folgen des Klimawandels mitzukämpfen. Luxemburg hat bereits erste Schritte in diese Richtung unternommen.

Der Aktionsplan der Europäischen Kommission zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums zielt darauf ab, die Folgen des Klimawandels durch die Mobilisierung des privaten Finanzsektors abzufedern. Denn: Um die Ziele des Pariser Übereinkommens zu erreichen, müssen zwar öffentliche Gelder weiter eingesetzt werden, aber nicht nur. Der Finanzsektor und privates Kapital spielen auch eine Schlüsselrolle.

„Das derzeitige Investitionsniveau reicht nicht aus, um ein ökologisch und sozial nachhaltiges Wirtschaftssystem zu unterstützen“, erklärt der Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker. „Um die EU-Klima- und Energieziele bis 2030 zu verwirklichen, muss Europa einen jährlichen Investitionsrückstand von fast 180 Milliarden Euro aufholen.“ Im Kern definiert die Europäische Kommission drei Ziele: privates Kapital auf nachhaltige Investitionen umlenken; finanzielle Risiken, die aus dem Klimawandel entstehen, bewältigen; Transparenz und Langfristigkeit der Wirtschaftstätigkeiten fördern.

In der Praxis sind die Amerikaner nach wie vor dem Pariser Übereinkommen verpflichtet.


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Am Donnerstag fand im Charlemagne-Gebäude der Europäischen Kommission in Brüssel eine Konferenz für Finanzierung nachhaltigen Wachstums statt. Der Anlass des Treffens war, über den neuen EU-Aktionsplan zu diskutieren. Denn die Erwartungen sind hoch: Zum ersten Mal können verschiedene Akteure – Mitglieder des Europäischen Parlamentes sowie Vertreter des Finanzsektors – Stellung zur EU-Strategie nehmen. Rund 450 Finanzexperten aus ganz Europa sind dafür in Brüssel eingereist. Auch Michael Bloomberg, Klimabeauftragter der Vereinten Nationen, war in der belgischen Hauptstadt zu Besuch. Seine Botschaft ist eindeutig: „In der Praxis sind die Amerikaner nach wie vor dem Pariser Übereinkommen verpflichtet.“ Damit bezieht er sich auf US-Unternehmen, die, trotz Austritt ihrer Regierung, weiterhin ihre Tätigkeiten nachhaltiger gestalten wollen.

Was grün ist, und was nicht

Mit grüner Krawatte: Valdis Dombrovskis ist Vizpräsident der 
Europäischen Kommission und als EU-Kommissar für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständig.
Mit grüner Krawatte: Valdis Dombrovskis ist Vizpräsident der 
Europäischen Kommission und als EU-Kommissar für Finanzstabilität, Finanzdienstleistungen und die Kapitalmarktunion zuständig.
Foto: AFP

Die vielleicht wichtigste Maßnahme, die die Europäische Kommission zur Diskussion stellt, betrifft ein neues, einheitliches Klassifikationssystem. Auf Basis von bestimmten Evaluierungskriterien soll festgehalten werden, welche wirtschaftliche Initiativen „grün“ und somit auch nachhaltig sind, und welche nicht. Dadurch soll den Investoren mehr Klarheit verschafft werden. „Wir wollen europäische Standards“, sagt Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Europäischen Kommission. „Ähnlich wie bei Nahrungsmitteln soll es ein Eco-Label für Finanzprodukte geben.“

Ein solches Label gibt es in Luxemburg bereits. Die „Luxembourg Finance Labelling Agency“ (LuxFLAG), die als internationale und unabhängige Labelling-Agentur agiert, gibt derartige Labels schon seit mehreren Jahren aus. Mario Mantrisi, Generaldirektor der Agentur, erklärt: „Unsere Kriterien werden im Einklang mit jenen der Europäischen Union sein. Es geht darum, nachhaltige Investitionen und Projekte zu fördern und gleichzeitig die nötige Transparenz im Markt zu wahren. Ein Schritt, den wir begrüßen.“

Luxemburg, der Vorreiter

Der Finanzplatz Luxemburg setzt schon seit einigen Jahren auf grüne Investitionen; laut Angaben des Global Green Finance Index steht Luxemburg in diesem Sektor weltweit auf Platz zwei. Auch die erste „grüne Börse“ ist hierzulande gegründet worden. Mit Erfolg: Auf der Plattform für grüne Finanzinstrumente (Luxembourg Green Exchange – LGX), die die Luxemburger Börse eingerichtet hat, sind mittlerweile schon notierte Wertpapiere in Höhe von fast 80 Milliarden Euro gehandelt worden (Stand: Ende Februar 2018).

Ähnlich wie bei Nahrungsmitteln soll es ein Eco-Label für Finanzprodukte geben.

Insgesamt ist der Aktionsplan der Europäischen Kommission beim Treffen in Brüssel positiv aufgenommen worden – in erster Linie vom Finanzsektor. Robert Scharfe, CEO der Luxemburger Börse, dem das „Luxemburger Wort“ am Rande der Konferenz begegnet ist, sagt: „Es ist ein wichtiger Schritt, der in die richtige Richtung geht. Wir brauchen in Europa einen gemeinsamen Ansatz, um die nachhaltige Finanzierung in den Dienst der Wirtschaft zu stellen. Dank klarer Regeln, Definitionen, Standards, die durch den Aktionsplan der Europäischen Kommission geschaffen werden, wird die Finanzbranche mit ein und derselben Sprache sprechen können.“

Auch Frankreich steht hinter dem Projekt der Europäischen Kommission. Präsident Emmanuel Macron betont auf der Konferenz, dass „der Finanzsektor auf die Bedürfnisse des Gemeinwohls eingehen muss.“ Und: „Sowohl der Haushalt der EU als auch unsere Handelspolitik müssen dem Klimawandel Rechnung tragen.“ Derzeit plant die Europäische Kommission, 20 Prozent ihres Haushalts klimabezogenen Projekten zu widmen. Macron ist noch ehrgeiziger; seiner Nachfassung nach sollten ganze 40 Prozent des EU Haushaltes in die Klimapolitik einfließen.

Der nächste Schritt der Europäischen Kommission steht bereits fest: Ein Legislativvorschlag über das Klassifikationssystem soll im Mai dieses Jahres vorgelegt werden.


Drei Fragen an: Mario Mantrisi

Mario Mantrisi ist seit Anfang des Jahres Generaldirektor der „Luxembourg Finance Labelling Agency“ (LuxFLAG).

  • Der Aktionsplan der Europäischen Kommission zeigt, dass Europa Vorreiter für ein nachhaltigeres Finanzsystem werden kann.

    Das Eco-Label gibt es bereits für sehr viele unterschiedliche Produkte, hauptsächlich im Bereich von Konsumgütern und Tourismus und wird jetzt auf grüne Finanzprodukte erweitert. Unser Label zertifiziert nur verantwortungsvolle Investitionsprodukte, die Antragssteller müssen einen strikten, mehrdimensionalen Prozess durchlaufen. Des Weiteren sind die Ansprüche und Kriterien der LuxFLAG-Labels sehr hoch, sind international anerkannt und beziehen auch die soziale Komponente mit ein, insbesondere bei unserem Mikrofinanz- und dem Sektor übergreifenden ESG-Label.

  • Wir zertifizieren momentan 87 Investmentprodukte mit einem Wert von mehr als 32 Milliarden Euro. Der Markt wird momentan noch von öffentlichen Geldern getragen. Die institutionellen Investoren haben bisher im Privatsektor die Oberhand. Wir sind jedoch überzeugt, dass das Angebot für Kleinanleger steigen wird. Wir registrieren stark steigende Anfragen auch von traditionelleren Vermögensverwaltern.

  • Der Finanzplatz Luxemburg ist international sehr stark in der grünen Finanz vertreten und hat über die letzten Jahre viele neue Initiativen, oftmals privat-öffentliche Kooperationen, hervorgebracht und insbesondere auch die Klimafinanzierung gefördert.

    Die Luxemburger Regierung setzt sich seit vielen Jahren stark für diese Thematik ein. Luxemburg ist hier in vielen Bereichen, wie nachhaltigen Investmentfonds und grünen Anleihen, Vorreiter. Bestes Beispiel ist LuxFLAG; die Agentur wurde bereits vor mehr als zehn Jahren gegründet.



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