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Finanzplatz Luxemburg: Belastungen für die Banken
Positiv ist Walter Koob nach der Ausbau der internationalen Geschäftsaktivitäten mit China zu deuten.

Finanzplatz Luxemburg: Belastungen für die Banken

Guy Jallay
Positiv ist Walter Koob nach der Ausbau der internationalen Geschäftsaktivitäten mit China zu deuten.
Wirtschaft 4 Min. 21.11.2014

Finanzplatz Luxemburg: Belastungen für die Banken

Banken sind resistenzfähig, müssen sich aber auf neue Entwicklungen einstellen und Herausforderungen meistern. Welche dies sind, erklärte Walter Koob, Partner bei KPMG Audit, am Donnerstag beim "International Bankers Forum".

(lb) - „Allen Krisen zum Trotz scheint der Finanzplatz wieder Tritt zu fassen.“ Dies ist die freudige Analyse, die Walter Koob, Partner bei KPMG Audit, am Donnerstag während der Jahresabschlussveranstaltung des „International Bankers Forum“ (IBF Luxembourg) in der Banque de Luxembourg lieferte. Ob Wirtschaftsflaute der Eurozone, Miniinflation oder Ebola-Epidemie, der Finanzplatz Luxemburg scheint von den verstärkten Unsicherheiten der Märkte nicht nachhaltig betroffen zu sein, erklärte der 
Experte.

Als Beispiel der Resistenzfähigkeit nannte er Luxemburgs erneute „Triple A“-Bewertung und Wachstumsprognosen von 2,9 Prozent für 2014. Zudem betonte er, dass die Anzahl von hier niedergelassenen Banken seit 2012 von 141 auf 149 gestiegen ist, und somit Neuzugänge die Abgänge kompensiert haben. Dabei ist seiner Ansicht nach vor allem interessant, dass der Anteil von Nicht-EU-Banken gegenüber EU-Banken sich zwischen 2011 und 2014 von 29 auf 34 Prozent erhöht hat. Ein Zeugnis der zunehmend internationaler ausgerichteten Politik des Finanzplatzes.

Eine der erfolgreichsten Renminbi-Drehscheiben

Koob stellt fest, dass die Ankündigung der Einführung des automatischen Informationsaustauschs in der Privatwirtschaft weniger drastisch als befürchtet ausgefallen ist. So verlassen hauptsächlich Kunden aus den Nachbarstaaten mit kleinen und mittleren Vermögen die luxemburgischen Banken.

Vergleichsweise stellt er fest, dass der Anteil von Kunden mit einem Vermögen von über 20 Millionen Euro zwischen 2011 und Ende 2013 von 41 auf 46,5 Prozent gestiegen ist. Der Anteil der Kunden, die aus Nicht-EU-Staaten stammen, stieg in demselben Zeitraum von 18 auf 27,2 Prozent.

Dennoch stellen sich für den Finanzplatz große Herausforderungen. So wird die Ertragslage der Banken unter der Niedrigzinspolitik leiden. Ihr Provisionsergebnis ist unter anderem durch die Kaufzurückhaltung der Kunden bereits um 1,6 Prozent gesunken. Auch muss man eher von einem Rückgang des Zinsergebnisses ausgehen.

Steigende Kosten 
durch Reportings

Mit der Einführung neuer Finanzreportings an die EZB und des 
automatischen Informationsaustauschs kommen neue Kosten auf die Banken zu. Die Sonderbelastungen durch Einzahlungen in den einheitlichen europäischen Bankenabwicklungsmechanismus (SRM) werden ab Anfang 2015 auf 1 bis 1,5 Milliarden geschätzt. Zudem werden weitere Investitionen in IT und Prozessoptimierungen unumgänglich.

„Ein nachhaltiges Ertragswachstum der Banken ist vor dem Hintergrund des sehr wahrscheinlich anhaltenden Niedrigzinsumfelds, wachsendem Margendruck und steigenden Implementierungskosten in naher Zukunft nicht zu erwarten“, warnt Walter Koob.

Dem KPMG-Experten nach werden weitere Bankschließungen, Übernahmen durch Mitbewerber oder die Verlagerung administrativer Tätigkeiten die Folge dieser Entwicklungen sein.

Koob wirft den Banken vor, dass sie sich nicht genügend auf die vorhersehbaren Entwicklungen eingestellt haben. Demnach bedarf es neuer, kreativer Geschäftsideen, wie Investitionen in IT, um Ertragswachstum zu generieren. Und um der Konkurrenz standzuhalten. Walter Koob weist darauf hin, dass Internetfirmen wie Facebook, Google und Amazon verstärkt versuchen werden, im provisionsbasierten Privatkundengeschäft Fuß zu fassen.

Den härtesten Margendruck wird es allerdings im Private Banking geben. Hier fehle es vielen an kritischer Masse, um höhere Effizienz zu generieren. Durch chinesische Banken, deren Anzahl 2015 von drei auf sieben steigen soll, laufen demnach kleine und mittlere Private Banking-Institute zudem Gefahr, dem immer 
härter werdenden Wettbewerbskampf nicht standzuhalten. „Mit der Hinwendung zum ,High net worth individual‘ (HNWI) und steigender Transparenz in der Provisionengestaltung, unter anderem durch MiFID II, ist noch kein Ende der Margenerosion im Privatkundengeschäft abzusehen“, warnt Koob.

Personalkosten werden weiterhin eine Herausforderung für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes darstellen. War die Beschäftigungslage im Finanzsektor bis jetzt mit einem Rückgang von 4,6% und 1.246 Beschäftigten seit 2008 relativ stabil, werden die 2014 angekündigten Sozialpläne ihre Wirkung erst in den nächsten Jahren zeigen. „Ein neuer Lichtblick könnte die Anpassung vieler luxemburgischer Holdings an die BEPS-Vorgaben sein, die über den verlangten Substanzausbau zu neuen Personaleinstellungen führen könnte“, hofft der Experte.

Kein Steigen der Margen 
in der Verwahrindustrie

Als besonders wichtig für den luxemburgischen Finanzmarkt sieht Koob die Systemrelevanz der Verwahrindustrie. Die anhaltende Zahl von Fondsneuauflagen beflügelt die Verwahrindustrie und die 67 Depotbanken und acht PSF verwahren insgesamt 3,6 Milliarden Dollar an Assets. Dennoch ist ein Steigen der Margen nicht erkennbar. „Aus Kosten- und Risikoaspekten delegieren kleinere Depotbanken verstärkt an Global Custodians, während größere Player zur Auslagerung von Verwahrfunktionen außerhalb Luxemburgs neigen“, erklärt Koob.

Sehr entspannt sieht es hingegen in der Fondsindustrie aus, wo Luxemburg ein Gravitationszentrum bleiben wird. Die Mittelzuflüsse der ersten acht Monate beliefen sich auf 335 Milliarden Euro. „Durch die Entwicklung von einem Fondsdomizil zu einem vollumfänglichen Servicezentrum wird die Bedeutung Luxemburgs als Hub, insbesondere für den grenzüberschreitenden Vertrieb, weiter zunehmen“, weiß Koob. So profitiert Luxemburg bereits von der Internationalisierung und Liberalisierung der chinesischen Währung. „Luxemburg entwickelt sich in Europa zu einer der erfolgreichsten Renminbi-Drehscheiben“, erklärte Koob und deutete auf ein Wachstum von 517% in den ersten neun Monaten von 2014. So befindet sich Luxemburg nach London an zweiter Stelle für Zahlungen in Renminbi.

Auch durch die frühe Umsetzung der Richtlinie über die Verwalter alternativer Investmentfonds (AIFMD) konnte Luxemburg sich frühzeitig als Exzellenzzentrum für alternative Fonds positionieren. Dennoch wird es durch die Finanzmarktrichtlinie MiFID II und UCITS V weiterhin Kostenbelastungen geben.

Nach dem jüngsten LuxLeaks-Skandal empfiehlt Koob: „Luxemburg sollte konsequent und glaubwürdig den eingeschlagenen Weg zur Steuertransparenz fortführen.“


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