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Finanzinvestor Albert Frère ist tot
Albert Frère war laut "Forbes" der reichste Belgier.

Finanzinvestor Albert Frère ist tot

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Albert Frère war laut "Forbes" der reichste Belgier.
Wirtschaft 2 Min. 03.12.2018

Finanzinvestor Albert Frère ist tot

Der 92-Jährige war laut "Forbes" der reichste Belgier. Durch seine Investitionen spielte Albert Frère auch in Luxemburg über Jahrzehnte eine Schlüsselrolle.

(mth/lb/AFP) - Der belgische Finanzinvestor Albert Frère ist im Alter von 92 Jahren verstorben, wie seine Holdinggesellschaft "Groupe Bruxelles Lambert" (GBL) am Montag mitteilte. Albert Frère war laut dem Wirtschaftsmagazin "Forbes" mit einem geschätzten Privatvermögen von rund 4,1 Milliarden Euro der reichste belgische Staatsbürger.

"GBL hat die traurige Pflicht, den Tod von Albert Frère bekannt zu geben. Während mehr als drei Jahrzehnten hat sich GBL unter seiner Führung zu einer der wichtigsten Holdinggesellschaften Europas entwickelt. Seine menschlichen und beruflichen Qualitäten haben unsere Unternehmensgruppe nachhaltig verändert", hieß es in einer Mitteilung der Gesellschaft. GBL ist seit mehr als 60 Jahren an der Börse notiert und erreichte im September 2018 eine Kapitalisierung von 15 Milliarden Euro. Die Holdinggesellschaft, deren luxemburgischer Ableger "GBL Verwaltung" heißt, ist unter anderem an Unternehmensgruppen wie Pernod Ricard, LafargeHolcim, Total und Adidas beteiligt.

Albert Frère wurde am 4. Februar 1926 in Liège als Sohn eines Eisenwarenhändlers geboren. Sein Vermögen erarbeitete er sich zunächst an der Spitze des Familienunternehmens Frère-Bourgeois. Anschließend stieg er im großen Stil in den Handel mit Stahlprodukten ein. In den 1970er Jahren kontrollierte Frère einen Großteil der Stahlproduktion in Charleroi. Während der Stahlkrise Anfang der 1980er Jahren veräußerte Frère seine Anteile in der Stahlindustrie wieder und stieg mit dem Erlös in die Finanzindustrie ein.

Investitionen in Luxemburg

Anfang der 80er-Jahre hob Albert Frère die Schweizer Gesellschaft Pargesa aus der Taufe und übernahm die Kontrolle von GBL, der unter anderem damals der drittgrößte private Energiekonzern Tractebel angehörte.  Die Übernahme von GBL sicherte ihm wichtige Beteiligungen in Luxemburg: 15 Prozent der ganzen Aktiva der belgischen Firma entfielen 1982 auf das Großherzogtum, darunter die Banque internationale à Luxembourg (BIL) und die Compagnie luxembourgeoise de télédiffusion (CLT). Außerdem war Frère indirekt beim Satellitenbetreiber SES, der Coditel, der Cegedel und der Arbed beteiligt. Zusammen mit Gaston Schwertzer gründete Frère 1988 BIL Participations, die später zur Luxempart wurde.

 1992 verkaufte die BIL ihre Anteile der BIL Participations an die Foyer-Gruppe. Albert Frère sicherte sich beim Verkauf die CLT-Aktien zu einem günstigen Preis. 1997 verhandelte Frère die Fusion mit der Bertelsmann Filiale UFA. In die Kritik geriet er allerdings, als er seine 30-prozentige Beteiligung der neu gegründeten RTL Group 2001 an die Bertelsmann AG abgab. Für ihn war das Geschäft äußerst lukrativ: Er erhielt im Gegenzug 25 Prozent des deutschen Medienkonzerns und sicherte sich das Recht, das Paket an die Börse zu bringen. Insgesamt kassierte Albert Frère 4,5 Milliarden Euro als Bertelsmann ihm dieses Paket 2006 wieder abkaufte.

 1998 wurde ihm der „Ordre grand-ducal de la couronne de chêne“ überreicht. Bei der Preisverleihung lobte ihn der damalige Premier Jean-Claude Juncker: „Albert Frère ist ein unabdingbarer Geschäftsmann. Er hatte stets seine Bewunderer und seine Kritiker. Ich fand es immer beeindruckend, wie er seine Niederlagen in bemerkenswerte Erfolge umwandeln konnte, die auch Luxemburg zu Gute kamen“.   


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