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Finanzhilfe für Handwerker bei der Digitalisierung
Wirtschaft 3 Min. 26.06.2020

Finanzhilfe für Handwerker bei der Digitalisierung

Punkten durch Digitalisierung: Wer moderne Fertigkeiten und Instrumente hat, ist anderen einen Schritt voraus.

Finanzhilfe für Handwerker bei der Digitalisierung

Punkten durch Digitalisierung: Wer moderne Fertigkeiten und Instrumente hat, ist anderen einen Schritt voraus.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 3 Min. 26.06.2020

Finanzhilfe für Handwerker bei der Digitalisierung

Marco MENG
Marco MENG
Betrieben winkt mit „Fit 4 Digital Package Artisanat“ Förderung von 5.000 Euro.

Wenn das Handwerk die Weichen für die Zukunft stellt, muss Digitalisierung eine zentrale Rolle spielen, so am Donnerstag Tom Oberweis, Präsident der Handwerkskammer.  

Die aktuelle Covid-Krise zeige, wie wichtig eine gelungene Digitalisierung sei, so der Handwerksvorsitzende. Um das weiter zu fördern, hat die Handwerkskammer zusammen mit dem Mittelstandsministerium sowie Luxinnovation und dem House of Entrepreneurship das Programm „Fit 4 Digital Package Artisanat“ für Betriebe unter 50 Mitarbeiter gestartet. Sie werden vom Ministerium mit 5.000 Euro unterstützt, wenn sie erste Schritte in Richtung Digitalisierung unternehmen und digitale Mittel in ihrem Betrieb einsetzen.

Noch Luft nach oben

Die Online-Präsenzrate der Handwerksunternehmen im Land hat sich seit 2017 nicht erhöht, und die Hälfte der Unternehmen nutzt noch nicht die kostenlosen Marketingressourcen, die ihnen das Internet bietet.

Auch die digitalen Produktionsverfahren wie 3D-Druck werden noch wenig genutzt. Das zeigt eine Umfrage der Chambre des Métiers von Ende 2019 zum Grad der Digitalisierung der Handwerksbetriebe. Sie wurde gestern in der Handwerkskammer vorgestellt und mit einer ersten Umfrage aus dem Jahr 2017 verglichen.

Digitalisierung hilft, produktiver zu werden.  

Als größte Herausforderungen nannten die Handwerksbetriebe – die Umfrage fand vor Pandemie-Ausbruch statt – immer niedrigere Verkaufspreise, die die Gewinnspannen der Unternehmen erheblich schmälern sowie die Konkurrenz durch E-Commerce und internationale Ketten. 

„Digitalisierung“, erklärt Oberweis, „soll nicht um der Digitalisierung willen geschehen, sondern hilft den Betrieben, sich effizienter und produktiver zu gestalten.“ Prozesse wie Fakturierung zum Beispiel können auch Handwerksbetriebe leicht automatisieren. 

Laut Handwerkskammer könne die aktuelle Krisenzeit auch eine Gelegenheit für innovative Unternehmer sein, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken, damit ihr Unternehmen gestärkt aus dieser Krise hervorgeht. Auch die Berufsausbildung im Handwerk werde immer mehr von Digitalisierung geprägt und desgleichen bei den Meistertiteln spielt sie eine größere Rolle.

Anne Majerus, die bei der Handwerkskammer den Service „eHandwierk“ leitet, verweist darauf, dass sich die meisten Betriebe bereits mit Digitalisierung befasst haben, ein großer Teil aber noch gar nicht. „Während die Internetseite vieler Betriebe 2017 noch statisch war, haben die meisten Betriebe inzwischen damit begonnen, ihre Webseiten aktiv zu managen.“ 

Seit der Gründung 2018 hat der „eHandwierk-Service“ der Handwerkskammer mehr als 270 Unternehmen bei ihrer digitalen Transformation unterstützt. Mehr als 2.000 Teilnehmer haben die 42 Konferenzen, Workshops, Webinare und Besuche genutzt, die der Dienst zum Thema Digitalisierung organisiert hat. „Die Zahlen zeigen, dass die Anstrengungen der letzten zwei Jahre Früchte getragen haben“, so Oberweis. Neue Businessmodelle und die Nutzung neuer Technologien seien aber noch deutlich ausbaubar, so Oberweis.


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In der aktuellen Krise nun haben viele Betriebe auch die Webplattform „letzshop“ entdeckt, sodass ungefähr 15 Prozent der dort teilnehmenden Unternehmen inzwischen aus dem Handwerk kommen. „Die Coronakrise hat gezeigt, dass es negative Konsequenzen hat, wenn man gar nicht digitalisiert ist, das fängt mit dem Kontakt zum Kunden an“, sagt Mittelstandsminister Lex Delles. Er rief gestern den Mittelstand, „das Rückgrat der Luxemburger Ökonomie“ dazu auf, den nächsten Schritt der Digitalisierung mit Unterstützung der Handwerkskammer zu gehen.

Ausbildungshilfen im Gespräch

Wie Delles erklärt, gibt es in der Regierung Überlegungen, die Ausbildung zu fördern und sich an den Kosten zu beteiligen, damit Unternehmen wieder mehr ausbilden. „Wenn nächstes Jahr nicht ausgebildet wird, haben wir in drei, vier, fünf Jahren ein Problem“, so Delles. Darum sei es wichtig, dass Luxemburger Betriebe auch in Zeiten der Krise ausbilden.

Mit 7.800 Unternehmen und 98.000 Beschäftigten ist das Handwerk nach wie vor der führende Arbeitgeber im Großherzogtum. Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Unternehmen im Sektor um rund 320 Einheiten, rund 3.300 neue Arbeitsplätze entstanden. In den nächsten zehn Jahren werden im Handwerk bis zu 23.000 Personen – ein Viertel der derzeitigen Beschäftigten – in den Ruhestand treten und müssen ersetzt werden. 

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