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Finanzbildung: Die wundersame Geldschöpfung
Wirtschaft 2 Min. 03.06.2016

Finanzbildung: Die wundersame Geldschöpfung

Der Bankschalter ist der Teil der Finanzwelt, die wir kennen. Doch heute sind die Geldströme größtenteils virtuell und lassen sich nur schwer kontrollieren.

Finanzbildung: Die wundersame Geldschöpfung

Der Bankschalter ist der Teil der Finanzwelt, die wir kennen. Doch heute sind die Geldströme größtenteils virtuell und lassen sich nur schwer kontrollieren.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 2 Min. 03.06.2016

Finanzbildung: Die wundersame Geldschöpfung

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Wir haben alle ein Bankkonto und viele einen Kredit. Doch kaum jemand weiß, was Banken genau mit unserem Geld machen. Über die Hintergründe von Krediten und den Verlockungen der Finanzmärkte klärt der Verein Etika in einer Veranstaltungsreihe auf.

Von Laurent Schmit

Der Finanzplatz trägt wesentlich zum Reichtum Luxemburg bei und doch bleibt er vielen ein Rätsel. Eine Bank verwaltet das Geld auf Sparkonten und vergibt Kredite – soviel war auch den Zuhörern beim Seminar des Vereins Etika klar. Doch kompliziert wird es bei der Frage, woher die Bank die Mittel nimmt, um etwa Kredite zu vergeben.

Geld aus dem Nichts

Das zentrale Konzept ist dabei die Geldschöpfung durch Banken, erklärte Jean-Sébastien Zippert von Etika. Banken gewähren Kredite in einer Höhe, die weder von den Einlagen ihrer Kunden noch von ihrem Eigenkapital gedeckt sind. Dabei wird sogenanntes Buchgeld geschaffen, das heißt Geld, das erstmals nur in den Bilanzen der Bank existiert.

Begrenzt wird diese wundersame Geldschöpfung jedoch durch die Liquidität, die die Zentralbank zur Verfügung stellt und die Eigenkapitalanforderungen. Letzteres heißt, dass das Eigenkapital der Bank zwischen fünf und zehn Prozent der Vermögenswerte entspricht, mit denen sie arbeitet, erklärte Zippert.

Der Reiz der Finanzmärkte

Gewähren die Banken etwa Unternehmen oder Privatpersonen Kredite, dann tragen sie zum Funktionieren der Wirtschaft bei. Das Problem sei aber, so Zippert, dass Banken seit den Siebzigerjahren mehr Finanzgeschäfte machten und relativ gesehen weniger zur Realwirtschaft beitrugen.

Die Finanzmärkte erlauben den Banken höhere Renditen zu machen und gleichzeitig liquide zu bleiben, anders als bei Krediten mit langen Laufzeiten. Das Spekulieren auf den Finanzmärkten birgt jedoch ein größeres Risiko.

Die Realwirtschaft als Geisel

Nach dem Krach von 1929 erzwang die US-Regierung deshalb die Trennung zwischen den Geschäfts- und Investmentbanken, um das Risiko einzugrenzen. Spätestens mit der Deregulierung in den Neunzigerjahren verschwand diese Trennung zwischen dem Kreditgeschäft und den Finanzmärkten.

Das Problem: Geraten die Banken wie 2008 durch ihre Finanzgeschäfte in Schwierigkeiten, dann leidet auch die Realwirtschaft. Ein Mittel, um das zu ändern, seien alternative Banken, die weniger auf Rendite setzen, meinte Zippert. Eine ältere Dame überzeugte das nicht: „Das System wird vorher zusammenbrechen!“

In der Reihe "Finance citoyenne" bietet Etika zusammen mit 4motion asbl, CELL, ATTAC Luxembourg, den Rotondes und dem belgischen Partner Financité Seminare über Geldanlagen und die Finanzwirtschaft. Mehr Infos unter www.etika.lu.


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