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Filialsterben: "Einzelhandel wird darunter leiden"
Wirtschaft 2 Min. 23.10.2020

Filialsterben: "Einzelhandel wird darunter leiden"

Die Filiale der BGL BNP Paribas in Esch/Alzette ist eine von sieben Zweigstellen, die schließt.

Filialsterben: "Einzelhandel wird darunter leiden"

Die Filiale der BGL BNP Paribas in Esch/Alzette ist eine von sieben Zweigstellen, die schließt.
Foto: Guy Wolff
Wirtschaft 2 Min. 23.10.2020

Filialsterben: "Einzelhandel wird darunter leiden"

Marlene BREY
Marlene BREY
Corona beschleunigt die Schließung von Bankfilialen. Zwei Orte erwischt es gleich doppelt.

Im Februar war es die Spuerkeess, die ankündigte, elf Filialen im Land zu schließen. Jetzt folgt die BGL BNP Paribas mit sieben Zweigstellen. Zwei Standorte trifft es dabei gleich doppelt: Fels und Wasserbillig. 

Im Stich gelassen

Schon beim ersten Mal fühlten sich die Einwohner im Stich gelassen und fürchteten, der Schließung könnten weitere folgen. Nun ist genau das eingetroffen. „Wir haben damit gerechnet, können aber nichts dagegen tun“, sagt Jérôme Laurent. Er ist Bürgermeister der Gemeinde Mertert, zu der Wasserbillig gehört. 

„Der Einzelhandel wird darunter leiden“, prophezeit der LSAP-Politiker. Bisher kamen nämlich auch Kunden aus Nachbargemeinden zur Bank und gingen anschließend einkaufen. Auf die ist man in Corona-Zeiten besonders angewiesen.

Ich selbst war lange in keiner Filiale mehr.

Laurent Zeimet, Bürgermeister von Bettemburg

Bettemburg ist ebenfalls von der Schließung einer BGL-Filiale betroffen. Bürgermeister Laurent Zeimet (CSV) findet das aber nachvollziehbar. „Ich vertraue da dem Markt. Banken können rechnen. Wenn es sich für sie nicht mehr lohnt, dann ist das so.“ Und er fügt hinzu: „Ich selbst war lange in keiner Filiale mehr. So geht es sicher vielen.“ 

Schub für die Digitalisierung

Die sieben Filialen der BGL wurden im Lockdown geschlossen – und danach nicht wieder geöffnet. Da ist sie wieder: die Verbindung aus Corona-Krise und der Beschleunigung digitaler Trends. 


Wi , Spuerkeess Larochette , Sparkassen Fillialen werden geschlossen , BCEE Fiels , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
BCEE: Frust über Schließung in Fels
Am 14. Februar gab die Banque et Caisse d’Epargne (BCEE) bekannt, dass sie elf Filalien schließen werde – darunter auch jene in Fels. Dort sind die Einwohner alles andere als froh über diese Entscheidung.

Banken mussten im Lockdown digital aufholen und taten es. „In der Kommunikation mit den Kunden sind enorme Fortschritte erzielt worden“, erklärt Jörg Ackermann, Partner und Bankenexperte bei der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). 

Viele Kunden nahmen und nehmen dieses neue Angebot an. Nach dem Lockdown hat die BGL „einen sehr starken Anstieg“ beim Online-Banking verzeichnet, wie die Bank mitteilt. „Angesichts der Veränderungen im Kundenverhalten“ passe die Bank nun also ihr Angebot an. 

Viele nutzen für ihre Geschäfte mittlerweile lieber das Smartphone, als sich auf den Weg in die Filiale zu machen.  

Alltägliche Bankgeschäfte, aber auch die Aufnahme von Krediten oder Anlageberatung werden mehr und mehr online abgewickelt. So war es schon vor Corona. Laut dem Bankbericht der Beratungsfirma McKinsey nutzten bereits 2018 über 65 Prozent der Europäer Onlinebanking. Die Entwicklung „beschleunigt sich vor dem Hintergrund der Gesundheitskrise”, so die BGL. 


Wi , 100 Jahre Banque Generale , BGL-BNP-Paribas , Siege Kirchberg Foto: Guy Jallay/Luxemburger Wort
BGL schließt sieben Agenturen
BGL BNP Paribas hat am Donnerstag angekündigt, sieben Filialen zu schließen.

Der Bankexperte bestätigt das. „Viele nutzen für ihre Geschäfte mittlerweile lieber das Smartphone, als sich auf den Weg in die Filiale zu machen. Nicht zuletzt im Lockdown hat sich gezeigt, dass die perfekte App eigentlich die ist, die den Gang zur Filiale überflüssig macht“, erklärt Ackermann. 

Viele Kosten, wenige Kunden

Noch stehen Filialen und Online-Banking nebeneinander. „Der Übergang ist schmerzhaft für die Banken, weil sie für einen kleiner werdenden Teil der Bevölkerung noch die gleichen Kosten tragen müssen“, so Ackermann. Das hat Konsequenzen. 

Aktuelle Zahlen der Europäischen Zentralbank zeigen, dass die Schließung von Filialen ein europäischer Trend ist. Die Zahl der Mitarbeiter ging im letzten Jahr in 20 EU-Staaten um durchschnittlich 0,9 Prozent zurück. 2019 wurden im Durchschnitt 6,3 Prozent der Filialen geschlossen – in manchen Ländern bis zu 37 Prozent.

In Luxemburg war die Anzahl der Filialen lange relativ stabil. Im Jahr 2014 gab es laut ABBL 221 Filialen, 2018 waren es 210. Mit der Corona-Krise scheint der Trend auch hierzulande einzuschlagen. Verlierer sind oft ältere Kunden. „Nicht alle sind online“, gibt Ackermann zu bedenken.

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Schliessung von Sparkassenfilialen,BCEE,hier:Belair,av. du X Septembre.Foto:Gerry Huberty