Feuer und Flamme fürs Handwerk

Martin Antony hat 2007 das elterliche Ofen- und Kaminbauunternehmen übernommen

Bei Emil Antony in Mertert blieb der Betrieb nach dem Generationswechsel in Familienhand. Sohn Martin Antony (rechts) ist heute Geschäftsführer.
Bei Emil Antony in Mertert blieb der Betrieb nach dem Generationswechsel in Familienhand. Sohn Martin Antony (rechts) ist heute Geschäftsführer.
Foto: Guy Jallay

(aa) -  Es gibt sie noch die luxemburgischen Handwerksbetriebe, die innerhalb der Familie übernommen und fortgeführt werden, so wie die Firma Emil Antony in Mertert. Allerdings ist dies nicht mehr die Regel. In den 6000 Unternehmen der Branche stehen jährlich rund 200 Generationswechsel an. Wenn die Betriebe an sich bestehen bleiben, übernimmt in der Mehrzahl der Fälle ein Angestellter oder ein Externer die Geschäfte.

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Handwerker wollte er werden - das wusste Martin Antony schon in jungen Jahren. Allerdings zog es ihn nicht sofort ins Unternehmen seines Vaters Emil Antony, der sich seit 1977 mit Schornstein-Reinigung und -Sanierung sowie im Kachelofen- und Kaminbau einen Firmennamen gemacht hatte.

Der Sohn entschied sich erst einmal für eine Schreinerlehre. „Von zuhause wurde ich zu nichts gedrängt. Mein Vater Emil hatte eine künstlerische Ader, die er jedoch in seiner Jugend nicht ausleben konnte. Daher hatte er Verständnis für mich, als ich mich auf andere Weise versuchen wollte“, so Martin Antony. Nach zwei Jahren musste der Filius die Säge allerdings wieder an den Nagel hängen. Eine Stauballergie machte ihm gesundheitlich derart zu schaffen, dass er seinen eigenen Traum vom Handwerk vorerst begraben und die Ausbildung abbrechen musste.

Der Sinneswandel kam während der Lehre

Daraufhin fragte Martin beim Vater an, ob der jemanden fürs Büro brauche. „Nein“, lautete die Antwort, „aber einen guten Handwerker bräuchte ich hier im Betrieb schon.“ Der Seniorchef setzte sich zu dieser Zeit dafür ein, dass auch im Großherzogtum eine fachspezifische Ausbildung für sein Metier angeboten werden sollte. So kam es, dass der Junior als erster hier im Land die Lehre zum Schornsteinfeger und Ofensetzer absolvierte. Im elterlichen Betrieb, wo Schornsteinfeger, Kachelofenbauer, aber auch Steinmetze und Dachdecker arbeiten, konnte er eine Menge lernen.

 „Während meiner Lehre kam bei mir das Umdenken“, sagt Martin Antony heute. Mit der Meisterprüfung als Bauunternehmer schloss er 2005 seine berufliche Ausbildung ab. Damals stand für ihn längst fest, dass er den Betrieb des Vaters fortführen würde. „Ich habe einen sehr vielseitigen Beruf gewählt, mag den Kontakt mit den Leuten und - das ist auch wichtig - man sieht ein Ergebnis, wenn die Arbeit beendet ist.“

2007 war es dann soweit. Der Vater zog sich aus dem Berufsleben zurück. „Wegen seiner künstlerischen Aktivitäten konnte mein Vater gut loslassen, was in anderen Betrieben vielleicht nicht immer so der Fall ist“, erinnert sich Martin Antony. Damit hatte der Sohn praktisch die alleinige Verfügungsgewalt, aber auch alle Hände voll zu tun. „Diese riesige Verantwortung, war mir nicht von Anfang an bewusst“, sagt er heute. „Plötzlich musste ich entscheiden und meinte alles alleine machen zu müssen, ohne zu delegieren.“ Der frisch gebackene Chef besuchte einige Ausbildungen in Unternehmensführung und brachte bis 2008 ein ziemlich hartes Jahr hinter sich. „Ich wurde damals schon etwas ins kalte Wasser geworfen, habe mich auf diese Weise aber auch bewähren können. Zu meinem Vater habe ich stets ein gutes Verhältnis behalten und bin ihm sehr dankbar, dass er mich so hat schalten und walten lassen.“ Heute führt Martin Antony das Unternehmen „Emil Antony“ mit seinen etwa 30 Mitarbeitern als alleiniger Geschäftsführer.

Fachkräftemangel bereitet ernste Sorge

Wie in anderen luxemburgischen Handwerksbetrieben bereitet auch der Firma Antony der Fachkräftemangel ernste Sorge. In diesem besonderen Fall ist es sogar schwierig im benachbarten Ausland qualifizierte Angestellte zu finden. „Seit in Deutschland das Schornsteinfeger-Monopol abgeschafft wurde und neben dem Bezirksschornsteinfeger auch andere Fachkräfte die Wartungsarbeiten durchführen dürfen, haben wir noch weniger Bewerber“, sagt Antony. Hinzu kommt das Problem mit dem Lehrlingen. „Handwerker und ihre Arbeit werden in Luxemburg zwar geschätzt und respektiert. Gleichzeitig möchten viele Leute aber nicht, dass ihre Kinder so einen Beruf lernen. Auf diese Weise meldet sich bei uns nur selten der motivierte Nachwuchs den wir bräuchen, sondern oft jene, die nichts anderes finden.“ So ist es zu erklären, dass die Firma Antony zurzeit keinen Lehrling hat. „Ich habe anspruchsvolle Kunden. Alle kommen aus Luxemburg. Zu 80 Prozent sind es Privatleute. Da muss ich wählerisch mit meinen Mitarbeitern sein und kann nur motiviertes Personal gebrauchen.“ Nach Martin Antony haben gerade einmal vier Leute die Ausbildung zum Schornsteinfeger-Ofensetzer absolviert. Einer davon ist heute noch im Betrieb.

Trotz mancher betrieblicher Herausforderung plagen Antony keine Zukunftsängste. „Wenn in ein paar Jahren das Passivhaus für Neubauten zum Standard wird, sind wir mit der Lüftungsreinigung weiter im Geschäft. Oder die Eigenheimbesitzer nehmen sich für den Winter zu ihrer Wärmepumpe noch einen Zimmerofen dazu. Wir sind vielseitig und gehen weiter mit der Zeit.“