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Festival der „Mini-Entreprisen“ startet
Wirtschaft 4 Min. 22.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Festival der „Mini-Entreprisen“ startet

Bürgermeisterin Lydie Polfer (Mitte) und Schöffe Serge Wilmes (rechts) im Pop-up-Shop.

Festival der „Mini-Entreprisen“ startet

Bürgermeisterin Lydie Polfer (Mitte) und Schöffe Serge Wilmes (rechts) im Pop-up-Shop.
Fotos: Steve Eastwood
Wirtschaft 4 Min. 22.03.2021 Aus unserem online-Archiv

Festival der „Mini-Entreprisen“ startet

Eine Woche lang stellen jeden Tag drei andere Jungunternehmen ihre Geschäftsidee vor.

(mab) - Im Pop-up-Store steht ein junger Typ in einem rostfarbenen Kostüm und reicht Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) ein Fläschchen mit Zitronensirup. Sie bezahlt die sieben Euro in Bar und zeigt, was das Gebot der Stunde ist: „Kaaft lokal“

Der junge Mann heißt Joe Delli Zotti, ist 15 Jahre alt, und das Kostüm, das er trägt, ist das Maskottchen der kleinen Firma, die er gemeinsam mit seinem 18-jährigen Bruder gegründet hat. Das Maskottchen hat die Form einer Flasche, denn Joe und sein Bruder verkaufen hier Fruchtsirup „made in Luxembourg“.

Der Besuch der Bürgermeisterin ist der Auftakt zum Festival der Mini-Entreprisen. Eine Woche lang schlagen im städtischen Pop-up-Store in der rue Philippe II Jungunternehmen für einen Tag ihre Zelte auf und zeigen ihre Geschäftsideen aus dem Schulprojekt „Jonk Entrepreneuren“. 


Wirtschaft, Geschäftsidee, Pop-Up Store, Concept Store,  Grand-Rue, Sumo, Charles Mersch und Michala Mihalikova  Foto: Luxemburger Wort/Anouk Antony
Stadt Luxemburg: Die Pop-ups sind los
Temporäre Geschäfte, die sogenannten Pop-up-Stores, füllen in der Krise Lücken in der Innenstadt. Für manche ist es der Start in die Selbstständigkeit.

In insgesamt 96 Teams, bestehend aus zwei bis zehn Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren, haben die Schüler seit September Ideen für eine Selbstständigkeit ausgearbeitet. Mit Hilfe von Lehrern, externen Coaches aus der Wirtschaft und Methoden wie Design Thinking haben sie nach Problemen gesucht, die sie als Unternehmer lösen wollen. 

21 Teams stellen nun ihre Ergebnisse vor. Kunden können bis Freitag, 26. März, von 12.30 Uhr bis 19 Uhr und am Samstag von 9 bis 18 Uhr stöbern gehen. 

Für die jungen Unternehmer ist es der erste „Reality Check“, ob ihre Geschäftsidee funktioniert, wie Serge Wilmes (CSV), erster Schöffe der Stadt Luxemburg und zuständig für den Einzelhandel, sagt. Das Luxemburger Wort stellt drei der Mini-Entreprisen vor:

Fruchtsirup von Delli'cious  


Joe Delli (15) und sein Bruder Bob haben Delli'cious gegründet und produzieren jetzt Fruchtsirup.
Joe Delli (15) und sein Bruder Bob haben Delli'cious gegründet und produzieren jetzt Fruchtsirup.
Photo: Steve Eastwood

Joe Delli (15) präsentiert seinen Fruchtsirup in einem rosafarbenen Kostüm mit blauen Ärmeln. Es ist das Maskottchen seiner kleinen Firma namens „Delli'cious“. Es hat die Form einer Flasche und ist so grell, weil viele der Sirupe aus Himbeere, Granatapfel oder Erdbeere die gleiche Farbe haben. 

Die Idee zur eigenen Produktion kam ihm und seinem 18-jährigen Bruder Bob, als letzten Sommer der Garten voller Früchte war und sie nicht wussten, wohin damit. Nun brauen sie ihre bunten Säfte in der Schulküche und verkaufen sie über ihre eigene Webseite, Facebook und Instagram. 

Im Pop-up-Shop kann man bar bezahlen, online mit Digi-Cash. Geliefert wird dann per Post. Bisher laufe das Geschäft richtig gut, sagt Joe. Seit September haben er und sein Bruder 600 Flaschen verkauft. 

Wenn es so weiter geht, dann möchten sie ihre kleine Firma auch fortführen, sobald das Schulprojekt im Juni endet. Gelernt haben die beiden eine Menge, sagt Bob. Vor allem sein Zeitmanagement, aber auch sein Französisch haben sich verbessert, weil die meisten Kunden aus der Nachbarschaft an der belgischen Grenze kommen. Sein Lieblingssirup: Zitrone.

Tragehilfe von Carry-Aid

Chyenne Chrisnach (18) und ihre vier Mitgründer nennen die Firma und das Produkt „Carry Aid“ – also Tragehilfe.
Chyenne Chrisnach (18) und ihre vier Mitgründer nennen die Firma und das Produkt „Carry Aid“ – also Tragehilfe.
Foto: Steve Eastwood

Chyenne Chrisnach (18) steht hinter einem Tisch, auf dem kleine Rollen aus Stoff liegen, alle in unterschiedlichen Farben und jeweils mit zwei Knöpfen daran. Sie und ihre vier Mitgründer nennen die Firma und das Produkt „Carry Aid“ – also Tragehilfe. 

Die Funktionsweise: Man schlägt das Stück Stoff um den Henkel der Handtasche oder des Einkaufsbeutels. So polstert der Stoff den Trageriemen ab und dieser liegt schön weich auf der Schulter oder in der Hand. Gemacht sind die Alltagshelfer aus Altkleidern. Genäht werden die Accessoires von der Tante einer der Gründerinnen. 


WI, Concept Store "Manalena" ,Magdalena Oliva. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Concept Stores erobern die Innenstadt
Große Ketten verlassen das Zentrum. Dafür kommen kleine Boutiquen und bieten, was Konsumenten wollen: Nähe und Nachhaltigkeit.

Chyenne ist für die Buchhaltung der kleinen Firma zuständig. Ob sich ihre Idee auszahlt, wissen die Jugendlichen noch nicht, sie sind erst seit zwei Wochen auf dem Markt. Aber gelernt habe sie schon jetzt viel, vor allem über Social Media, sagt Chyenne. Sie vermarkten ihr Produkt über Instagram, Facebook und die Plattform Tiktok. Dafür wollen sie bald auch kleine Werbevideos drehen und hochladen. Ob es nach dem Schulprojekt weitergeht, wissen die Gründer derzeit noch nicht. Chyennes Lieblings-Carry-Aid steht dagegen fest: Es ist das weiße Polster mit lilafarbenen Knöpfen.

Kosmetik von Natural Beauty

Luna Massaro (18) hat mit sechs weiteren Mädchen „Natural Beauty“ gegründet - ein Online-Shop für Bio-Kosmetik.
Luna Massaro (18) hat mit sechs weiteren Mädchen „Natural Beauty“ gegründet - ein Online-Shop für Bio-Kosmetik.
Foto: Steve Eastwood

Luna Massaro (18) hält ein Herz aus Seife in den Händen. Sie trägt einen Pulli und einen Mundnasenschutz mit dem eigenen Firmenlogo „Natural Beauty“. Dahinter stecken sieben Mädchen. Das Outfit tragen sie auch in der Schule, um Werbung für ihre Firma zu machen. Ursprünglich wollten sie ihre eigene Kosmetiklinie aus Früchten rausbringen. Aber die Haltbarkeit der Produkte war ein Problem. 

Jetzt haben sie ihren eigenen Online-Shop gegründet, in dem sie ausschließlich Bio-Produkte verkaufen, meist aus lokaler Produktion: Seifen, Cremes, Badekugeln. So wollen sie den großen Ketten eine nachhaltige Konkurrenz entgegensetzen. Wo es geht, verzichten sie auf Plastik; es gibt Kosmetiktücher und Reisetaschen aus Stoff. 

Ihre Ware haben sie vorfinanziert. Das Geld dafür wurde über Crowdfunding eingenommen. „Ein Risiko ist das schon“, sagt Luna. Wenn es aber gut anläuft, kann sie sich vorstellen, den Shop auch nach dem Schulprojekt fortzuführen. Luna ist Direktorin der kleinen Firma und hat vor allem gelernt, auf Kunden zuzugehen, sagt sie, und Verantwortung zu übernehmen. Das Lieblingsprodukt von Bürgermeisterin Lydie Polfer: eine Hautcreme. 

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