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Fernwärmenetz Sudcal: ArcelorMittal heizt Belval ein
Die bisher ungenutze Ofenhitze des Stahlwerks wird ab Mai für wollige Wärme im Viertel sorgen.

Fernwärmenetz Sudcal: ArcelorMittal heizt Belval ein

Pierre Matgé
Die bisher ungenutze Ofenhitze des Stahlwerks wird ab Mai für wollige Wärme im Viertel sorgen.
Wirtschaft 2 Min. 11.01.2018

Fernwärmenetz Sudcal: ArcelorMittal heizt Belval ein

Laurent SCHMIT
Vom Stahlofen bis zur Shoppingmall ist es nur ein Sprung: Die räumliche Nähe ermöglicht die Nutzung der Abwärme der Walzstraße um 180 Gebäude im Viertel zu beheizen. Das spart mächtig Energie und ist ein Vorbildprojekt der Rifkin-Strategie.

(las) - Die roten Türme des Bil-Gebäudes, Beval Plaza 1 und 2 sowie knapp 180 weitere Gebäude in Belval werden über das Fernwärmenetz Sudcal geheizt. Ab Mai werden die 22 Kilometer langen Sudcal-Leitungen von der überschüssigen Hitze aus dem Werk Belval von ArcelorMittal gespeist.

Genauer handelt es sich um die Abwärme der Walzstraße 2, die Spundwände herstellt. Dazu wird der Rohstahl auf 1.300° C erhitzt, die Rauchabgase des Ofens erreichen 800° C. Diese Abwärme wird nun für das Wärmenetz, sprich "Energie, die ansonsten verloren gehen würde", wie Wirtschaftsminister Etienne Schneider betonte.

Jährliche Einsparung von 5.000 Tonnen CO2

Ein neuer Wärmetauscher kühlt die Rauchgase von 450 auf knapp 130° C ab und liefert so 70 Prozent der Energie, die Sudcal benötigt. Diese Lösung ist ein für Sudcal eine dringend benötigte Alternative, denn ursprünglich lieferte das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk Twinerg die nötige Wärme. Doch weil ArcelorMittal den vom Kraftwerk hergestellten Strom nach und nach nicht mehr abnahm, lief die Anlage immer seltener, bis im Juli 2016 die Schließung beschlossen wurde.

Ab da übernahm der gasbefeuerte Heizkessel der Sudcal die Hauptlast. Zwei mobile Heizkessel übernahmen die Backup-Funktion. Doch diese Übergangslösung ist teuer, nicht zuletzt, weil Sudcal CO2-Emissionsrechte für den Betrieb des Gaskessels kaufen muss.

Da nun die Abwärme aus dem Stahlwerk den Heizkessel für die Hauptlast ablöst, wird massiv Energie und CO2-Emissionen eingespart: "Die Menge entspricht 1,6 Millionen Liter Heizöl und 5.000 Tonnen CO2. Mit der Wärme können 4.000 Häuser nach aktuellen Baustandards geheizt werden", erklärte der Wirtschaftsminister.

Die Idee für die Nutzung der Abwärme wird kurz im Rifkin-Bericht erwähnt. Ein ähnliches Projekt hat Arcelor-Mittal bereits in Dunkerque umgesetzt - eine Region, die Rifkin ebenfalls beraten hatte. "Die Anlage in Belval ist ein Ausgangspunkt auf dem weitere Projekte hierzulande aufgebaut werden können", betonte der Landeschef des Stahlkonzerns und Generaldirektor des Werks Belval, Roland Bastian.

Investitionen von zwei Millionen Euro

Damit dies möglich wird, investierte die Gesellschaft DK Energy Luxembourg insgesamt zwei Millionen Euro. Es handelt sich um eine Tochter des französischen Konzern Dalkia, der zur EDF-Gruppe gehört. Das Unternehmen wollte das Projekt auf Nachfrage nicht kommentieren, man überlasse die Ankündigung den Kunden, so ein Sprecher.

"ArcelorMittal verdient nichts an dieser Anlage und spart auch keine Emissionsrechte ein", strich Bastian hervor. DK Energy ist als Investor zwischen Sudcal und ArcelorMittal geschaltet und refinanziert sich über Zahlungen von Sudcal. DK Energy liefere als Spezialist das nötige Know-how, so Bastian. Der Vertrag läuft auf zehn Jahre, könne anschließend aber verlängert werden, ergänzte er.

Schicksal von Twinerg-Gelände bleibt unklar

Auf dem Gelände der Twinerg steht der Heizkessel und die Pumpanlage für das 22 Kilometer lange Wärmenetz. Sudcal bleibe auf dem jetzigen Gelände und werde den Teil des Grundstücks erwerben, betonte der Präsident des Unternehmens in staatlicher Hand, Gérard Meyer. Was mit dem restlichen Twinerg-Gelände passiere, sei weiterhin unklar, sagte Wirtschaftsminister Schneider.

ArcelorMittal nutzt allerdings die gesamte verfügbare Abwärme der Walzstraße, sagte Bastian. Mit der jetzigen Lösung bleibe Sudcal jedoch ausreichend Kapazitäten, um sein Wärmenetz weiter auszubauen, so Meyer. Es gebe etwa Gespräche mit dem künftigen Südspidol.


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