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Fairer Handel: Zwischen Anspruch und Kauf
Das Fairtrade-Logo kennen weit über 90 Prozent der Menschen in Luxemburg.

Fairer Handel: Zwischen Anspruch und Kauf

Foto: Chris Karaba
Das Fairtrade-Logo kennen weit über 90 Prozent der Menschen in Luxemburg.
Wirtschaft 3 Min. 18.03.2016

Fairer Handel: Zwischen Anspruch und Kauf

Laurent SCHMIT
Jeder kennt Fairtrade-Schokolade und viele vertrauen den Produkten mit dem bunten Logo. Das Interesse am fairen Handel wächst in Luxemburg, das zeigt eine neue Ilres-Umfrage. Trotzdem bleibt ein Graben zwischen dem Kaufverhalten und dem Anspruch, faire Produkte zu unterstützen.

(las) - Neun von zehn Einwohnern in Luxemburg kennen den fairen Handel. Das sind deutlich mehr als noch 2002, wo das Konzept zwei Drittel der Befragten ein Begriff war. "Die Botschaft ist angekommen", erklärte Charles Margue von TNS Ilres, der die im Auftrag von Fairtrade Lëtzebuerg durchgeführte Online-Umfrage am Freitag vorstellte.

Zwei Drittel der 507 Befragten kaufen Fairtrade-Produkte, während drei Viertel zertifizierte Bananen, Kaffee oder Schokolade konsumieren. "Diese Zahlen zeigen einen starken Zuwachs", betonte der Präsident von Fairtrade Lëtzebuerg Jean-Louis Zeien. Vor drei Jahren lag der Anteil der Käufer von fairgehandelten Produkten bei knapp 50 Prozent.

Der Nutella-Effekt

"Ein sehr großes Potenzial" sieht Zeien für die Zukunft. Die Umfrage zeigt, dass die Menschen, die bisher nicht erreicht wurden, sehr aufgeschlossen sind: 80 Prozent wollen in Zukunft fair gehandelte Produkte konsumieren. Auf die Frage, was sie bisher davon abhält, geben sie unterschiedliche Antworten.

Der Abschied von der Lieblingsmarke - Stichwort Nutella - fällt  vielen schwer: Die Präferenz bestimmter Marken gegenüber Fairtrade-Produkten, zählt mit 64 Prozent zu den häufigsten Antworten. Allerdings erwartet die Mehrheit von den Herstellern, den Grossisten und dem Handel, dass sie den fairen Handel fördern. "Das ist ein deutliches Signal an die Produzenten und Verarbeiter in Luxemburg", sagte Zeien.

Den Preis sehen nur 36 Prozent der Befragten als Hindernis, während es 2012 noch 85 Prozent waren. Bei Bio-Produkten sei das anders, betonte Charles Margue. Ein Problem bleibt aber für 41 Prozent einen Laden zu finden, der etwa faire Schokolade verkauft.

Besonders freut Jean-Louis Zeien, dass das Vorurteil der mangelnden Qualität von Fairtrade-Produkte überwunden sei. Von Bananen über Kaffee bis zum Reis schätzen die Kunden die Qualität zu weit über 90 Prozent. Dem Label Fairtrade vertraut die Mehrheit der Luxemburger. Die Ablehnung bewegt sich über die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen verteilt bei etwa fünf Prozent, sagte Charles Margue.

Gegen Kinderarbeit und für faire Arbeitsbedingungen

"Wichtig ist den Menschen, dass sie mit dem Kauf von fair gehandelten Produkten zu Veränderungen in den Ländern des Süden beitragen können", betonte Jean-Louis Zeien. Die direkte Hilfe für Kleinbauern ist der häufigste Beweggrund für die Käufer, zeigt die Umfrage. Die soziale Verantwortung und einen fairen Preis zu zahlen sind weitere Kaufgründe, die deutlich zugenommen haben seit der letzten Umfrage 2012.

Wichtig ist den Menschen, dass sie mit dem Kauf von fair gehandelten Produkten zu Veränderungen in den Ländern des Süden beitragen können.

Bei nicht fair gehandelten Produkten sorgen sich über 80 Prozent, dass bei deren Herstellung Kinder etwa auf Kakaoplantagen ausgebeutet und Menschenrechte missachtet werden. Das Verbot von Kinderarbeit ist für die Konsumenten deshalb das wichtigste Kriterium beim fairen Handel. Weniger wichtig sei den Befragten dagegen der Natur- und Umweltschutz, meinte Charles Margue.

"Die Verbraucher sehen sich selbst in der Pflicht zum Erfolg des fairen Handels beizutragen", sagte Margue. Trotzdem gelten der Staat und die Gemeinden als wichtigster Akteur. Ein Drittel der Befragten fordert, dass Fairtrade-Produkte systematisch in den Kantinen von Schulen, Kinderbetreuungsstätten und öffentlichen Einrichtungen angeboten werden, fast die Hälfte wünscht ein regelmäßiges Angebot. Fast die Hälfte der Befragten will, das an ihrem Arbeitsplatz fair gehandelte Produkte angeboten werden - etwa im Süßigkeitenautomat.

Doch selbst wenn alle Fairtrade kennen und zumindest manchmal solche Produkte kaufen, bleiben die Marktanteile gering. Bei der Schokolade lag 2014 der Markenanteil der fairen Variante in Luxemburg bei 1,6 Prozent. Jean-Louis Zeien sieht darin eine Herausforderung: "Wir müssen uns fragen, was wir und andere konkret tun können, damit der Graben zwischen Anspruch und dem Kaufverhalten überwunden wird."


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