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„Fair“ soll keine Nische mehr sein
Jean-Louis Zeien und Geneviève Krol von „Fairtrade Lëtzebuerg“ können von einer guten Entwicklung sprechen, hoffen aber auf mehr.

„Fair“ soll keine Nische mehr sein

Pierre Matgé
Jean-Louis Zeien und Geneviève Krol von „Fairtrade Lëtzebuerg“ können von einer guten Entwicklung sprechen, hoffen aber auf mehr.
Wirtschaft 1 3 Min. 18.07.2018

„Fair“ soll keine Nische mehr sein

Marco MENG
Marco MENG
Der Handel mit Produkten, die den Erzeugern einen Mindestpreis garantieren und ihnen damit ein verlässliches Einkommen ermöglichen, ist keine Nische mehr. Auch die Konsumenten in Luxemburg greifen immer mehr zu „Fairtrade“.

19 Millionen Euro gaben letztes Jahr die Luxemburger für Produkte aus, die das Label „Fairtrade“ tragen. Der Markt entwickelt sich gut. Das sagte gestern in Roodt-sur-Syre die asbl „Fairtrade Lëtzebuerg“, deren Präsident Jean-Louis Zeien meint: „Es geht in die richtige Richtung, aber wir haben auch noch viel vor uns.“ Laut Zeien sind fair gehandelte Produkte ein Schritt hin zu einer besseren Weltwirtschaft, wo Kinderrechte, nachhaltiges Wirtschaften und Geschlechtergerechtigkeit auf der einen Seite, Kinderarbeit, Klimawandel und Ausbeutung auf der anderen sich gegenüberstehen.

Mit mehr fairem Handel soll dazu beigetragen werden, die Kleinbauern in armen Ländern zu stärken, die mit riesigen Monokulturen großer Konzerne konkurrieren müssen. „Weder Protektionismus noch Freihandel um jeden Preis sind die Lösung“, sagte Zeien, der darauf hinwies, dass der Konsum der reichen Länder seine Spuren in den armen Ländern des Südens hinterlässt. Angebot und Nachfrage beeinflussen auch bei „Fairtrade“ den Markt, und so könne jeder – ob Privatperson oder Unternehmen – seinen Teil zu einer faireren Wirtschaft beitragen, erklärt „Fairtrade Lëtzebuerg“.

Für acht Millionen Euro wurde letztes Jahr in Luxemburg Fairtrade-Kaffee verkauft.
Für acht Millionen Euro wurde letztes Jahr in Luxemburg Fairtrade-Kaffee verkauft.
Chris Karaba

Von Kaffee bis Cotton

1,66 Millionen Produzenten profitieren bereits direkt vom Handel mit Produkten, die das „Fairtrade“-Label tragen. Mehr als 2 500 Produkte in Luxemburg sind damit ausgezeichnet, wofür im vergangenen Jahr pro Kopf hierzulande 32 Euro ausgegeben wurde. Damit liegt das Großherzogtum auf Platz 6 der Länder, wo am meisten „Fairtrade“-Erzeugnisse gekauft werden. Doch es gibt noch Luft nach oben: Die Iren gaben 2017 mehr als 71 Euro für Produkte aus, die Kriterien des fairen Handels entsprechen, ebenso in der Schweiz, während es in Deutschland nur 16 Euro und in Frankreich acht Euro waren. 25 Partner von „Fairtrade Lëtzebuerg“ stellen inzwischen Waren her, die fairgehandelte Vorprodukte enthalten.

Video: Francis Verquin, Archivmaterial von 2016

Fair gehandelt ist oft auch ökologischer

Das sei der richtige Weg, so Zeien. Obwohl „fairgehandelt“ nicht zugleich „ökologisch nachhaltig“ bedeuten muss, ist es laut Geneviève Krol, Direktorin von „Fairtrade Lëtzebuerg“, so, dass in der industriellen Agrarwirtschaft großer Konzerne – Beispiel bei Bananen – viele Pestizide mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die örtliche Bevölkerung benutzt werden. In Luxemburg stammen inzwischen alle verkauften Bananen – 1 670 Tonnen waren das letztes Jahr – aus ökologischem Anbau und aus fairem Handel.


30.11. Wortex / ITV Jean Louis Zeien , Transfair foto: Guy Jallay
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Auch beim Kaffee greift man in Luxemburg immer mehr beim Label „Fairtrade“ zu. So betrug letztes Jahr der Umsatz mit fairgehandeltem Kaffee 8,13 Millionen Euro, was ein Volumen von 336 Tonnen ausmachte und einer Steigerung gegenüber 2016 von vier Prozent entsprach. Luxemburgische Röstereien verzeichneten sogar eine Nachfragesteigerung bei fairgehandeltem Kaffee von 21 Prozent.

Bereits Standard hierzulande: "Fairtrade"-Bananen.
Bereits Standard hierzulande: "Fairtrade"-Bananen.
Fairtrade Lëtzebuerg

Fairgehandelt können nicht nur Nahrungsmittel sein, sondern beispielsweise auch Baumwolle oder Rosen, von der in Luxemburg inzwischen jede vierte aus fairem Handel kommt. Fair gehandelte Rosen aus Afrika einzufliegen mag zwar gut für die Bevölkerung im östlichen Afrika sein, klingt aber nicht ökologisch. Zeien dazu: „Es gibt Untersuchungen und Studien, die zeigen, dass der ökologische Fußabdruck von in Europa gezüchteten Rosen schlechter ist als solche aus Afrika.“

Weniger Pestizide

Zudem seien Rosen aus fairem Handel weniger mit Pestiziden belastet. Für „Fairtrade Lëtzebuerg“ steht außer Frage, dass fairer Handel eine große Chance für die Menschen in armen Ländern bedeutet. So hätten sich mancherorts bereits Plantagen zusammengetan, um Krankenhäuser zu bauen. „Fairer Handel löst nicht alle Probleme zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele für 2030, aber er ist ein wichtiger Baustein“, sagt Zeien.

Auch der Handel in Luxemburg könnte hier seinen Beitrag leisten, meinte er. Tatsächlich gibt es inzwischen internationale Großkonzerne, die damit werben, „Fairtrade“-Produkte anzubieten. Wenn sie es ernst meinten und nicht nur als Produktnische, so begrüße man das natürlich, meint dazu „Fairtrade Lëtzebuerg“. Ziel müsse aber sein, die „Fairtrade“-Kriterien im gesamten Handel anzuwenden.


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