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Fahnder durchsuchen Privathäuser: Razzia bei deutschen Kunden der Spuerkeess
Die Spuerkeess ist in eine Affäre um Steuerbetrug von deutschen Kunden verwickelt.

Fahnder durchsuchen Privathäuser: Razzia bei deutschen Kunden der Spuerkeess

Foto: Marc Wilwert
Die Spuerkeess ist in eine Affäre um Steuerbetrug von deutschen Kunden verwickelt.
Wirtschaft 2 Min. 10.11.2015

Fahnder durchsuchen Privathäuser: Razzia bei deutschen Kunden der Spuerkeess

In Deutschland hat eine bundesweite Razzia bei deutschen Kunden der Luxemburger Spuerkeess BCEE begonnen. Steuerfahnder durchsuchten Privathäuser von Kunden in ganz Deutschland.

(vb/las/dpa) - In Deutschland hat eine bundesweite Razzia bei deutschen Kunden der Luxemburger Spuerkeess BCEE begonnen. Steuerfahnder durchsuchten Privathäuser von Kunden in ganz Deutschland.

Das berichtet das Recherchenetzwerk von NDR, WDR und "SZ". Auftraggeber der Großrazzia sind die Staatsanwaltschaft Köln und die Steuerfahndung Wuppertal. Betroffen sind deutsche Kunden der Banque et Caisse d’Epargne de l’Etat. Die BCEE soll Tausenden deutschen Anlegern geholfen haben, Geld vor den Finanzämtern zu verbergen. Zunächst wollen sich die Fahnder auf rund 120 BCEE-Kunden konzentrieren, die in Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen wohnen. Vielen weiteren droht ebenfalls ein Besuch der Steuerfahndung.

Die Adressen stammen von einem Datenträger mit den Kontendaten von über 54 000 deutschen BCEE-Kunden, die das Bundesland Nordrhein-Westfalen in den vergangenen Wochen gekauft hatte. Die Fahndung richtet sich nicht gegen alle diese Kunden. Viele von ihnen wohnen nahe der luxemburgischen Grenze und nutzen die Spuerkeess als gewöhnliche Hausbank. Die Ermittler konzentrieren sich zunächst auf Kunden mit einem Guthaben von mehr als 300 000 Euro, berichtet die ARD.

Kein Kommentar vom Finanzministerium

Auf Nachfrage wollte das Luxemburger Finanzministerium die Medienberichte nicht kommentieren. Zu diesem Zeitpunkt könne man die Geschehnisse noch nicht einschätzen, so ein Sprecher.

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans betonte: „In diesem Metier ändert sich nur etwas, wenn der Staat Zähne zeigt. Sonst setzt sich das systematische Ausplündern der Allgemeinheit durch Steueroasen mitten in Europa - egal ob in der Schweiz, in Luxemburg, in Deutschland oder anderswo - ungehemmt fort.“

Steuerdaten-Anbieter stellte sich selbst ein Bein

Der Anbieter der Steuerdaten ging bei der Aktion leer aus. Laut dem "Focus" forderte er für die 54.000 Datensätze vier Millionen Euro. Sein Fallstrick war laut dem Bericht der Informationsaustausch zwischen Frankreich und Deutschland. Der Anbieter habe die jeweiligen Datensätze geteilt und die Fragmente der Steuerfahndung überlassen, um seine Glaubwürdigkeit zu demonstrieren.

Die jeweils andere Hälfte habe der Informant den französischen Behörden angeboten. Doch die hätten die deutsche Seite eingeschaltet und den zweiten Teil der Liste übersandt. Bei der für Nordrhein-Westfalen zuständigen Steuerfahndung in Wuppertal seien die Daten dann wieder zusammengefügt worden - der Informant ging leer aus. NRW hat schon häufig Millionenbeträge für die Beschaffung von Unterlagen über Steuersünder gezahlt - und ein Vielfaches davon für die Landeskasse herausbekommen.

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