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Facebook-Chef vor Befragungen im US-Kongress
Wirtschaft 3 Min. 09.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Facebook-Chef vor Befragungen im US-Kongress

Eine Protestgruppe mit dem Namen "Raging Grannies" ("wütende Großmütter") protestierte vergangene Woche vor dem Facebook-Hauptsitz in Menlo Park.

Facebook-Chef vor Befragungen im US-Kongress

Eine Protestgruppe mit dem Namen "Raging Grannies" ("wütende Großmütter") protestierte vergangene Woche vor dem Facebook-Hauptsitz in Menlo Park.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 09.04.2018 Aus unserem online-Archiv

Facebook-Chef vor Befragungen im US-Kongress

Nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica ist Facebook-Chef Mark Zuckerberg auf einer wochenlangen Entschuldigungstour. In den nächsten Tagen steht er im US-Kongress Rede und Antwort. Facebook droht dort eine schärfere Regulierung seines Geschäfts.

(dpa) - Im Facebook-Datenskandal stellt sich Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Dienstag und Mittwoch Fragen im US-Kongress. Zunächst ist er als Zeuge bei einer gemeinsamen Sitzung des Rechts- und des Handelsausschusses im Senat geladen. Am Mittwoch steht eine weitere Befragung im Ausschuss für Energie und Handel des US-Abgeordnetenhauses an. Zuckerberg kann sich auf harte Fragen einstellen: Mehrere Senatoren und Abgeordnete kündigten in den vergangenen Tagen bereits an, dass sie den Facebook-Chef hart rannehmen wollen.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor über vier Jahren Informationen von Nutzern unrechtmäßig an die Analyse-Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump gearbeitet hatte. Dabei ging es nicht nur um die Daten der Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde.


(FILES) In this file photo taken on November 20, 2017 A picture taken on November 20, 2017 shows logos of US online social media and social networking service Facebook.
Cambridge Analytica is a private company for strategic communication and data analysis at the heart of a scandal over the use of personal data collected on Facebook. A subsidiary of Strategic Communications Laboratories (SCL), Cambridge Analytica (CA) has offices in New York, Washington and London and is directed by Alexander Nix. / AFP PHOTO / LOIC VENANCE
Bis zu 2.645 Luxemburger Nutzer könnten betroffen sein
Der jüngste Facebook-Skandal betrifft auch Nutzer aus Luxemburg. Bis zu 2.645 User könnten laut Facebook betroffen sein.

Nach Einschätzung von Facebook könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein - darunter potenziell von gut 70 Millionen Amerikaner. Cambridge Analytica selbst erklärte, man habe Informationen zu 30 Millionen Nutzern erhalten. Facebook wusste seit Ende 2015 von der unerlaubten Daten-Weitergabe - gab sich aber mit der Zusicherung zufrieden, dass sie vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Das wird erst jetzt nachgeholt. In Luxemburg könnten bis zu 2645 Nutzer betroffen sein.

Zudem räumte Facebook vergangene Woche ein, dass es möglich war, massenhaft öffentlich zugängliche Informationen der Nutzer abzugreifen, wenn man über deren Telefonnummer oder E-Mail-Adresse verfügte. Damit hätten zum Beispiel Versender von Spam-Mails ihre Nachrichten punktgenauer auf einzelne Personen zuschneiden können.

Zuckerberg gibt sich bereits seit Tagen Mühe, die Situation zu entschärfen. In Blogeinträgen und einer einstündigen Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er Fehler ein und versprach schärferen Datenschutz für die Zukunft. Zudem reduzierte Facebook bereits den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich und ergriff Maßnahmen für mehr Transparenz bei Anzeigen mit politischen Themen und Wahlwerbung. Zugleich bekamen Nutzer mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß der EU-Datenschutzgrundverordnung.

Für Facebook könnten Zuckerbergs Auftritte im Kongress schicksalhaft werden: Das Online-Netzwerk sieht sich der Bedrohung einer schärferen Regulierung ausgesetzt, die sein Geschäftsmodell beeinflussen könnte. Nach Informationen der „New York Times“ und des „Wall Street Journal“ wurde Zuckerberg zuletzt von einem Expertenteam auf die Befragungen vorbereitet. Dabei seien auch mögliche Entwicklungen der Anhörungen mit kontroversen Fragen durchgespielt worden, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.

Bei den Anhörungen könnte neben dem Datenschutz-Skandal auch die russische Einmischung in den US-Präsidentschaftswahlkampf 2016 zur Sprache kommen. Unter anderem die in Russland ansässige Gruppe Internet Research Agency hatte in großem Stil versucht, über gefälschte Facebook-Profile soziale Spannungen in den USA zu verschärfen und Stimmung für den schließlich siegreichen Kandidaten Donald Trump zu machen.

Unterdessen kehrte Apple-Mitgründer Steve Wozniak Facebook als nächster prominenter Nutzer im Nachgang des Datenskandals den Rücken. Facebook mache seine Gewinne mit den Daten der Mitglieder, aber diese bekämen nichts von den Profiten zu sehen, schrieb Wozniak (67) in einer E-Mail an die Zeitung „USA Today“. Er selbst sei bei Durchsicht seiner eigenen Datenschutz-Einstellungen erstaunt darüber gewesen, wie viele Anzeigenkategorien und Werbetreibende er einzeln aus der Liste streichen musste. Unter den bisherigen prominenten Facebook-Aussteigern nach dem Datenskandal sind die Sängerin Cher und der Schauspieler Will Ferrell. Wozniak entschied zugleich, seinen Facebook-Account lediglich zu deaktivieren, aber nicht komplett zu löschen - auch damit sich niemand anders den Profilnamen „stevewoz“ schnappen könne. Diese Abkürzung nutzt Wozniak auch bei Twitter. Unterdessen war bei Facebook am Montag weiterhin ein vom Online-Netzwerk verifiziertes Profil unter dem Namen „SteveWozniak“ aktiv, das allerdings nur zwei Beiträge aufwies.


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